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08.10.2010
Kategorie: International

Pressemitteilung: Bund für Soziale Verteidigung

“Wir haben genug von Gewalt und Terror!” Irakis fordern ein Ende der Gewalt in ihrem Land


Heute endet die Vierte Irakische Woche der Gewaltfreiheit; das Engagement
für Frieden und gegen Gewalt im Irak geht weiter: Das irakische gewaltfreie
Netzwerk LaOnf machte vom 1. – 8. Oktober mit Aktionen im ganzen Irak auf
das Problem der alltäglich gewordenen Gewalt aufmerksam und rief die
Bevölkerung und Politik dazu auf, an dem Aufbau eines friedlichen Irak
mitzuwirken.
Unter dem diesjährigen Motto „Es ist an der Zeit für eine nationale
Regierung! Schluss mit dem Warten!“ gingen LaOnf-Mitglieder in allen Teilen
des Irak auf die Straße, um in der Öffentlichkeit stabile politische
Verhältnisse und ein Ende der Gewalt im ganzen Land zu fordern.
LaOnf, das bedeutet „Keine Gewalt“, und ist der Name eines 2006 gegründeten
Netzwerkes, in dem sich zivilgesellschaftliche Organisationen und
Einzelpersonen aus dem ganzen Irak zusammengeschlossen haben, die die
gemeinsame Überzeugung teilen, dass der Verzicht auf Gewalt die Basis für
einen Wiederaufbau des Irak und einen politischen Wandel im Land sind. Die
Ideen von Frieden und Gewaltfreiheit versuchen sie seitdem in Gesellschaft
und Politik zu verbreiten, indem sie auf die negativen Folgen einer von
Gewalt durchzogenen Gesellschaft aufmerksam machen und für Alternativen
sensibilisieren. In der jährlich stattfindenden Woche der Gewaltfreiheit
finden zu diesem Zweck im ganzen Land verstärkt öffentlichkeitswirksame
Aktionen statt, die möglichst breite Teile der Bevölkerung erreichen sollen.
Nicht zufällig ist der Termin stets um den 2. Oktober herum gewählt, den
Geburtstag des großen Vorbildes Mahatma Gandhi und seit einigen Jahren
Internationaler Tag der Gewaltfreiheit.
Die Theaterperformance in Bagdad, das Kulturfestival in Babylon, die
Fachtagung „Keine Gewalt gegen Frauen“ im kurdischen Dohuk oder das
Fußballturnier in Erbil – die irakischen LaOnf-AktivistInnen boten eine
bunte Palette von Events und Aktivitäten, die zum Mitmachen und Nachdenken
über Sinn bzw. Unsinn von Gewalt anregten und Alternativen aufzeigten. Als
besonderen Erfolg werteten die Veranstaltenden die Tatsache, dass in diesem
Jahr erstmals auch RegierungsvertreterInnen an einzelnen Veranstaltungen
teilnahmen und damit offen ihre Zustimmung zur Arbeit von LaOnf ausdrückten.
Auch in Deutschland wurde Solidarität gezeigt: Der Bund für Soziale
Verteidigung veranstaltete am 2. Oktober einen Solidaritätstag in Münster,
in dem u. a. in einer Live-Schaltung per Internet direkter Kontakt zu
irakischen LaOnf-AktivistInnen aufgenommen wurde.
„Es ist eine furchtbare Situation voller Gewalt und Terror, unter der die
irakische Bevölkerung leidet. Wir wollen einen friedlichen und
prosperierenden Irak schaffen, wir wollen Schritte in Richtung
Gewaltfreiheit und Frieden gehen und möglichst viele dazu anregen, diesen
Weg mitzugehen“, so Salar Ahmed, Koordinator des Netzwerkes. Die
Öffentlichkeitsarbeit ist hierfür von besonderer Bedeutung, weiß Ahmed: „Das
fehlende Bewusstsein für die verschiedenen Facetten der Gewalt und ihre
negativen Folgen ist eines der größten Hindernisse für eine friedliche
Entwicklung.“ Die andere große Hürde sieht er in der Zersplitterung der
politischen Parteien. Die Parlamentswahlen im März haben noch immer zu
keiner neuen Regierungsbildung geführt. „Die politische Instabilität hat die
Gewaltakte im Land wieder verstärkt, die Menschen sind frustriert und wenden
sich wieder verstärkt dem Terrorismus zu“ meint auch der LaOnf-Vorsitzende
Ibrahim Ismael. Daher fordert das diesjährige Motto der Woche auch explizit
die lange fällige Regierungsbildung. Auch die Arbeit von LaOnf selbst bleibt
von der Gewalt im Land nicht unberührt. Mangelnde Sicherheit ist immer
wieder der Grund dafür, dass geplanten Veranstaltungen keine offizielle
Genehmigung erteilt wird. So drohte die Großveranstaltung in Bagdad zum
Auftakt der Woche der Gewaltfreiheit aufgrund von Sicherheitsbedenken der
Behörden zu scheitern, konnte jedoch, einen Tag früher als geplant, doch
noch stattfinden. Eine Übersicht über diese und alle anderen im Rahmen der
Woche der Gewaltfreiheit durchgeführten Veranstaltungen im Irak gibt der
Bund für Soziale Verteidigung unter www.soziale-verteidigung.de.
Dass es ein beschwerlicher und teilweise auch gefährlicher Weg hin zu einem
friedlichen Irak ist, hält die Laonf-Mitglieder nicht davon ab, diesen
Schritt für Schritt zu gehen. Als unterstützend empfinden sie dabei
insbesondere auch die internationale Solidarität, die sie von
Friedensorganisationen aus aller Welt erfahren. Der Bund für Soziale
Verteidigung führt zu diesem Zweck eine Solidaritäts-Fotoaktion durch, an
der sich alle Interessierten unter www.soziale-verteidigung.de beteiligen
können.
Auch für das nächste Jahr gibt es bereits Pläne: „Wir beginnen gerade mit
den Vorbereitungen für den Internationalen Bagdad-Marathon gegen Gewalt,“ so
Salar Ahmed, „es soll der größte Lauf in der Geschichte des Irak werden.“

Kontakt:
Bund für Soziale Verteidigung e. V.
Judith Conrads (Geschäftsführerin)
conrads(at)soziale-verteidigung.de


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