RB 032

Rundbrief 2/03 des BSV
Schwarzer Weg 8, 32423 Minden (Hrgb.)
Kostenlos Auflage: 6.500
Tel. 0571/29456 Fax 0571/23019
SPK Mi-Lü, BLZ 49050101, Nr. 89420814
E-Mail: info(at)soziale-verteidigung.de Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

Redaktion: Peter Betz
V.i.S.d.P. Konrad Tempel
Druck: ART & IMAGE, Minden
Erscheinungsweise: vierteljährlich
Redaktionsschluß für 3/03, 1.8.2003
Internet: www.soziale-verteidigung.de

Inhalt

    • Neues aus dem BSV/Bildung
    • Neuerscheinungen/Trainings
    • BSV Ag Israel
    • Kooperation für den Frieden
    • Zypern Projekt/IFGK
    • Netzwerk Friedenssteuer
    • Ankündigungen/Lebenslaute

Als erstes darf ich eine wirklich tolle Idee lobend erwähnen: Dr. Rainer Welte hat zu seinem runden Geburtstag alle Freunde und Gäste aufgerufen anstatt eines Geschenkes für ihn persönlich, dem BSV zu spenden. Mehrere hundert Euro sind so zusammengekommen. Vielen Dank.
Wir bitten um Nachahmer.

In diesem Rundbrief finden Sie u.a. folgende Hinweise: BSV AG Israel (wir hoffen, bald eine BSV Friedensfachkraft entsenden zu können) - unsere pädagogischen Trainings (Detlef Beck bietet in diesem Rundbrief erstmals eine berufsbegleitende Langzeit Fortbildung in Mediation an) - unsere Neuerscheinungen (hier möchte ich Ihnen sehr die Übersetzung des aktuellen Galtung-Buches "Searching for Peace" an das Herz legen. Ingrid von Heiseler hat ein wichtiges Buch der Friedensliteratur übersetzt. Auch an dieser Stelle vielen Dank dafür. Siehe beigelegten Bestellzettel).

Bitte beachten Sie auch die zweite Beilage in der Mitte dieses Rundbriefes und helfen Sie mit, ein zweites Wendland in der Ruppiner Heide aufzubauen. Beteiligen Sie sich an den gewaltfreien Aktionen, um das Nadelöhr der europäischen Militaristen zu verstopfen!

Hungrig nach positiven Nachrichten durchstöbere ich immer wieder die BSV Aktivitäten und finde die verschiedensten Stränge der Friedensarbeit und der Koordination und ich freue mich sehr über die vielen, vielen Menschen, die das alles ermöglichen. Jede/r an seinem Platz trägt dazu bei, dass dieses wirklich große Schiff BSV seinen Kurs behält.

Peter Betz


Nach dem Krieg ist vor dem Krieg

Die USA haben im neuerlichen Golfkrieg gesiegt - nun wird abgerechnet. Die Kriegsgegner werden abgemahnt, die unterstützenden Staaten belohnt. So ist es in allen Zeitungen zu lesen. Ich muss dabei an ein Gedicht von Erich Fried denken:

Ich bin der Sieg.
Mein Vater ist der Krieg.
Der Friede ist mein lieber Sohn,
der gleicht meinem Vater schon.

Dieses Gedicht, zu Zeiten des Ost-West-Konfliktes geschrieben, bekommt nun erschreckende Aktualität. Der Sieg gebiert einen Frieden, der dem Krieg ähnelt. Und die Regierungen stellen sich schon auf den nächsten Krieg ein.

Wir im BSV sind glücklicherweise über das Denken in Sieg und Niederlage hinausgekommen, wenn wir auf unsere Aktivitäten zurückblicken und versuchen, daraus zu lernen. Doch eine Bilanz ist nötig.

Nach dem schnellen militärischen Sieg der USA waren viele mit ihren Kräften am Ende. Ein Aufatmen, dass nicht mehr Kriegsopfer zu beklagen waren, und eine Enttäuschung darüber, dass die Bewegung keine aktuellen Auswirkungen gezeigt hatte, machten sich breit.

Nüchtern stellen wir fest, dass wir unsere konkreten Forderungen an die Bundesregierung, z.B. die Überflugrechte für die britischen und US-Militärflugzeuge zu verweigern, nicht durchsetzen konnten. Die kriegskritische Haltung der rotgrünen Koalition, die von Frankreich und anderen Ländern so gut unterstützt wurde, hat vielen Leuten Mut gemacht, sich an unseren Aktionen zu beteiligen - doch nun besteht die Gefahr, dass sie sich nicht weiter einbringen.

Unsere Aufgabe sehe ich darin, die Klage über das Unrecht des Krieges nicht zum Schweigen kommen zu lassen, die Hintergründe für das Geschehen - auf Seiten der Kriegsparteien, aber auch auf unserer Friedensbewegungsseite aufzuarbeiten, und dann neue Handlungsoptionen für zukünftige Konflikte zu entwickeln.

Ein wichtiger Schritt war schon die Gründung der "Kooperation für Frieden". Von hier erwarte ich mir wichtige Impulse und gegenseitige Unterstützung - dadurch, dass unsere Geschäftsführerin Kathrin Vogler die Möglichkeit hat, im Sprecherkreis mitzuarbeiten, ist eine gute Kommunikation für uns gewährleistet.

Verschiedene Aktionsmöglichkeiten wurden in der Kooperation vorgestellt: Von einem Irak-Tribunal über den Vorschlag einer UN-Initiative zur gewaltfreien Krisenprävention, bis zur Verknüpfung von Friedens- und Ökologiebewegung im Projekt "Energy for peace" (ein Aufruf zu Investition in Windenergie in Deutschland und Solarenergie in Afghanistan) und der Möglichkeit, persönliche Friedensverträge mit Einzelpersonen aus dem so oft verteufelten Kulturkreis des Morgenlandes abzuschließen.

Wir haben also genug zu tun - werben wir darum, dass viele andere mitgehen - auf dem Weg, dessen Ziel zumindest für unseren überschaubaren Politikbereich die Abschaffung der Institution Krieg sein muss.

Berthold Keunecke


Neues aus dem BSV / Bildung

Plakat zum Thema Mobbing für Schulklassen

Auf Einladung des vom Land NRW geförderten Projektes "Konstruktive Konfliktbearbeitung im kommunalen Zusammenhang" hielt Chistopher Szaday von der Pädagogischen Hochschule Zürich im Rahmen einer MultiplikatorInnen-Fortbildung einen Vortrag über den "No Blame Approach" zur Bekämpfung von Mobbing an Schulen. Dazu brachte er auch eine Plakat zum Thema Mobbing für Schulklassen mit, dass nun in deutscher Übersetzung vorliegt. Das Plakat zum Thema Mobbing für Schulklassen kann bestellt werden beim Organisationsreferenten des Projektes KKK Armin Torbecke, Geschäftstelle BSV, Schwarzer Weg 8, 32423 Minden, Tel: 0571-29456.

Wer schon vorab einen Blick auf das Plakat werfen will kann das unter www.konstruktive-konfliktbearbeitung.de dort dann den Button Praxistransfer anklicken und dann Mobbing wählen. Hier findet sich ein lesenswerter Artikel zum Thema Mobbing in Schulen von Christopher Szaday und das Plakat zur Ansicht.

BSV-Geschäftsführer in Luxembourg

Nach einem von der Caritas organisierten Radiointerview und anschließendem Fernsehauftritt informierte Detlef Beck im Rahmen eines Vortrages über die Programme zur Konstruktiven Konfliktaustragung die Ausbildung von Schülerinnen und Schülern in Schulen als Streitschlichter. Am folgenden Tag fanden sich 20 MultiplikatorInnen ein, die sich in einem eintägigen Trainingsseminar über die Grundidee der Mediation, der Vermittlung in Konflikten informierten. Die Caritas Luxembourg wünscht sich, diese und ähnliche Konzepte zur gewaltfreien Konfliktaustragung weiter verbreiten zu können. Wir wünschen viel Erfolg. Nicht unerwähnt bleiben soll die wunderbare Gastfreundschaft, die Detlef Beck erfahren hat. Danke dafür auch noch einmal auf diesem Weg.

Neuerscheinungen

Praxisanleitung für ein Gewaltpräventionsprojekt am Beispiel der Erich-Kästner-Schule/Harsewinkel (Grundschule für Erziehungshilfe). Diese 50-seitige Broschüre beschreibt, wie in einer ersten Klasse einer Erziehungshilfe-Schule mit der Förderung von Fähigkeiten zur Konfliktbewältigung begonnen werden kann. Eingebettet war das Projekt in die Aktivitäten des Netzwerk Gewaltprävention im Kreis Gütersloh. AutorInnen sind Ines Schiermeyer und Detlef Beck.
Hintergrund- und Diskussionspapier Nr. 13, Preis 4,50 Euro plus VK

Konfliktpädagogik durch Kooperation im Netzwerk Gewaltprävention Gütersloh. Diese 60-seitige Veröffentlichung beschreibt, wie das Netzwerk Gewaltprävention im Kreis Gütersloh entwickelt und aufgebaut wurde. Einleitend geht Prof. Dr. R. Dollase von der Universität Bielefeld der Frage nach "Wann sind Menschen friedlich? - Möglichkeiten und Grenzen der Gewaltprävention".
Hintergrund- und Diskussionspapier Nr. 14, Preis 5 Euro plus VK

Aktuell & empfehlenswert:

Theodor Ebert: Militärische Gewalt als Ultima ratio? Pazifistische Positionen in der aktuellen Diskussion. Inhalt: Vortrag "Militärische Gewalt als ultima ratio?" und "Das Vermächtnis Martin Luther Kings für die ökumenische Dekade zur Überwindung von Gewalt."

Hintergrund- und Diskussionspapier Nr. 12, Preis 5 Euro plus VK Bestellungen: Geschäftsstelle des BSV: Tel: 0571-29456 info(at)soziale-verteidigung.deDiese E-Mail Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können


Streitschlichtungskongress 2003

Im Dezember ist es soweit: der Bund für Soziale Verteidigung veranstaltet in Kooperation mit der Stiftung Mitarbeit und dem Bildungswerk Umbruch, finanziert mit Hilfe des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, einen professionellen und deutschlandweiten Kongress für StreitschlichterInnen. Zielgruppe sind vorrangig SchülerInnen ab der 8. Klasse, die schon eine StreitschlichterInnenausbildung haben und an den Schulen oder in anderen Einrichtungen ihrer Arbeit nachgehen. Ziel ist es, ihnen auf der einen Seite die Möglichkeit zum Austausch mit KollegInnen zu bieten und den Stand der Arbeit so zu reflektieren und zu analysieren. Auf der anderen Seite sollen die Jugendlichen in Kleingruppen mit qualifizierten TrainerInnen nach Interesse ein Thema wählen und über das Wochenende vertiefen können.

So können Austausch, Weiterbildung und das Erarbeiten von neuen Perspektiven aufeinander aufgebaut werden und durch die Vernetzungsmöglichkeit auch über das Wochenende hinaus die Arbeit vieler verbinden. Termin: 05. -07.12.2003. Für Nachfragen steht das Vorbereitungsteam Alexandra Kobusch und Dennis Rüter in der Geschäftsstelle des BSV zur Verfügung.

Land NRW fördert auch 2003 das Projekt "Konstruktive Konfliktbearbeitung im kommunalen Zusammenhang"

Das Projekt "Konstruktive Konfliktbearbeitung im Kommunale Zusammenhang (KKK)" des Bundes für Soziale Verteidigung und des Versöhnungsbundes wird auch in diesem Jahr vom Land NRW finanziell gefördert. In 2003 werden vier 10-tägige Fortbildungen für MultiplikatorInnen zu den Themen Mediation und/oder konstruktiver Konfliktarbeit durchgeführt: in Olpe in Kooperation mit dem Landschaftsverband Rheinland, in Vlotho in Kooperation mit AKE-Bildungswerk und Jugendhof Vlotho sowie in den Kommunen Lübbecke und Espelkamp.

Seit Beginn des Projektes im Jahr 2001 haben bereits 11 Fortbildungen mit ca. 180 MultiplikatorInnen stattgefunden. Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden zudem beim Praxistransfer von Projekten zur Konstruktiven Konfliktbearbeitung vor Ort unterstützt. Beispielsweise bei Einrichtung von Streitschlichterprogrammen in Schulen, bei Konfliktanalysen und der Entwicklung lokaler Handlungsansätze zur Lösung von konflikthafter Entwicklungen.

Aktuelle Informationen erhalten Sie bei: Projekt KKK, Armin Torbecke,
Schwarzer Weg 8, 32423 Minden,
Tel. 0571/29456, Fax 0571/23019
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www.konstruktive-konfliktbearbeitung.de

Trainings zum Umgang mit Gewalt und Diskriminierung
Ein deutsch - türkisches Austauschseminar

Methoden der Gewaltfreiheit wurden in der Türkei seit Mitte der 90er Jahre im Zuge unserer internationalen Zusammenarbeit in einer Reihe von Trainings vermittelt und ausprobiert.

Mit dem Aufenthalt zweier Freiwilliger in der Friedensfacharbeit beim Verein der KriegsgegnerInnen Izmir erfuhr die Trainingsarbeit eine systematische Stärkung. Mehrere Trainings fanden statt, bei denen neben der Methodenvermittlung Aktionsvorbereitungen und interne Gruppendynamiken bearbeitet wurden. Interessierte ließen sich als TrainerInnen ausbilden, ein Trainingskollektiv entstand.

In diesem Austauschseminar mit TrainerInnen und Interessierten aus der Türkei und Deutschland soll es darum gehen, Ansätze und Konzeptionen der Trainingsarbeit im jeweils anderen Land unter jeweils spezifischen gesellschaftlichen Bedingungen kennen zu lernen. Gemeinsam wollen wir die Anwendbarkeit und Resonanz von Trainings zum Umgang mit Gewalt und Diskriminierung reflektieren, Anstöße zur Weiterentwicklung von Konzeptionen und Ansätzen gewinnen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausarbeiten und uns gegenseitig in der Arbeit stärken.

Inhalte werden z.B. sein:

    • Hintergründe und Erscheinungsformen von Gewalt und Diskriminierung in der Türkei und in Deutschland
    • Entstehungshintergründe der Trainingsarbeit in den beteiligten Ländern
    • Ansätze und Konzeptionen der Trainingsarbeit
    • Erfahrungen in der Praxis (z. B. hinsichtlich der Übertragbarkeit eines im Westen entwickelten Ansatzes, hinsichtlich der Veränderungsprozesse in Bezug auf Inhalte, Methoden, Zielgruppen, TrainerInnen ...)
    • Kreativer Methodenaustausch

Teamerinnen: Aysel Fakir-Devran, Gudrun Lagemann
Termin: Mo., 21.07.03, 13.00 Uhr - Fr., 25.07.03, 18.00 Uhr
Kosten: 106,- Euro / 80,- (erm.)
Ort: NaturFreundehaus Bielefeld-Brackwede, Am Rosenberg 101, 33647 Bielefeld
Kooperationspartner: UMBRUCH-Bildungswerk, AntiDiskriminierungsBüro Lippe,
Izmirer Trainingskollektiv
Kurs-Nr.: 034003

Anmeldung
Bitte direkt an das UMBRUCH - Bildungswerk, Braunschweiger Str. 22, 44145 Dortmund,
hallo(at)umbruch-bildungswerk.deDiese E-Mail Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
www.umbruch-bildungswerk.de


Ausbildung in Mediation November 2003 - September 2005

Im November 2003 startet die 2jährige berufsbegleitende Ausbildung in Mediation als Kooperationsprojekt zwischen dem Bund für soziale Verteidigung und FairÆnd, Praxis für Konfliktberatung, Mediation, Supervision und Weiterbildung. Die Ausbildung orientiert sich an den Ausbildungsrichtlinien des Bundesverbands Mediation und bietet die Voraussetzungen für die Anerkennung als MediatorInnen.

Inhaltlicher Rahmen:

    • Ausbildung in Mediation
    • FachreferentInnen für spezifische Anwendungsfelder der Mediation
    • Supervision von Praxisfällen
    • Begleitung bei der Praxisentwicklung
    • Intervision (selbstorganisierte Lerngruppen)

Umfang: 10 dreitäge Blöcke (Zeitraum November 2003 - September 2005);
zusätzlich 20 Stunden Intervision
Termine in 2003/2004
13.-15.11.03; 05. 07.02.04; 25.-27.03.04; 03.-05.06.04; 23.-25.09.04; 02.-04.12.04

Ausbildungsort: Tagungshaus Düsse, Bad Sassendorf (Nähe Soest)
Kosten: 2.880; Euro (Ratenzahlung möglich; 24 Raten à 120 Euro)
Kontakt und Information bei den ReferentInnen:
Heike Blum, Tel: 02236-379179, email: heikeblum(at)aol.comDiese E-Mail Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
Detlef Beck, Tel: 05731-798425, email: detlefbeck(at)t-online.deDiese E-Mail Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können


BSV AG Israel

BSV goes ZFD
Israel / Palästina -Projekt beantragt

Die Jahalin waren früher ein Beduinenvolk, das mit seinen Herden durch die Negev-Wüste zog. Heute ist in ganz Palästina Freizügigkeit nur noch ein Traum. Stacheldrähte, Mauern und Checkpoints grenzen ein und ab, israelischen Siedlungen verdrängen frühere BewohnerInnen.

Kleine Gruppen wie die Beduinen leiden unter der Konfrontation und der Besatzung. Mehrfach wurden sie vertrieben, das Beduinenleben wurde ihnen untersagt. Inzwischen leben die Jahalin zusammengedrängt am Fuß eines Hügel, auf dem eine illegale israelische Siedlung alles Grundwasser der Gegend in Anspruch nimmt, unter unvorstellbaren Bedingungen: kein Wasser, kein Strom, keine Infrastruktur. In der israelischen wie der palästinensischen Gesellschaft stehen die Beduinen am Rand, keine Behörde nimmt sich ihrer Bedürfnisse an. Es gibt aber zwei Organisationen, die versuchen, diese Lebensbedingungen zu verbessern und die Öffentlichkeit in Israel und Palästina für die Situation dieser Menschen zu sensibilisieren: die irsaelischen Rabbis für Menschenrechte und die palästinensische Organisation PARC.

Unterstützung von beiden Seiten

Die Unterstützung der Jahalin-Beduinen ist daher eines der ganz wenigen Projekte, an denen Organisationen von beiden Seiten aus arbeiten. Die BSV-AG Israel-Palästina bekam Kontakt zu diesen Gruppen über die Erkundungsreise im vergangenen Jahr und unmittelbar durch unser AG-Mitglied Anna Crummenerl, die seit zwei Jahren regelmäßig in Jerusalem lebt und dort mit verschiedenen Friedens- und Menschenrechtsgruppen zusammen gearbeitet hat. Nun ist auf der Vorstandssitzung im April die Entscheidung gefallen, zur Unterstützung dieser Initiativen ein Projekt des Zivilen Friedensdienstes zu beantragen. Dieses erste ZFD-Projekt, das der BSV in Kooperation mit dem forumZFD durchführen wird, soll dazu beitragen, in beiden Gesellschaften um Unterstützung für die Beduinen zu werben und die Zusammenarbeit palästinensischer und israelischer NGOs zu fördern.

Willkommen bei süßem und heißem Tee

Als ich im Sommer letzten Jahres nach kurzem Aufenthalt in Deutschland wieder zu den Familien der Jahalin-Beduinen zurückkehrte , war eine der ersten Fragen von Iman, einer 19jährigen jungen Frau und erste Studentin aus dem Camp der Jahalin : "Anna, denkst Du, dass uns die Welt da draußen vergessen hat"? Was kann ich antworten auf solch eine Frage?

Seit drei Jahren pendele ich zwischen Jerusalem und Köln. Während meiner Ausbildung zur "Zivilen Friedensarbeiterin" beim "Forum Ziviler Friedendienst" im Kloster Walberberg lernte ich während eines Praktikums bei den "Rabbis For Human Rights" in Jerusalem die Jahalin-Beduinen kennen. So fing alles an ...

Ich lernte Menschen kennen, denen man alles nehmen will und nahm: ihre Arbeit und Kultur, ihren Platz im Leben, ihre Rechte, Land, Wasser, existenzielle Bedingungen, die jedem Menschenrecht Hohn sprechen. In diesen Jahren konnte ich in unzähligen Besuchen den Reichtum ihrer Gastfreundschaft erfahren.

Seit Januar diesen Jahres gibt es mit der finanziellen Unterstützung einer evangelischen Kirchengemeinde in NRW, den "Rabbis For Human Rights" und "PARC", einer palästinensischen Nichtregierungsorganisation ein mobiles Frauenzentrum.

Ich erinnere mich an einen Nachmittag im November im letzten Jahr. Das saß ich mit Rima, einer Palästinenserin und 15 Beduinen-Frauen in einem der Klassenräume und wir hörten den Frauen zu, ihren Wünschen und Plänen für das neue Zentrum. Es war einer dieser Momente, in denen mir wieder die Bedeutung dieses neutralen Bodens bewusst wurde, und wie wichtig solche Orte sind in einer Welt, die Menschen als die "anderen" zu Feinden macht und Zusammenkommen unmöglich erscheinen lässt.

Für mich sind all diese Begegnungen ein großer Schatz, bislang vor allem als etwas sehr privates erlebt. Es wäre großartig, sollte das Projekt vom BMZ unterstützt werden und eine Zusammenarbeit mit dem BSV und dem Forum zustande kommen. Es gibt noch so viel zu tun, und diese Arbeit könnte mit der finanziellen und organisatorischen Unterstützung an Tiefe und Breite gewinnen.

Ich würde mich sehr darüber freuen...und Iman könnte ich auf ihre Frage vielleicht eine kleine Antwort geben.

Anna Crummenerl


Kooperation für den Frieden

Demokratisch und gleichberechtigt zusammenarbeiten - Erste Vollversammlung der Kooperation für den Frieden

Der Krieg gegen den Irak war kein Zufall und kein Unfall. Er wurde langfristig geplant, gezielt vorbereitet und im Rahmen eines umfassenden strategischen Konzepts der "Hypermacht" USA geführt.

Der weltumspannende Protest einer Mehrheit der Menschheit und eine deutliche Mehrheit in der UNO konnten diesen gezielten Verstoß gegen das Völkerrecht nicht aufhalten. Wir müssen befürchten, dass die US-Administration diesen Krieg zum Präzendenzfall für die angestrebte Neuordnung im Nahen Osten erklären und im kommenden Jahrzehnt des "Antiterrorkampfes" einen so genannten Schurkenstaat nach dem anderen ins Visier nehmen wird. Parallel dazu erstarken jene politischen Kräfte, die nach einem militärisch starken Europa als Gegengewicht zu den US-Alleinherrschaftsplänen streben. Mit den Verteidigungspolitischen Richtlinien hat "Verteidigungs"minister Struck jüngst den Weg gewiesen: Vollständige Abkehr vom Konzept der Landesverteidigung. Umbau zur Interventionsstreitmacht für die Schlachtfelder der ganzen Welt.

In einer solchen politischen Situation kamen am 18. Mai in Hannover 25 VertreterInnen von Friedensorganisationen zur ersten Vollversammlung der Kooperation für den Frieden zusammen. Was unterscheidet dieses Bündnis von anderen, bereits existierenden? Viele der dort versammelten Organisationen arbeiten bereits in anderen Zusammenhängen miteinander und mit weiteren Gruppen. Diese existierenden Bündnisse sind entweder thematisch festgelegt oder auf eine konkrete Aktion oder Kampagne bezogen. Das grundlegend neue an der Kooperation für den Frieden ist ihr Anspruch, die langfristige strategische Zusammenarbeit ihrer Mitwirkenden zu organisieren und daran Gruppen unterschiedlicher weltanschaulicher Ausrichtung und mit verschiedenen Zugängen zur Friedensarbeit partizipativ, demokratisch und gleichberechtigt zu beteiligen.

Die inhaltliche Zusammenarbeit wird in Kampagnen und Aktionen münden, an denen die verschiedenen Organisationen - von der Friedensinitiative bis zur bundesweiten Großorganisation - nach ihren jeweiligen Möglichkeiten mitwirken können. Zurzeit gehören der Kooperation 34 Organisationen als Mitwirkende an, darunter Pax Christi, AGDF, Netzwerk Friedenskooperative, IPPNW, DFG-VK und die ver.di-Jugend. Als erstes Projekt soll den verteidigungspolitischen Richtlinien der Bundesregierung ein Papier entgegengestellt werden, das als Friedenspolitische Richtlinien die Kernpunkte einer zivil orientierten Außenpolitik als Forderungen an die Bundesregierung in einem Zeitraum von etwa 5 Jahren benennt. Kurzfristig rief die Vollversammlung zu den Friedensaktionen im Umfeld des 1. ökumenischen Kirchentags auf und unterstützte die Protestaktionen zum G8-Gipfel in Evian.

Neue Strategiekonferenz

Am 27./28. September wird eine Strategiekonferenz allen Interessierten die Möglichkeit bieten, über weitere Schwerpunkte der Friedensarbeit nachzudenken und daran mitzuarbeiten.

Mit der Kooperation für den Frieden nimmt eine Idee Gestalt an, die bei der Jahrestagung 2001 des BSV entstand und von vielen Mitgliedern des BSV unterstützt und getragen wird. Mit der Wahl unserer Geschäftsführerin Kathrin Vogler in den dreiköpfigen SprecherInnenkreis übernimmt der BSV auch weiterhin an zentraler Stelle Verantwortung für diese neue und zukunftsträchtige Struktur der Friedensbewegung. Als relativ kleiner Verein trägt der BSV somit einen verhältnismäßig großen Anteil der Arbeitsbelastung, die jede neue Struktur mit sich bringt. Er tut das in der Überzeugung, dass die Kooperation für den Frieden eine Chance bietet, Friedensarbeit in diesem Land zu mehr öffentlicher Wahrnehmung zu verhelfen und eine Verbindung zu schaffen zwischen dem Widerstand gegen Kriegspolitik und der Schaffung gewaltfreier Alternativen.

Kathrin Vogler


Nonviolent Peaceforce

Das Training und die Entsendung der nunmehr 15 ersten Field Team Member nimmt seinen Lauf.

Insgesamt haben sich im ersten Bewerbungsverfahren140 Personen aus der ganzen Welt (aus Deutschland 8 Personen) beworben. Im Juli findet in Thailand das erste Training statt; im September werden die ersten FriedensarbeiterInnen nach Sri Lanka gehen. Zur Unterstützung der Arbeit des Teams soll ein Notfall-Reaktions-Netzwerk aufgebaut werden, um zum Beispiel schnell und flexibel auf Menschenrechtsverletzungen oder auf Bedrohung von NP-MitarbeiterIn-nen oder ihrer Partner reagieren und internationalen Druck aufbauen zu können.

Dafür sucht die Nonviolent Peaceforce dringend MitmacherInnen, die in einem Notfall bereit und in der Lage sind, auf Anfrage schnell in Deutschland entsprechende Proteste und Lobbyarbeit durchzuführen. (Siehe auch die Webpage Nonviolent Peaceforce, www.nonviolentpeaceforce.org)

Wer sich dafür interessiert hier mitzumachen, wende sich an den BSV, wir leiten die Anfragen dann weiter.

Zypern Projekt/IFGK

Gemeinsames europäisches ZFD-Projekt auf Zypern

In die Situation der geteilten Insel Zypern ist Bewegung gekommen.

Nachdem der Friedensplan Kofi Annans am Einspruch der türkischen Administration des Nordteils gescheitert ist, fordern die türkischen Zyprioten mit Massendemonstrationen und fantasievollen Aktionen die Öffnung der Grenze zum Südteil und immer wieder die Aufnahme auch der Türkischen Republik Zypern in die EU. Raoul Denktasch hat jetzt dem Druck der Massen nachgegeben: Täglich überqueren Hunderte die Green Line von Nord nach Süd und umgekehrt. Ein neuer Grenzübergang mußte eingerichtet werden, um den Andrang zu bewältigen. Die aktuelle Situation erinnert an die politische Lage vor dem Fall der Mauer. Wie immer diese hoffnungsvolle, von breiten Schichten der Bevölkerung getragene Entwicklung auch ausgehen mag, ein dauerhafter Frieden auf der Insel braucht nach den Jahrzehnten der Teilung und der vorhergehenden traumatischen Gewalterfahrungen auf beiden Seiten intensiver Bemühungen zum gegenseitigen Verstehen, zum Dialog und zur konstruktiven Kooperation.

Hier sieht das Europäische Netzwerk für Zivile Friedensdienste EN.CPS, dem wie das forumZFD auch der BSV angehört, eine wichtige Aufgabe für ein erstes von der EU gefördertes Projekt in gemeinsamer Verantwortung europäischer NGOs. Gefördert vom Auswärtigen Amt hat Dr.Tilman Evers vom forumZFD im Auftrag des Netzwerks in den letzten 12 Monaten in intensiver Arbeit einschließlich zweier Erkundungsreisen nach Zypern eine umfangreiche Machbarkeitsstudie erstellt. Sie beschreibt Handlungsansätze für zwei internationale Teams von Friedensfachkräften, die vorerst noch getrennt in beiden Teilen der Insel in enger Zusammenarbeit mit den weit entwickelten und sehr aktiven lokalen Initiativen, besonders auch mit Lehrerverbänden, tätig werden sollen. Dabei soll es im türkischen Nordteil der Insel in erster Linie um Trainings für Lehrer in Friedenserziehung und Mediation gehen. Daneben soll durch die internationalen Teams die bi-kommunale und vor allem auch internationale Vernetzung gefördert werden. Im griechischen Südteil dagegen wird die Unterstützung zivilgesellschaftlicher Strukturen und die Stärkung der Zusammenarbeit unter den NROs sowie das interkulturelle Lernen vor allem auch in Hinsicht auf die türkischen Partner im Vordergrund stehen. Dabei wird es bei den Adressaten besonders um Multiplikatoren auf der mittleren gesellschaftlichen Ebene gehen, da auf der Graswurzelebene von lokalen Kräften bereits hinreichend bi-kommunale Zusammenarbeit aufgebaut wurde.

Die inhaltliche Verantwortung für dies wegweisende Vorhaben soll bei einem von EN.CPS eingesetzten Leitungskomitee liegen, während die administrative Abwicklung Aufgabe des forumZFD sein wird.

Beim EN.CPS-Treffen in Graz Ende März, an dem auch Peter Betz und Konrad Tempel für den BSV teilnahmen, wurde der Vorschlag von Tilman Evers einstimmig gutgeheißen. Noch im Mai soll der Antrag zur Förderung bei zuständigen EU-Institutionen gestellt werden.

Helga Tempel


Gewaltfreie Verteidigung als wirksamste Reaktion auf kriegerische Angriffe?

Robert J. Burrowes, australischer gewaltfreier Aktivist und Friedensforscher, veröffentlichte 1996 die Studie "Die strategische Theorie der Gewaltfreien Verteidigung: Ein Gandhianischer Ansatz", State Unversity of New York Press, 1996 (noch nicht auf Deutsch erschienen), die beim Studientag des IFGK am 14.3.2003 vorgestellt wurde.

Angesichts der Kriege um Ressourcen, die durch die "Bedrohung" der mächtigeren Gesellschaften begründet werden, scheint es dringlich, nicht-militärischen Alternativen zur Bedrohungsabwehr weiter zu entwickeln. Gelingt es, eine Strategie gewaltfreier Verteidigung demokratischer und sozialer Errungenschaften operationalisierbar zu machen, erledigen sich Kriege, weil sie keine Legitimationsgrundlage mehr haben!

Auszüge aus einer Zusammenfassung des Autors geben einen ersten Einblick: "Im Großen und Ganzen spiegeln die Begrifflichkeiten und Definitionen die in Bezug auf gewaltfreie Formen der Verteidigung verwendet werden, voneinander abweichende Vorstellungen von Gesellschaft, Philosophie, Konflikt und Sicherheit wieder. ... Aus diesem Grunde misst die vorliegende Studie der Idee der "Sozialen Kosmologie" einen so hohen Stellenwert bei. ... Nach der Definition dieser Untersuchung besteht die Soziale Kosmologie aus drei sich gegenseitig verstärkenden Komponenten: Ihre sozialen Beziehungen, ihre vorherrschende Philosophie über die Natur der Gesellschaft (die eine Vorstellung von der menschlichen Natur einschließt) und ihre Strategien im Umgang mit Konflikten ... ; die herrschende Kosmologie wird einer kritischen Prüfung unterzogen; und es wird gezeigt, dass es notwendig ist, alle drei Komponenten ihrer sozialen Kosmologie zu verändern, wenn man eine Gesellschaft ändern will."

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass gewaltfreie Verteidigung eine wirkungsvolle Strategie gegen militärische Gewalt darstellen kann. Dies wird nicht nur theoretisch begründet, sondern auch mit zahlreichen Erfahrungen geschichtlich belegter Anwendungen von Gewaltfreiheit deutlich gemacht.

Anne M. Dietrich


Netzwerk Friedenssteuer

Kein Geld für Krieg!

Der Bundeshaushalt weist im sog. Einzelplan 14 für das vergangene Jahr "Verteidigungsausgaben" in Höhe von 24,5 Mrd. EUR aus. Darin sind jedoch nicht wirklich alle Ausgaben enthalten, die etwas mit Rüstung und Militär zu tun haben. Ein etwas realistischeres Bild zeichnen da schon die Verteidigungsaus-gaben nach NATO-Kriterien in Höhe von 31,3 Mrd. EUR, die auch Positionen wie z.B. Pensionen für Bundeswehrangehörige, den Bundeswehr-Wohnungsbau oder die Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Aufenthalt von Stationierungsstreitkräften auf deutschem Boden berücksichtigen. Rechnet man jetzt noch den anteiligen Schuldendienst im Bundeshaushalt in Höhe von rd. 20% hinzu, so kommt man auf die unglaubliche Summe von 37,5 Milliarden EUR pro Jahr. In jeder Sekunde werden in Deutschland 1189 EUR für Kriegsvorbereitung ausgegeben!

Als ob dieses Geld nicht anderswo dringender benötigt würde! So könnte man beispielsweise mit den Kosten einer neuen Fregatte (650 Mio. EUR) die Bundesausgaben für sozialen Wohnungsbau um 160% erhöhen oder mit den Kosten eines Eurofighters (64 Mio. EUR) 10 Altenheime bauen. Eine neue Grundschule kostet kaum mehr (3,7 Mio. EUR) als zwei Marschflugkörper, von denen die Alliierten im letzten Golfkrieg wieder rd. 800 verschossen haben! Eine einzige Tornado-Flugstunde kostet genauso viel (5.000 EUR) wie eine Erzieherin in 2,5 Monaten an Gehalt bekommt. Mit den deutschen Ausgaben für militärische Forschung (1,08 Mrd. EUR) wäre eine Verdreifachung der Kinderkrippenplätze in Deutschland oder eine Erhöhung der Ausgaben für zivile Konfliktbearbeitung und Zivilen Friedensdienst um das 70fache möglich...

Der offizielle Titel der Rüstungs- und Militärausgaben lautet "Verteidigungsausgaben", finanziert aus Steuergeldern, rein rechnerisch mit rund 1.200 EUR pro Jahr für jedeN SteuerpflichtigeN. Verteidigung - das schließt nach der Definition der Bundesregierung auch aktive Kriegseinsätze im Ausland mit ein:

Etwa 1500 Soldaten sind im Rahmen von 'Enduring freedom' als Kampfeinheiten in Afghanistan, als Panzerbesatzungen in Kuwait sowie in Marineverbänden am Horn von Afrika stationiert.

Das Netzwerk Friedenssteuer, Trägerorganisation des BSV, wehrt sich seit langem dagegen, dass auch überzeugte PazifistInnen zum "Kriegsdienst mit der Steuer" gezwungen werden. Seine Mitglieder haben in über 50 Prozessen vor Finanzgerichten, dem Bundesfinanzhof bis zum Verfassungsgericht dagegen geklagt, dass sie unter Verletzung ihrer grundgesetzlich geschützten Gewissensfreiheit gegen ihren Willen zur Mitfinanzierung von Militär und Rüstung herangezogen werden - bislang allerdings erfolglos.

Während des Golfkriegs 1991 gab es umfangreiche Boykottaktionen. Damals flossen über 100.000 DM verweigerte Steuergelder auf ein Sammel-Sperrkonto, etwa 200 Kleinbetriebe behielten unter dem Slogan "Kein Geld für Krieg" eine Teil ihrer Steuern ein und über 1300 kirchliche Mitarbeiter stellten Anträge an ihre Kirchenleitung, die Lohnsteuerzahlungen zu kürzen. Die Bundesrepublik beteiligte sich damals ebenso wenig wie heute aktiv am Krieg, finanzierte ihn jedoch mit 16 Mrd. DM aus der Steuerkasse. Für den neuerlichen Irak-Krieg haben Amerikaner und Briten rd. 60 Mrd. EUR bereitgestellt, die bisherigen direkten Kriegskosten werden auf über 22 Mrd. EUR geschätzt. Es bleibt abzuwarten, wann die ersten konkreten Forderungen nach einer deutschen Beteiligung daran laut werden - und wie sich die Bundesregierung dazu stellen wird. Möglicherweise sind dann wieder Boykottaktionen gefragt.

Das Netzwerk Friedenssteuer verstärkt derweil in einer groß angelegten Kampagne die Lobbyarbeit und sucht unter dem neuen Motto "Zum FRIEDEN umSTEUERn" UnterstützerInnen für ein Friedenssteuergesetz, das allen BürgerInnen die Option einräumen soll, ihrer Steuerpflicht nachzukommen, ohne dabei ungewollt Militär und Krieg mitzufinanzieren. 15.000 Unterschriften will die Initiative bis Mai 2004 sammeln und am Tag der Kriegsdienstverweigerung dem Bundespräsidenten übergeben. Bisher wurden Unterschriften von ca. 6500 Einzelpersonen und 74 Organisationen - darunter auch der BSV - gesammelt. Wer die Kampagne unterstützen will, kann dies mit dem untenstehenden Abschnitt oder im Internet unter www.netzwerk-friedenssteuer.de

Auch Spenden auf das Konto des BSV (Verwendungszweck: AG Friedenssteuer) sind natürlich immer willkommen - Kto.-Nr. 89420814 bei der Sparkasse Minden-Lübbecke (BLZ 490 501 01).

Erklärung

"Ich trete / wir treten für eine gesetzliche Regelung ein, nach der niemand gegen sein Gewissen gezwungen werden darf, durch Steuern und Abgaben zur Finanzierung von Militär und Rüstung beizutragen. Statt dessen ist die Verwendung dieser Zahlungen für zivile Aufgaben sicherzustellen."

Name: .........................................................
.....................................................................
Anschrift:..................................................................
......................................................
Ort, Datum: .............................................
Unterschrift: .............................................
? Ich bin mit einer Veröffentlichung meines Namens als Unterstützer/in der Erklärung einverstanden
? Ich möchte über das Thema Friedenssteuer gelegentlich informiert werden.
Bitte einsenden an: Netzwerk Friedenssteuer, c/o Günther Lott, Hauptstr. 1A, 69231 Rauenberg, Tel: 06222 / 62741, Fax: 06222 / 62702

Soziale Verteidigung wird vom BSV verstanden als Verteidigung der Institutionen und Werte der Zivilgesellschaft mit gewaltfreien Mitteln. Verteidigung bedeutet hier die Bewahrung des Lebens und der Möglichkeiten zu sozialer Veränderung und den Widerstand gegen Unterdrückung und Ausbeutung, Militärgewalt und Menschenrechtsverletzungen hier und anderswo. Ziel derjenigen, die Soziale Verteidigung in diesem Sinne als neue Methode zur Regelung selbst "großräumiger" Konflikte befürworten, ist ein Zusammenleben der Völker und Nationen in sozialer Gerechtigkeit und gegenseitigem Respekt.


Ankündigungen / Lebenslaute

Friedenssommer 2003

Unter dem Motto "Atomwaffen abschaffen - bei uns anfangen" laden die "Gewaltfreie Aktion Atomwaffen Abschaffen", die Friedens- und Begegnungsstätte Mutlangen" und die DFG-VK Baden- Württemberg zu einer Aktionskette ein:

6. bis 8. August 2003 Hiroshimatag Friedenswanderung von Mutlangen über Schorndorf, Waiblingen nach Stuttgart (ca. 60 km) mit Abendveranstaltungen zum Thema »Atomwaffen abschaffen - bei uns anfangen!«

8. bis 10. August 2003 Friedenscamp im Rahmen des Umsonst & Draußen-Festivals, Universitäts-Wiese, Stuttgart-Vaihingen

9. August 2003 (Nagasaki-Gedenktag) Inspektion des EUCOM und Konzertblockade mit Lebenslaute

Radtour über Ramstein, Spangdahlem 22. bis 29. August 2003 Aktions-Radtour von Kaiserslautern über Ramstein (US-Airbase Saarbrücken, Trier, Spangdahlem (US-Kampfbomber-Geschwader) nach Ulmen bei Büchel mit Abendveranstaltungen, u. a. mit John LaForge (Nukewatch, USA; .nukewatch.org)

29. August bis 1. September 2003 Friedens-Aktionscamp in Ulmen

31. August 2003 Begutachtende Inspektion: Umwanderung (ca. 12 km) des Militärgeländes bei Büchel

1. September 2003 (Antikriegstag) Inspektionsversuch mit eventuellen Sitzblockaden. Die Aktionsformen reichen von Gesprächen bis zum Versuch der "Zivilen Inspektionen" der fraglichen Anlagen. Kontakt: Friedens- und Begegnungsstätte Mutlangen, Forststr. 3, 73557 Mutlangen, 07171/75661

"Lebenslaute statt Kriegskommandos"

Zu einer Konzertblockade lädt die Aktionsgruppe "Lebenslaute" ein: Unter diesem Namen finden sich engagierte Musikerinnen und Musiker aus ganz Deutschland zusammen, die v.a. klassische Musik gerade an den Orten zum Klingen bringen, wo dies nicht erwartet wird: Vor Atomfabriken, Raketendepots und Abschiebeflughäfen.

Sie finden sich zu jeder Aktion neu zusammen, arbeiten basisdemokratisch und gewaltfrei. Ziviler Ungehorsam gehört als ein Teil zu den meisten ihrer Aktionen. Am 9. August 2003 werden sie ein Konzert vor den Toren des EUCOMs geben - im Rahmen der Aktion "Friedenssommer 2003 - Atomwaffen abschaffen, bei uns anfangen". Es wird lebensfrohe Musik gespielt - aus Nordamerika, aber auch aus den Ländern, die durch die Kommandozentrale überwacht werden. So stellt sich die Gruppe grundsätzlich gegen den Krieg als Mittel der Politik. Sie setzt die Lebenslust der kleinen Leute dagegen, die sich für eine solidarische und gewaltfreie Welt einsetzen.

Es werden noch MusikerInnen und UnterstützerInnen gesucht, die sich an der Aktion beteiligen.

Informationen: Am Lambach 14 in 32051 Herford, Tel. 05221-33438, b.keunecke(at)web.deDiese E-Mail Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können www.lebenslaute.de

Spenden zur Unterstützung der Aktion: Konto-Nr. 9509910 (Susanne Mähne), SK Minden-Lübbecke, BLZ 490 501 01.


Grüße in den Knast

An Erika Drees, vom 7.5.- 18.6. 2003 in der Justizvollzugsanstalt "Roter Ochse", Am Kirchtor 20, 06108 Halle und an Wolfgang Sternstein, vom 7.5.- 18. 6. 2003 in der Justizvollzugsanstalt Rottenburg, Schloss 1, 72101 Rottenburg.

Liebe Erika, lieber Wolfgang,
am 7. April 2002 habt ihr den Zaun des Fliegerhorstes in Büchel bei Koblenz durchtrennt und das Gelände mit 6 weiteren FriedensaktivistInnen betreten, um auf die völkerrechtswidrige Lagerung von 10 amerikanischen Atombomben auf dem deutschen Tornado-Stützpunkt aufmerksam zu machen. Amtsrichter Johann am Amtsgericht Cochem hat Euch für diese Aktion gewaltfreien Zivilen Ungehorsams gegen Massenvernichtungswaffen wegen "Hausfriedensbruch" und "Sachbeschädigung" zu sechs Wochen Haft ohne Bewährung verurteilt - "im Namen des Volkes", aber nicht in unserem Namen. Wir danken euch für euer mutiges Engagement, und wir versprechen: mindestens solange ihr im Gefängnis sitzt, werden wir es uns zur Aufgabe machen, Menschen in unserer Umgebung über die Lagerung von Atomwaffen in Büchel zu informieren.

Dieser Text stammt von einer Unterschriftenliste der "Gewaltfreien Aktion Atomwaffen abschaffen".

Solche oder ähnliche persönlichere Briefe in den Knast sind für die Menschen dort drin eine Wohltat.