< Bundesweiter Kongress zum „No Blame Approach“ 10. – 12. Dezember 2010
03.11.2010
Kategorie: über uns

Gewaltfrei Leben gestalten

Persönlicher Kurzbericht zum PAXX-Action Training in Mannheim


Vom 29. Oktober bis 1. November fand im Volkshaus Neckarau in Mannheim eine intensive und kreative Aktionskonferenz statt. Neben dem Hauptinitiator DFG-VK (insbesondere LV Baden-Württemberg) waren auch das Heidelberger Party-Kollektiv "Party & Activism“, die Werkstatt für Gewaltfreie Aktion Baden, das Friedensplenum Mannheim und der BSV aktiv beteiligt.

Die Idee war, frischen Wind in die Friedensbewegung zu bringen, neue (und alte) Aktionsformen (wieder) kennenzulernen und einzuüben und mit den besprochenen Inhalten (ZKB; Bundeswehr und Schule; Atomwaffen; Rüstungsindustrie; Konversion und Militärbasen) zu verknüpfen.

Kreativität wurde also Groß geschrieben. An den Vormittagen wurden durchgehend Aktionsformen wie Ziviler Ungehorsam, Rebel Clowns, Straßentheater und Großpuppenbau angeboten. Da war zum Teil  viel Körperarbeit angesagt: Maschinen bilden, Emotionen ausdrücken, neue Definitionen alltäglicher Dinge erfinden (My lie) und so weiter.

Tolle Clowns- oder Straßentheater-Trainer wie Captain Chameleon bzw. Anita Bertolani und Shiva Grings führten die teilnehmenden und super-motivierten jungen und älteren Akteure zu kreativen Höchstleistungen, die dann während der Aktion am 1.11. vor dem Technoseum auch aufgeführt wurden. Ein echter „Hingucker“ (Überschrift Mannheimer Morgen, 2.11.2010) waren die drei Meter hohen Schreibtischtäter bzw. Schreibtischtöter, die unter der Anleitung von Larry Swingle an drei Tagen gebaut wurden (siehe Foto).

Sie waren die direkte Umsetzung unserer Interpretation dessen, was auf dem Mannheimer Bundes­wehr-Bildungscampus geschieht: das angeblich harmlose Erlernen, wie man eine militärische Ein­richtung wie die Bundeswehr verwaltet, wird hier verknüpft mit einer Einrichtung, in der die Wehr­technik eine große Rolle spielt: die Vernetzung der Militärverwaltung, der Politik und der Rüstungsin­dustrie macht die Einrichtung zu einem Hort von Schreibtischtätern und Schreibtischtötern.

Vor der eigentlichen Kundgebung gab es noch eine kleine, nicht angemeldete (aber zufällig durch eine Streife entdeckte) Aktion auf dem Gelände des Bildungscampus. Dort wurden die Puppen zu einem Foto inszeniert. Auch Flugblätter wurden in die Postkästen der Wohnheime der Bundeswehrangehörigen geschmissen.

Eines der Anlässe, das PAXX Action Training durchzuführen, waren die für gewaltfreie AktivistInnen frustrierenden Ereignisse in Strasburg (auch der BSV hat das ja hautnah erlebt). Wie sollen Gewaltfreie mit Gewaltbereiten umgehen? In einem Workshop von Andreas Speck (WRI) und Renate Wanie (Werkstatt für gewaltfreie Aktion Baden) wurden verschiedene Akteure sowohl in der Gruppe der Polizei- wie der Demonstranten in ihren Handlungen und deren Beweggründen analysiert, um schließlich anhand des Forumtheaters (nach Augusto Boal) in einem konkreten Rollenspiel zu überlegen, wie man in einem Demonstrationszug damit umgeht, wenn jemand – im Schutz der gewaltfreien Gruppe - einen Stein Richtung Polizei wirft. Auch wenn es natürlich keine eindeutige Antwort gab, so war es doch toll, dass die beste Lösung (Die DemonstrantInnen, die damit nicht einverstanden sind, skandieren „Keine Steine“, ohne dass der Zug gestoppt wird) von der jüngsten Teilnehmerin kam.

Überhaupt gab es eine gute Altersmischung in der Gruppe der 60-70 Teilnehmenden/ReferentInnen: von 20 bis 80 (Andreas Buro). Alle zeigten sich in der abschließenden kleinen Auswertungsrunde sehr zufrieden mit der Veranstaltung: tolle Leute kennengelernt, viel Spaß gehabt, neue MitstreiterInnen gefunden, klasse Essen (ein Lob an Markus und Gina für ihre edle vegane Küche).

Ich selbst habe an dem Straßentheater aktiv teilgenommen und war bei der Abschlusskundgebung neben dem Vertreter der lokalen Friedensbewegung und Jürgen Grässlin (DFG-VK) einziger Redner. Ich habe Beispiele für "Gewaltfrei Leben Gestalten" (2. Teil des Mottos der Aktion)  aus dem reichen BSV-Fundus angeführt und mit Mairead Maguire geschlossen: „Wir haben Frieden geschaffen. Ist es nicht ein Wahnsinn? Ist das nicht ein Grund, hier zu tanzen?“

Fazit: eine kreative und ungeheuer Spaß machende Veranstaltung, die in jedem Fall wiederholt werden sollte.

Stephan Brües

P.S.: Der freie Journalist Andreas Klamm war am Sonntag fast den ganzen Tag auf der Veranstaltung und hat Organisatoren (die Frauen im Orgateam waren merkwürdigerweise, aber nicht direkt beabsichtigt nicht dabei) interviewt. Auch ich wurde spontan vor der Kamera geholt. Das Kurzvideo ist zu sehen auf www.youtube.com/watch


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