Stoppt den Kreislauf der Gewalt in der Türkei

Quelle: Wikipedia
Menschen suchen in den Trümmern in Cizre nach Überresten ihrer Habe - direkt neben den Bulldozern.
Die Polizei ist in den umkämpften Bereichen in Cizre allgegenwärtig. Sie kann nur heimlich fotografiert werden.
Auch eine Moschee wurde in Cizre zerstört.
Einschläge von Kugeln an den Wänden in Cizre.
Die Delegation mit der Bürgermeisterin von Diyarbakir.
Am Ende unserer Reise gaben wir eine Pressekonferenz, die besonders in kurdischen Medien Beachtung fand.

 

 

Der BSV ist Mitträger der 2016 gestarteten Kampagne "Stoppt den Kreislauf der Gewalt" in der Türkei. Diese Kampagne, die von den War Resisters' International ins Leben gerufen wurde, konzentriert sich ganz darauf, AktivistInnen in der Türkei, die sich für Frieden, Menschenrechte und Gewaltfreiheit einsetzen, zu unterstützen.

Handbuch für gewaltfreie Kampagnen in Türkisch veröffentlichen

Massenfestnahmen, Polizeigewalt gegen friedliche Demonstrierende, Verbote von Menschenrechtsorganisationen und bewaffnete Kämpfe in der Südosttürkei – die Situation in der Türkei ist für diejenigen, die sich für Menschenrechte, Gewaltfreiheit und zivile Konfliktbearbeitung einsetzen, nicht einfach. Wichtig sind deshalb Workshops und Trainings, um sich mit der Situation auseinanderzusetzen, sich gegenseitig zu unterstützen und wirksame, gewaltfreie Formen des Protests und Widerstands zu entwickeln. Das Zentrum für gewaltfreie Bildung und Forschung (?IDDETSIZLIK EGITIM VE ARASTIRMA DERNEGI) in Istanbul ist eine Organisation, die solche Trainings anbietet.

Wir möchten dem Zentrum dabei helfen, ein Handbuch auf Türkisch herauszugeben, das sich mit Strategien und Aktionsformen gewaltfreier Aktion befasst. Dieses „Handbuch für gewaltfreie Kampagnen“ wurde in englischer Sprache von den War Resisters' International herausgegeben (http://www.wri-irg.org/en/pubs/NonviolenceHandbook). (In diesem Jahr wird auch eine deutsche Übersetzung erscheinen.) Das Handbuch, das Erfahrungen aus aller Welt aufgreift, beschreibt, was Gewaltfreiheit in der politischen Aktion bedeutet. Es gibt detaillierte Hinweise, wie man eine Kampagne strategisch organisiert und beschreibt einige Aktionsformen näher. Abgerundet wird es durch Fallstudien und Methoden und Übungen für Trainings.

 

Ins Türkische übersetzt wurde es schon auf ehrenamtlicher Basis. Aber es fehlt Geld für Layout und den Druck. Zweck ist, das Handbuch kostenfrei an Teilnehmer*innen der Trainings und Seminare zu verteilen, die das Zentrum durchführt.

Vergangene Aktionen im Rahmen der Kampagne:

Petition: Stoppt den Kreislauf der Gewalt in der Türkei

Unser im März 2016 gestarteter Appell an Außenminister Steinmeier war mit fast 6.000 Online-Unterschriften, zu denen noch zahlreiche direkt an das Auswärtige Amt geschickte Karten kamen, deren Zahl uns leider unbekannt ist, recht erfolgreich. Wir danken allen Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern.

Zu der Zeit, als wir den Appell begannen, war von der Situation in der Türkei in der Öffentlichkeit nur wenig die Rede. Das hat sich in den letzten Monaten, besonders nach dem Putschversuch Mitte Juli, geändert. Auch wenn wir weiter beklagen müssen, dass der Situation in der Osttürkei, wo die gewaltsamen Auseinandersetzungen weitergehen, wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird: Aufgrund der aktuellen Ereignisse haben wir beschlossen, diese Unterschriftensammlung einzustellen. Wir haben das Auswärtige Amt über die Zahl der UnterzeichnerInnen unterrichtet - und auch eine, wenngleich nichtssagende, Antwort erhalten. Unsere Arbeit werden wir selbstverständlich fortsetzen.

Delegation der WRI bereiste die Südosttürkei

Vom 25. bis 30. April ist eine Delegation der WRI in der Südosttürkei unterwegs gewesen. Ziel war, sich über die Lage vor Ort zu informieren und Möglichkeiten der Kooperation und Unterstützung örtlicher AktivistInnen zu eruieren.

Die Situation in der Region, die durch das Wiederaufflammen der Kämpfe zwischen der türkischen Regierung und der PKK seit August 2015 geprägt ist, wird von der Politik und den westlichen Medien angesichts des Krieges in den Nachbarländern Syrien und Irak und der Flüchtlingskrise weitgehend ignoriert.

"Europa hat uns in Stich gelassen" war ein Satz, den die Delegation oftmals zu hören bekam. In den letzten Monaten sind nach Zahlen türkischer Menschenrechtsorganisationen über 300 ZivilistInnen ums Leben gekommen und bis zu 400.000 Menschen vertrieben worden.

Die siebenköpfige Delegation mit Mitgliedern aus der Türkei (Hülya Ucpinar und Coskun Üsterci), Stellan Vinthagen (Schweden), Andreas Speck (Spanien), Michaela Söllinger (Österreich), Rudi Friedrich (Deutschland) und Christine Schweitzer (auch Dt.) fand eine Situation vor, in der viele kurdische und türkische Nichtregierungsorganisationen sich bemühen, den Menschen vor Ort zu helfen, während die Stimmung in der Bevölkerung aber von Hoffnungslosigkeit und Verbitterung geprägt ist.

Während in einigen Orten die z.T. mehrmonatigen Ausgangssperren teilweise aufgehoben wurden, setzen sie sich in anderen Ort bzw. neue Kämpfe haben in weiteren Städten begonnen.

Der Bericht der Delegation (in englischer Sprache) kann hier heruntergeladen werden.

Hier geht es zu einer ersten Pressemitteilung, die die Delegation verfasst hat.

Hintergrundtexte

Broschüre von Connection e.V. und BSV: Stoppt den Kreislauf der Gewalt in der Türkei.

Ein Hintergrundtext der War Resisters' International zu dem Thema ist hier zu finden.

Hier geht es zu einem Artikel über die Geschichte des kurdischen Volkes in den verschiedenen Ländern des Mittleren Ostens, verfasst von Angela Vasiljevic.

Ein längerer Beitrag zu den aktuellen Entwicklungen in der Südosttürkei von Andreas Speck und Hulya Ucpinar kann in englischer Sprache hier heruntergeladen werden. Er wird demnächst auch auf Deutsch verfügbar sein.

Weiterhin lesenswert ist das Hintergrund- und Diskussionspapier von Gül Akbal zu den Gezi-Park-Protesten 2013. Es kann hier heruntergeladen oder als Papier bestellt werden.