RB 022

SOZIALE
VERTEIDIGUNG

<span style="font-family: verdana,geneva;"> Konflikte gewaltfrei austragen - Militär und Rüstung abschaffen</span>

Rundbrief 2/2002 des BSV

Redaktion Peter Betz

Schwarzer Weg 8, 32423 Minden (Herausgeber)

V.i.S.d.P. Konrad Tempel

Kostenlos Auflage: 6.500

Druck: ART & IMAGE, Minden

Tel. 0571/29456 Fax 0571/23019

Erscheinungsweise: vierteljährlich

SPK Mi-Lü, BLZ 49050101, Nr. 89420814  

Redaktionsschluß für 1/02, 15. 12. 2001

E-Mail: info(at)soziale-verteidigung.deDiese E-Mail Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

Internet:http://www.soziale-verteidigung.de

Inhalt

<span style="font-family: verdana,geneva;">Lieber Leser, liebe Leserin!
Verstärkung für die Stimmen des Friedens in Israel
Danke, Mr. Präsident
Christine Schweitzer übernimmt neue Aufgaben
MultiplikatorInnen-Fortbildung
Verantwortung oder Verbote? - Reaktionen auf den Amoklauf von Erfurt
Ziviler Friedensdienst (ZFD) als ein Beitrag zur Überwindung des Nährbodens für den weltweiten Terrorismus
Institut für Friedensarbeit und Gewaltfreie Konfliktaustragung
Balkan Peace Team: Abschlussbericht
Nonviolent Peaceforce - die Idee nimmt Gestalt an
Achtsame Mediation
Plakataktion zum Wahlkampf 2002
Ein neues Gesicht </span>


Lieber Leser, liebe Leserin!

Helga Tempel und Konrad Tempel wurden beide 70 und sie konnten den 40. Hochzeitstag gemeinsam feiern. Der BSV hat mit dem ForumZFD eine Festschrift erstellt, die anlässlich des 40. Hochzeitstages beiden JubilarInnen überreicht wurde. Auch an dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön für die überaus wichtige Arbeit und die menschliche Wärme der beiden.

Die Dokumentation unserer Jahrestagung vom März 2002 "Zur aktuellen Terror- und Kriegssituation" ist fertig. Bestellungen bitte an die BSV-Geschäftsstelle. Bitte vormerken: Die nächste BSV Jahrestagung findet in Bonn, Haus Venusberg vom 14.2. bis 16.2.2003 statt.

Bernhard Nolz, BSV - Mitglied und langjähriger, aktiver Freund des BSV, gleichzeitig Sprecher der Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden, hat den Aachener Friedenspreis 2002 bekommen. Herzlichen Glückwunsch.

Die BSV Öffentlichkeits AG hat in Berlin, anlässlich des Bush Besuches ein Pressefrühstück für kritische JournalistInnen veranstaltet und die große Demo mitorganisiert. Wir glauben, dass nur durch persönliches Engagement unsere friedliche Botschaft transportiert werden kann. In diesem Rundbrief finden Sie einige Anregungen zum Mitmachen. Ich zähle auf Sie.

Peter Betz


Verstärkung für die Stimmen des Friedens in Israel

"Es gibt nur eine Macht, die die israelische Politik ändern und die israelische Regierung zu Zugeständnissen drängen kann: die israelische Bevölkerung." Avi Primor, Israels ehemaliger Botschafter in Deutschland, taz 15.4.2002

Noch im Juni werden Mitglieder des BSV nach Israel aufbrechen um dort die Möglichkeiten für ein zukünftiges Engagement zu erkunden.

Das beschloss die AG "Erkundung gewaltfreie Intervention Israel" bei ihrem ersten Treffen am 10. Mai in Heidelberg. Die Mitglieder verabredeten eine Reihe von Aktivitäten zur Vor- und Nachbereitung der Erkundungsreise und verabschiedeten ein Mandat für das Erkundungsteam. Dieses soll aus drei Personen bestehen und von der Arbeitsgruppe inhaltlich und organisatorisch unterstützt werden. In dem Mandat heißt es unter anderem:

„Der Bund für Soziale Verteidigung versteht sich als ein Teil einer größeren Bewegung. In vielen Ländern arbeiten Gruppen und Institutionen an der Überwindung von Gewalt und Militär. Eine Erfahrung aus der Arbeit anderen Ländern ist die, dass sich solche Gruppen gegenseitig stärken und unterstützen können. Das ist insbesondere wichtig, wenn Konflikte sich zuspitzen. Oft sind es dann die Gruppen, die für Frieden, Ausgleich und Versöhnung eintreten, die besonders unter Druck geraten. Im wahrsten Sinne des Wortes zwischen die Fronten." Zu diesen Gruppen sollen Kontakte aufgebaut werden um mit ihnen gemeinsam zu klären, welchen spezifischen Beitrag der BSV zu ihrer Unterstützung leisten kann.

Als besondere Kompetenzen und Erfahrungen, die der BSV in diese Partnerschaften einbringen könnte, werden genannt:

    • Trainings in konstruktiver Konfliktbearbeitung,
    • Konfliktanalyse
    • Dialogförderung
    • Unterstützung lokaler Gruppen und Basisinitiativen, z.B. Friedens- und Menschenrechtsgruppen
    • Unterstützung bei Vernetzung, regional und im Ausland
    • Freiräume für lokale Akteure schaffen (bei ausreichender Präsenz in einem Land)
    • Symbolträchtige Initiativen (i.S. von Sichtbarmachen eines pazifistischen Ansatzes im Konflikt, der eine Bedeutung auf den Konflikt ausübt) aufspüren und fördern durch Lobby, Öffentlichkeitsarbeit, praktische Unterstützung, u.a.
    • Beratung, Lobby und Training für Techniken und Methoden sozialer Verteidigung
    • Beratung, Training und Unterstützung von sozialen Bewegungen / Kampagnenberatung, ziviler Ungehorsam,
    • Widerstandsstrategien

Nach der Erkundungsreise wird ein Vorschlag für das weitere Vorgehen erarbeitet.


Danke, Mr. Präsident

1 Es war töricht und hat nicht von Geschichtsverständnis gezeugt, die Europareise und die Reden des amerikanischen Präsidenten schon im Voraus als "historisch" einzuordnen, wie es viele Kommentatoren und PolitikerInnen getan haben. Die sachlich-distanzierte Begrüßungsrede des Bundestagspräsidenten Thierse, in der er gegenüber dem Gast die Akzeptierung des Internationalen Strafgerichtshofs und die Unterzeichnung des Kyoto-Klima-Protokolls angemahnt hat, wog nicht die dick aufgetragene Ehrerbietung auf, die unsere politische Klasse George Bush vor und im Laufe seines Besuchs gezollt hat.

Es mag eine gewisse Vernunft darin gelegen haben, demonstrativ den Sitzungssaal zu verlassen, wie es der Grüne Ströbele für richtig hielt, ein Anti-Kriegs-Transparent zu entrollen, wie es drei PDS-Abgeordnete getan haben oder sogar - wie die Berliner „taz" - anstatt die Rede des Gastes im Wortlaut abzudrucken, wegen ihrer Inhaltsleere leere Spalten zu lassen.

In jedem Fall war es aus pazifistischer Sicht vernünftig, ja unerlässlich anlässlich dieser Bush-Reise gegen die offenkundigen Kriegspläne zu demonstrieren, wie es nicht nur in Berlin, sondern in vielen Städten geschehen ist. Dass die Polizei die Teilnehmerzahlen bis an die Schmerzgrenze untertrieb, können wir verkraften, ebenso die Frechheit des Hamburger Abendblatts, das ausführlich und mit großem Bild über die hundert Leute der Pro-Bush-Demo der Jungen Union berichtete, den Protest von Zehntausenden aber herunterspielte.

Und doch sind dies Indizien für die psychologischen und politischen Auswirkungen dieser "Werbefahrt". Denn nicht die Person Bush muss uns zu denken geben, sondern das, was anlässlich seines Besuchs durch ihn sichtbar wird. Zumindest seitdem US-Präsident Eisenhower in seiner Abschiedsrede warnend auf die Macht des militärisch-industriellen Komplexes hingewiesen hat, ist es ratsam mitzudenken, dass sich durch die ins Rampenlicht tretenden Politiker stets auch die durch sie repräsentierten Interessen und Absichten kundtun.

2 Nein, Kriegspläne gegen den Irak habe er nicht auf dem Schreibtisch liegen, sagt der Präsident. Wer ihm das geglaubt hat, muss sehr naiv sein und ein kurzes Gedächtnis haben. Spätestens seit dem Golfkrieg ist offenbar, wie planmäßig und schamlos die Öffentlichkeit von Politikern und Militärs belogen werden, um Zustimmung zu kriegerischen Maßnahmen zu garantieren. Oder stimmt es nicht, dass noch vor seinem Abflug und seit Wochen schon in den USA öffentlich über den vorgesehen Angriff nachgedacht worden ist und dass die Billigung des nächsten Kriegs durch plump-suggestive Hinweise angebahnt wird: "US-Vize Cheney hält neuen Anschlag für fast sicher" (20. Mai). Stimmt es nicht, dass US-Generäle vor dem geplanten Krieg warnen? Auf dem Schreibtisch mögen diese Pläne nicht liegen, sie liegen längst und mit eindeutigen Optionen bei den zuständigen Militärs. Auch dieser nächste Krieg wird für die Wirtschaft nützlich sein und zudem die Weltpolizei-Rolle der USA stärken.

So muss es sein, ihr Vasallen: Unbedingtes Vertrauen ist angesagt. Oder?

Es stimmt: der politische Faschismus ist mithilfe des amerikanischen Militärs beseitigt worden; wir haben uns nicht selbst befreit, sondern sind befreit worden. Die Befreiungsfeiern dieser "Werbefahrt" enthalten unterschwellig - und wieder als Teil einer durchschaubaren Strategie - die Botschaft: So wie wir vor einem halben Jahrhundert uneigennützig zum Wohl aller beigetragen haben, wird es auch in Zukunft sein. Nur: Wer glaubt das wirklich? Hat die amerikanische Regierung nicht stets die eigenen Interessen zum Maß aller Dinge gemacht?

Wie steht es mit der Vernunft des Vertrauens in einen Regierungsvertreter, für den eigens hunderte von Sicherheitsleuten nach Berlin eingeflogen werden müssen, damit ein ganzer Stadtteil in einen Hochsicherheitstrakt umfunktioniert wird? Ist die Botschaft, die unserer treuen Regierung gefällt und die dazu dient, auch für die nächsten Kriege Akzeptanz vorzubereiten: Wir schaffen Sicherheit? Wir haben alles im Griff? Oder spüren die Menschen doch die inneren Unsicherheiten, die Ratlosigkeit, die tönernen Füße der Macht?

3 Die Bush-Reise hat zwei weitere und kaum bemerkte Effekte gehabt: Zum einen die Rückbesinnung der deutschen Friedensbewegung auf die frühere Solidarität mit jenem anderen Amerika, dem die Demokratie ebenso wie die auf Gewaltfreiheit setzenden Menschen hierzulande unschätzbare Impulse verdanken. Es steht zu erwarten, dass mit größerer Aufmerksamkeit als bisher die Verbindungen zu all den Gruppierungen jenseits des Atlantiks ausgebaut werden, die wie wir für eine gerechtere, friedlichere Welt stehen, und dass damit auch eine Stärkung des inneramerikanischen Widerstands gegen die anmaßende Politik der Bush-Administration einhergeht. Auf eine neu begriffene Freundschaft!

Und zum anderen: die praktische und analytische Verschwisterung der vitalen Anti-Globalisierungs-Bewegung, wie sie sich in dem ATTAC-Verbund ausdrückt, mit den übrig gebliebenen, erfahreneren Menschen der alten Friedensbewegung. Nicht nur, dass sich anlässlich dieser Werbefahrt für die amerikanische Herrschaftsrolle viele junge Menschen engagiert haben, die freiwillig an keiner der herkömmlichen Friedensdemos teilgenommen hätten, sondern auch ATTAC selbst verändert sich. Bush ist noch nicht wieder zuhause, da entscheidet sich diese globalisierungskritische Bewegung für eine grundsätzliche Ablehnung der Militarisierung der Außenpolitik und der Kriegseinsätze der Bundeswehr. Es weht ein frischer Wind. Wir in der herkömmlichen Friedensbewerden darauf zu achten haben, dass wir offen sind für die Fragen und Ansprüche der jetzt auf den Plan getretenen neuen Generation und dass wir nicht die alten Strategien fortsetzen, sondern mit ihr neue entwickeln. Danke, Mr. Präsident, ohne Sie wäre das nicht so gekommen.

Konrad Tempel


Christine Schweitzer übernimmt neue Aufgaben

Christine Schweitzer hat das Profil unseres Verbandes entscheidend mitgeprägt. Sie war aktiv an den Vorbereitungen zur Gründung des BSV beteiligt und hatte seitdem zweimal im Vorstand Mit-Verantwortung übernommen. Vom Oktober 1998 bis zum Ende März 2002 wirkte sie im Geschäftsführungs-Team in Minden. Sie gibt ihren Arbeitsplatz auf eigenen Wunsch auf, um in Zukunft wissenschaftlich für das Institut für Friedensarbeit und Gewaltfreie Konfliktaustragung tätig zu sein und ihre Arbeit als Research and Planing Director der Nonviolent Peaceforce, USA, fortzusetzen. Ihre vielfältigen Aktivitäten betrafen einerseits die allgemeine Geschäftsführung, andererseits aber vor allem die Arbeitsbereiche Pazifismus und Militärkritik, Gewaltfreie Intervention, Bildungsarbeit und gewaltfreie Gesellschaft. Ihre analytisch-kenntnisreiche Einschätzung von aktuellen internationalen Konflikten und deren Entwicklungen, ihre Fähigkeit zu schnellem Zusammentragen relevanter Fakten und die von ihr verfassten, profunden Hintergrund- und Diskussions-Materialien bildeten eine wichtige Grundlage unserer gemeinsamen Strategie und Politik. Ihre Impulse und wissenschaftlichen Arbeiten werden auch künftig wesentliche Elemente der BSV-Arbeit bleiben. Christine Schweitzer wurde von allen Beteiligten sehr geschätzt und erhielt auch von uns ferner Stehenden große Anerkennung für ihre konstruktiven Beiträge zur politischen Arbeit für Frieden und Abrüstung ebenso wie für ihre überzeugende Vertretung unserer Positionen in anderen Gremien und in der Öffentlichkeit. Der BSV verliert mit ihr eine sachorientierte und vorantreibende Persönlichkeit. Wir hoffen, mit ihr verbunden zu bleiben und von ihren Qualifikationen für unsere gemeinsamen Ziele profitieren zu können.

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MultiplikatorInnen-Fortbildung

Konstruktive Konfliktbearbeitung im kommunalen Zusammenhang

Die UNO hat die Jahre von 2001 -10 zur "Internationalen Dekade für eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit für die Kinder der Welt" ausgerufen. Auch der Ökumenische Rat der Kirchen hat dazu aufgefordert, das beginnende Jahrzehnt zur Dekade für eine Kultur der Gewaltfreiheit zu machen.

Das der hier angebotenen Fortbildung zugrunde liegende Konzept zur Konfliktbearbeitung im kommunalen Zusammenhang zielt darauf, ein Netzwerk anzuregen und Handlungspotenziale zu erschließen, die es ermöglichen, soziale Phänomene wie Gewalt und destruktive Aggressivität "im Verbund" gemeinsam und mit den Mitteln kreativer Konfliktlösung angehen zu können. Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt dieses Projekt seit dem vergangenen Jahr und fördert auch im Jahr 2002 Fortbildungen in verschiedenen Regionen.

In einer zehntägigen Fortbildung werden verschiedene Methoden und Konzepte der Gewaltprävention und Konfliktbearbeitung vorgestellt und eingeübt.

Die Ausbildung richtet sich an Menschen,

    • die sich in Kommunen für solche Prävention einsetzen wollen,
    • die in sozialen, pädagog. und beratenden Berufsfeldern arbeiten
    • die als MultiplikatorInnen in der Kinder-, Jugend- und Erwachsenenarbeit tätig sind,
    • die in kommunalen Zusammenhängen, Institutionen und Organisationen mit Konflikten zu tun haben.

Elemente der Fortbildung:

    • Persönliche Konfliktkompetenz, Kommunikation, Feedback, kollegiale Praxisberatung
    • Mediation, interkulturelle Mediation, Streitschlichtung in der Schule
    • Konfliktanalyse
    • Konsensfindung, Gruppenkonflikte,Team-Management
    • Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg
    • Geschlechtsspezifisches Konfliktverhalten
    • Zivilcouragetraining
    • Projektplanung / Vernetzung
    • Moderation, Schulung von MultiplikatorInnen

>Seminarleitung:

Cornelia Timm + Kurt Südmersen

Für die 2. + 3. Veranstaltung kann Weiterbildungsurlaub nach dem Arbeitnehmer-Weiterbildungsge-setz (AwbG) beantragt werden. Diese Seminarreihe wird durch das Ministerium für Umwelt- und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in NRW gefördert.

Termine:

1. Mo 01.07. - Mi 03.07.2002
2. Mo11.11. - Mi 13.11.2002
3. Mo 03.02. - Di 04.02.2003
4. Do 27.02. - Frei 28.02.2003
Jeweils 10.00 - 17.00 Uhr

Tagungsort: Jugendhof Vlotho Oeynhausener Str. 1, 32602 Vlotho, Telefon: 05733-9230,

Kosten:

Seminargebühr für die gesamte Veranstaltungsreihe incl. Unterbringung und Verpflegung: für Teilnehmende, deren Arbeitgeber die Kosten trägt,: 300,- für andere Verdienende 250,- für in Ausbildung Stehende und Arbeitslose 200,- Euro.

Anmeldung und Information:

Friedhelm Jostmeier, AKE-Bildungswerk, Burgstr. 1 32602 Vlotho, Tel.: 05733/95737 Fax: 18154, eMail: AKEBW(at)aol.comDiese E-Mail Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können


Verantwortung oder Verbote?

Reaktionen auf den Amoklauf von Erfurt

Robert S., 19-jähriger Ex-Schüler aus Thüringen, hat sein Ziel erreicht. An Bekanntheit mit ihm können es derzeit wohl nur Fernsehstars aufnehmen, allerdings ohne dass deren äußeres und inneres Leben derart akribisch vor der Öffentlichkeit seziert würde. „Die Bluttat von Erfurt" beschäftigte Medien und Politik in Deutschland wie kaum ein anderes Ereignis seit dem 11. September 2001.

Während Robert S. durch seine Tat zum Monster erklärt wird, wird die achtzehnjährige Ajat A. zur Märtyrerin verklärt. Am 29. März tötete sie in Jerusalem als „lebende Bombe" der Al-Aqsa-Brigaden einen Wachmann, eine Schülerin und sich selbst.

Dass Menschen ihr Leben opfern, nur um anderen das ihre zu entreißen, erscheint vielen befremdlich und erschreckend. Warum halten Menschen ihr eigenes Leben für so wertlos, dass sie es der Rache zum Opfer bringen? Woher kommt eine Menschenverachtung, die das Leben Anderer wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe zerstören will, unabhängig von persönlicher Schuld oder Unschuld? Wie kann man verhindern, dass Perspektivlosigkeit und Faszination von Gewalt eine tödliche Mischung bilden?

Viele aktuelle Antworten auf diese Fragen zeugen eher von Aktionismus als von Reformbereitschaft. Es zeichnen sich zwei vorherrschende Handlungsmuster in der öffentlichen Diskussion ab: Ein konservativ-patriarchales und ein obrigkeitsstaatlich-direktives. Beide Konzepte berühren und überschneiden sich.

Das konservative Modell sucht die Verantwortung vorwiegend bei den Eltern und Familien der Täter. Die VertreterInnen dieses Modells drängen auf die Rückbesinnung auf alte Werte und patriarchale Familienstrukturen. Kinder und Jugendliche sollen traditionelle Werte wie Gehorsam und Respekt vor Autoritäten lernen, die Frauen werden auf die Mutterrolle reduziert, um Erziehung in diesem Sinne zu leisten. Für die Politik ist dieses Konzept ausgesprochen nützlich, weil es die Verantwortung für Gewalt individualisiert und den Eltern aufbürdet. Es ignoriert aber, dass die gesellschaftliche Realität im 21. Jahrhundert nicht mit den Familienstrukturen des 19. Jahrhunderts zusammengeht und dass jeder Beleg dafür fehlt, dass Kinder aus traditionell orientierten Familien weniger „anfällig" für Gewalt seien als andere.

Das obrigkeitsstaatlich-direktive Modell setzt vorwiegend auf Gesetze und Verbote.

Gegen die erneute Veränderung des Waffenrechts ist natürlich nichts einzuwenden. Außer der Waffenlobby wird allen unmittelbar einleuchten, dass von jeder Schusswaffe in Privatbesitz ein Risiko ausgeht und deshalb eine Ausdünnung des Waffenbestands in Deutschland sinnvoll ist. Dass dabei allerdings vorwiegend der Zugang junger Erwachsener zu Schusswaffen zur Disposition steht, kommt einem unzulässigen Generalverdacht gleich. Betrachtet man alle Amokläufe und Gewalttaten mit Schusswaffengebrauch in Deutschland in den letzten Jahren, so sind die Täter keineswegs vorwiegend junge Menschen, sondern meist Männer mittleren Alters. (Ein lästerlicher Gedanke: Man müsste alle Männer entwaffnen!)

Selbstverständlich auch muss man sich mit der Wirkung gewalttätiger Filme und Computerspiele auseinander setzen. Doch wer hier nach Verboten ruft, hat die Funktion des Internet nicht verstanden. Die neuen Kommunikationstechnologien machen jede Zensur auf Dauer unmöglich. Stattdessen brauchen wir Erziehung, die Kinder und Jugendliche zum kritischen Medienkonsum und zur angewandten Gewaltfreiheit befähigt. Wer moderne Bildungspolitik darauf beschränkt, alle Klassen mit Computern und Internetzugang auszustatten, ohne die LehrerInnen in Medienpädagogik und konstruktiver Konfliktaustragung auszubilden, fördert letztlich nur blinde Technikbegeisterung. Das Unangenehme daran ist: Bildung und Qualifizierung kosten Geld.

Verbote haben aus staatlicher Sicht den Vorteil, kostenneutral zu sein. PolitikerInnen, die Verbote in den Mittelpunkt der Gewaltprävention stellen, vernachlässigen dabei eine wesentliche pädagogische Erkenntnis: Dass nämlich ohne Vorbilder Erziehung nicht funktioniert. Wer dieses Wissen auf die Politik überträgt, rührt jedoch an Tabus. Wie soll eine Regierung, die selbst bereit ist, Gewalt im großen Maßstab anzuwenden, von ihren Bürgerinnen und Bürgern glaubwürdig Gewaltverzicht im Kleinen fordern? Die deutsche Politik krankt hier an einer Art Bewusstseinsspaltung. Die Gewalttat eines Einzelnen wird empört verurteilt, die Gewalttaten der Bundeswehr in Jugoslawien oder Afghanistan, die Übergriffe der israelischen Armee in den palästinensischen Flüchtlingslagern, denen viel mehr - auch unschuldige - Menschen zum Opfer gefallen sind, werden verdrängt oder bewusst gerechtfertigt. In den USA ist man schon weiter. Dort setzt das Militär neuerdings gezielt Ballerspiele für den Heim-PC zur Nachwuchswerbung ein. Wir dürfen gespannt sein, ob sich dieses „Öffentlichkeitsmaterial" der uneingeschränkten Solidarität der Bundesregierung erfreuen darf oder in Deutschland auf dem Index landet.

Auch Thüringens Landesregierung gerät zunehmend unter schulpolitischen Druck. Zu Recht wird ein Gymnasium kritisiert, das außer dem Abitur keinen Abschluss kennt und das SchulversagerInnen dadurch ins gesellschaftliche Abseits katapultiert. Nun denkt man in der Landesregierung darüber nach, eine Zwischenprüfung zum Realschulabschluss nach der 10. Klasse einzuführen. Absolutes Tabu allerdings ist in allen Bundesländern, ein Schulsystem zu hinterfragen, das auf Ausgrenzung, Herabsetzung und Abschiebung Schwächerer basiert. 40 Prozent aller 6 bis 15-jährigen machen im deutschen Schulsystem die Erfahrung des Scheiterns - sie bleiben sitzen, werden herabgestuft, fallen durch oder werden als „lernbehindert" oder „verhaltensauffällig" auf Sonderschulen geschickt. Dieser Prozentsatz korrelliert nicht zufällig mit einem guten Drittel Erwachsener, die dauerarbeitslos, sozialhilfeabhängig, billig oder schwarz arbeitend, gering verrentet oder hoch verschuldet mehr oder weniger auf Dauer aus der Spaßgesellschaft der besser Verdienenden ausgegrenzt werden. „Man kann einen Menschen mit einer Wohnung erschlagen wie mit einer Axt." Noch niemand hat den Begriff der „strukturellen Gewalt" prägnanter formuliert als Bertolt Brecht. Menschen, die sich dieser Form von Gewalt hilflos ausgesetzt sehen, die täglich ihre Ohnmacht und Wehrlosigkeit erfahren, die oft in der Öffentlichkeit nur als zu betreuende Objekte wahrgenommen werden, statt als Subjekte ihres eigenen Lebens (oder gar der Geschichte) integrieren Gewalt ganz selbstverständlich in ihr eigenes Handlungsrepertoire. Meist allerdings entlädt sie sich gegen sie selbst oder Ihresgleichen - als Sucht, Suizid, sexueller Übergriff, Gewalt in der Familie, auf der Straße, auf dem Schulhof.

Innergesellschaftliche Gewaltprävention muss sich dieser Situation stellen. Es kann nicht darum gehen, das untere Drittel der Gesellschaft oder irgeneine andere gesellschaftliche Gruppe zu „befrieden" und ruhig zu stellen. Im Gegenteil: Schon die Auseinandersetzung mit Konfliktbearbeitung bietet die Chance die eigenen Interessen überhaupt zu registrieren und auszudrücken. Menschen brauchen Handwerkszeug, das ihnen hilft, die in jeder Gesellschaft vorhandenen Interessenkonflikte zu verstehen und ihre eigene Position darin zu behaupten, ohne die Lebensinteressen anderer zu verletzen. Diese Fähigkeiten zu erwerben und im Alltag kreativ anzuwenden ist eine große Herausforderung an jeden einzelnen - und eine große Chance. Wer gelernt hat, Konflikte ohne Gewalt auszutragen, wird auch in der Erziehung seiner Kinder kompetenter sein und sich eher zum positiven Vorbild eignen.

Die Gesellschaft ihrerseits muss sich bereitmachen, auf gewaltfrei geäußerte Interessen zu reagieren und Alternativen zur Ausgrenzungsgesellschaft zulassen. Robert S. und Ajat A. haben keine Ausdrucksform für wirkungsvoller gehalten als Mord. Das sagt mindestens ebenso viel über die Spielräume für Veränderung in ihrem jeweiligen Lebensumfeld wie über ihre eigene Gewaltbereitschaft. In Deutschland sind diese Spielräume in den letzten 20 Jahren der Individualisierung und Kommerzialisierung gewichen. Verglichen mit der lebhaften Streit- und Protestkultur der 70er und 80er Jahre gibt es heute wenige Möglichkeiten der Artikulation für Jugendliche. Dies zu verändern sollte jetzt dringend auf die Tagesordnung.

Viele Schulen und Jugendeinrichtungen konnten in den vergangenen Jahren gute Erfahrungen mit Streitschlichtung und konstruktiver Konfliktbearbeitung machen, meist initiiert und getragen von ehrenamtlichem Engagement Jugendlicher und Erwachsener. Diese Ansätze gilt es auszuweiten und zu verstetigen. Dazu startet der Bund für Soziale Verteidigung in diesem Rundbrief die Unterschriften-Aktion „1 € pro EinwohnerIn für Programme zur Zivilen Konfliktbearbeitung in Schulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen." Diese „Initiative für unsere Kinder" soll die Bundesländer dazu bewegen, in fünf Jahren insgesamt 410 Millionen € für Streitschlichtungsprogramme, Trainings, Seminare und Fortbildung der PädagogInnen zur Verfügung zu stellen. Damit fordert der BSV, Kindern und Jugendlichen etwas zu geben, statt in erster Linie zu verbieten.

Ergänzt werden muss eine solche Aktion durch ein gesellschaftliches Klima der Ermutigung und Auseinandersetzung. Alle Menschen haben das Recht mitzusprechen, gehört zu werden und teilzuhaben. Niemand gehört ausgeschlossen und ausgegrenzt. Das ist der tiefere Sinn von Demokratie. Nichts Geringeres fordert die Präambel des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar…"

Kathrin Vogler


Ziviler Friedensdienst (ZFD) als ein Beitrag zur Überwindung des Nährbodens für den weltweiten Terrorismus

Nährboden für Terrorismus entwickelt sich dort,

wo Menschen keinen anderen Weg als den der Gewalt zur Lösung ihrer Probleme sehen.

· Der ZFD kann den Menschen andere, legale und gewaltfreie Wege aufzeigen, um ihre Interessen durchzusetzen und sie durch aktive Unterstützung ermutigen, diese zu gehen.

wo Menschen sich isoliert und daher machtlos fühlen.

· Er kann Menschen zusammenführen und damit das verbreitete Gefühl der Isolation und der Ohnmacht überwinden - auch über Grenzen hinweg

wo wenig Gelegenheit zu Begegnungen mit anderen Gruppierungen und zu neuartigen Erfahrungen mit Menschen anderer Kulturkreise besteht.

· Er gibt Gelegenheit zu intensiven Begegnungen mit Menschen anderer Hautfarbe, Kultur, ethnischen Zugehörigkeit und Religion - auch anderer sozialer Schichten und wirkt dabei Vorurteilen und generellen Verurteilungen entgegen.

wo Menschen weder die in der UN-Charta verankerten "Allgemeinen Menschenrechte kennen, geschweige denn sich auf sie berufen können, und keine Gelegenheit zur demokratischen Teilhabe erhalten.

· Der ZFD führt Menschen zusammen, unterstützt sie in der Wahrnehmung ihrer Rechte und gibt Impulse zur gesellschaftlichen und politischen Mitwirkung.

wo Menschen eine bestimmte Heilslehre absolut setzen, dem starken Einfluss religiöser oder politischer Führer unterliegen und deren Darstellungen aufgrund unzureichender eigener Ausbildung, Weitsicht und Selbstbewusstsein nicht kritisch gegenübertreten können.

· Der ZFD trägt durch Trainings- und Ausbildungsangebote, aber auch durch den Zugang zu Informationsquellen zur Entwicklung eigener Urteilsfähigkeit bei. Insgesamt zielt die Arbeit auf differenzierte Wahrnehmung sozialer Gegebenheiten und individueller Befindlichkeiten einschließlich deren Ursachen.

wo Menschen nie erfahren haben, dass sie die Kraft haben, Lebensbedingungen ohne Gewalt zu beeinflussen und Dinge zum Guten verändern - aber auch gemeinsam mit anderen sich bedrohlichen Entwicklungen zu widersetzen.

· Der ZFD regt Menschen dazu an, Lethargie zu überwinden und selbst etwas zu tun, in Zusammenarbeit mit anderen. Er gibt Gelegenheit zu Erfahrungen mit der "verändernden Kraft", die ihren Ursprung in den Weltreligionen, aber auch im wachen Gewissen jedes einzelnen hat.

wo Menschen nur die eigenen Probleme und die ihrer Gruppe sehen, ohne den Zusammenhang mit der Situation der Menschen auf der anderen Seite oder gar weltweiten Entwicklungen zu sehen und wo sich die geforderte Solidarität mit der eigenen Gruppe vor allem auch im Hass gegenüber dem Gegner ausdrückt.

· Der ZFD trägt durch die Ermöglichung interethnischen und internationalen Dialogs dazu bei, sich Erfahrungen aus anderen Weltregionen zunutze zu machen, um die Eindimensionalität und das Verhaftetsein in der eigenen Gruppe zu überwinden und den Horizont zu weiten und voneinander zu lernen. Er unterstützt damit ein neues Wir-Gefühl, das die Erkenntnis von Gemeinsamkeiten und Offenheit gegenüber anderen Kulturen erlaubt.

Auf der Seite unserer christlich-abendländischen Sozialisation in den westlichen Industrienationen wird dagegen der Nährboden für terroristische Aktionen bereitet, wenn die Vertreter der privilegierten Staaten, die politische Klasse, aber auch jeder und jede Einzelne von uns nicht bereit sind, hinzuschauen und hinzuhören, wo Menschen sich als chancenlos wahrnehmen, wo sie keine Zukunft für ihre Kinder sehen, wo sie Not und Unterdrückung erleiden, wo sie sich täglich mit Bedrohung und Tod konfrontiert sehen und sich in ihrer Würde zutiefst verletzt fühlen. Wir tragen zur Bereitschaft für Terrorismus als letzten Ausweg bei, wenn wir nur unsere eigenen Privilegien schützen wollen und Sicherheit, Freiheit und Menschenrecht als unser Recht, nicht aber auch als unsere Pflicht und Aufgabe ansehen. Nährboden für Gewalt und Terror entsteht dort, wo die Globalisierung den einen in dem Maße dient, wie sie den anderen schadet.

Die Bemühungen eines Zivilen Friedensdienstes und seiner Fachkräfte sind nicht zu trennen von dem Ringen um den Abbau struktureller Gewalt und der

Überwindung von menschenverachtender und lebensbedrohender Ungerechtigkeit.

Helga Tempel


Institut für Friedensarbeit und Gewaltfreie Konfliktaustragung

Möglichkeiten der Förderung von Friedensallianzen in Konfliktregionen durch externe Basisorganisationen

So lautet der Titel des Arbeitspapiers Nr. 17 des Instituts für Friedensarbeit und Gewaltfreie Konfliktaustragung (IFGK) von Barbara Müller über ein Aktionsforschungsprojekt in Kroatien von 1999 und 2000.

Die Förderung friedensorientierter Kräfte vor Ort und ihre externe Unterstützung wird zunehmend als wichtiges Element von Konfliktbearbeitung wahrgenommen und konzeptionell ausgearbeitet. Wie funktioniert die Förderung von Friedensallianzen? Inwiefern bietet das Konzept der Peace Constituencies (Friedensallianzen) von Lederach den externen Unterstützern eine strategische Orientierung beim Aufspüren der Träger von Friedensallianzen? Dieser Frage ist das IFGK in den Jahren 1999 und 2000 mit einem Aktionsforschungsprojekt in Split und in der Region Knin, Kroatien nachgegangen. Das Hauptaugenmerk des Forschungsprojektes lag auf den Möglichkeiten, die Basisorganisationen haben, wenn sie mit dem Konzept von Friedensallianzen arbeiten wollen.

Vornehmlich an einer Diskussion mit PraktikerInnen interessiert, führte das IFGK drei Workshops durch. Die Ergebnisse wurden durch Feedbackrunden und nachträgliche Befragungen eingeholt. Während des Projektes entwickelte sich so ein Instrumentarium von: Workshop mit Konzepttransfer Þ Evaluation Þ Bewertung der aktuellen Konfliktsituation Þ Planung Þ themenbezogener Workshop Þ Evaluation Þ Bewertung der aktuellen Konfliktsituation. Die Ergebnisse des Projektes sind auf drei Ebenen angesiedelt: Konzeptionell, praktisch und akteursbezogen.

Das Arbeitspapier ist in der BSV-Geschäftsstelle für 4 Euro zu beziehen. Termin zum Vormerken: IFGK-Studientag am 12.10.2002

Achim Schmitz


Balkan Peace Team
Abschlussbericht

Das Balkan Peace Team (BPT) war ein Projekt gewaltfreier Intervention, das von 1994 bis 2001 Freiwilligen-Teams nach Kroatien und in die Bundesrepublik Jugoslawien entsandte. Als sich das BPT in den ersten Monaten des Jahres 2001 dazu entschloss, seine Arbeit im Feld einzustellen, hielten es die Mitglieder des Koordinations-Komitees des BPT für notwendig, auf die letzten sieben oder acht Jahre zurückzublicken, zu bewerten, was erreicht worden war, und Lehren daraus zu ziehen, in der Hoffnung, dass diese gegenwärtigen oder zukünftigen Friedensprojekten von Nutzen sein könnten.

Das vorliegende Papier verbindet Dokumentation und Evaluation miteinander. Als es zusammengestellt wurde, waren die beiden Leitfragen: Was kann erstens an der Struktur und der Arbeit des BPT für andere interessant sein? Und zweitens: Was kann für uns, die wir ein Teil des BPT waren, betrachtens- und bedenkenswert sein?

Dieser BPT Abschlussbericht von den AutorInnen Howard Clark und Christine Schweitzer ist in der BSV Reihe Hintergrund und Diskussionspapiere als NR. 11 erschienen, 59 Seiten, 5,- Euro. Im Augenblick gibt es nur die englische Version, die deutsche Übersetzung ist in Arbeit und wird im Sommer fertig gestellt sein. Bestellungen nehmen wir schon jetzt in der BSV Geschäftsstelle entgegen. Bitte angeben, ob englische Version sofort zugesendet werden soll oder sie auf die Warteliste für die deutsche Übersetzung möchten.


Nonviolent Peaceforce - die Idee nimmt Gestalt an

Ihr erinnert Euch: in unserer Jahrestagung 2001 "Gewaltfreie Interventionen in größerem Maßstab" haben wir auf dieses Vorhaben aufmerksam gemacht. Es geht darum, eine 'internationale gewaltfreie, stehende "Friedensarmee" zu mobilisieren und auszubilden. Diese Peaceforce soll Tod und Zerstörung verhindern und Menschenrechte schützen und dadurch den Aktionsraum lokaler Gruppen zu erweitern, damit diese ihren gewaltfreien Kampf fortsetzen, in Dialog miteinander treten und friedliche Konfliktlösungen suchen können.' Nonviolent Peaceforce (NP) ist also vergleichbar mit dem Zivilen Friedensdienst, wird aber nicht kleine Teams, sondern größere Gruppen von Freiwilligen in ein Konfliktgebiet entsenden. Denn kleine Projekte mit drei, zehn oder auch vierzig Freiwilligen werden nicht in der Lage sein, durch ihre Präsenz einen gewaltsamen Konflikt insgesamt zu de-eskalieren.

Eine Vision, deren Zeit gekommen ist

NP will mit ca. 200 aktiven Langzeit-Freiwilligen und 400 "ReservistInnen" für kurzfristige ergänzende Einsätze beginnen, um später ständig 2.000 Aktive und 4.000 'ReservistInnen' zur Verfügung zu haben. Im Unterschied zum deutschen Zivilen Friedensdienst, der sich auf Konfliktnachsorge und 'Peacebuilding' konzentriert, will sie auf Strategien und Methoden setzen, die der Gewaltverhinderung ('Peacekeeping') zuzuordnen sind: u.a. Eskortierung von AktivistInnen und bedrohten Gruppen, Beobachtung/Monitoring, Dazwischentreten in Gewaltsituationen usw. An der Entwicklung dieses Konzepts, das weltweit immer mehr Zustimmung findet, sind auch Mitglieder des BSV und des forumsZFD beteiligt gewesen.

Nonviolent Peaceforce ist ursprünglich ein Vorhaben von "Peaceworkers", einer NGO in San Francisco. Deshalb hat das Büro bisher z.Zt. noch seinen Sitz in St. Paul / USA. Die Gründungsveranstaltung wird voraussichtlich im November 2002 in New Delhi stattfinden.

Zwei Organisationen in Deutschland sind vor wenigen Tagen gefragt worden, ob sie Mitglied werden wollen: der BSV, der bereits in der Mitglieder-Versammlung im März die Bildung einer Arbeitsgruppe Peaceforce beschlossen hat, und das forumZFD. Nun ist es an uns, die Idee Wirklichkeit werden zu lassen.

An den Bund für Soziale Verteidigung, Schwarzer Weg 8, 32423 Minden,

____Ich würde gerne über die Nonviolent Peaceforce auf dem Laufenden gehalten werden und Infos von Euch erhalten.

_____Bitte gebt meine Email-Anschrift an das Büro in USA weiter, damit ich von dort den Newsletter (in englischer Sprache) erhalten kann.
____Ich möchte dieses Projekt unterstützen, indem ich mich aktiv an AG Peaceforce im BSV beteilige.
Name, Anschrift, e-Email, Telefon


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Achtsame Mediation

Ein Buch für alle, die Mediation erlernen, anwenden und sich selbst persönlich und als Konfliktbearbeiter weiterentwickeln wollen.

Wenn ich ein klares Bewusstsein darüber erlange, aus welchem kulturellen Hintergrund heraus ich handele, werde ich die Möglichkeit haben, die Fülle unterschiedlicher Erfahrungen und Erkenntnisse anderer Kulturen in mein eigenes Handeln zu integrieren.

Das Wissen über Möglichkeiten, gewaltmindernd in Konflikte einzugreifen, ist eine soziale Kompetenz, die immer wichtiger wird. Erkenntnisse darüber, wie andere Kulturen mit ihren Konflikten umgehen, werden dabei zu einer notwendigen Voraussetzung, um überhaupt etwas Sinnvolles tun zu können.

John McConnell hat uns mit seinem Buch einen Schatz geborgen, dessen Reichtum wir nach und nach erkennen, wenn wir das Buch als Hand- und Arbeitsbuch benutzen. Ich wünsche mir, dass alle, die Mediation erlernen und in ihrem Alltag anwenden, dieses Buch verwenden, um ihr eigenes Verständnis von Mediation und die heilende Kraft von Versöhnungsprozessen zu vertiefen.

Hier wird uns ein klares Bild gezeichnet, das uns Menschen und ihre Konflikte tief und besser verstehen lässt. Der Hintergrund dieses Buches ist das erfahrungsgesättigte Wissen, das in der buddhistisch fundamentierten Menschenlehre gesammelt wurde. Dieses Wissen ist durchdrungen von Wohlwollen, Freundlichkeit und Güte gegenüber allen Wesen, gerade der Haltung, die uns in Mediationsprozessen eine wirkliche Konflikttransformation ermöglicht.

Zur Zeit arbeit John McConnell u.a. in einem Projekt des Versöhnungsbunds in Myanmar (ehem. Burma).

Das Buch "Achtsame Mediation", von John McConnell, ISBN 3-9804408-5-0 ist bald für 17,- Euro über den Buchhandel zu beziehen oder direkt über den Versöhnungsbund e.V., Schwarzer Weg 8, 32423 Minden, Tel. 0571/850875

Kurt Südmersen


Gemeinsam sind wir stark

Machen Sie mit bei der konzertierten Plakataktion zum Wahlkampf 2002! Der Bund für Soziale Verteidigung ruft zusammen mit dem Versöhnungsbund und der dfg-vk dazu auf und möchte so um neue Mitglieder werben. Die Plakate werden kostenlos für Sie aus unserer BSV- Geschäftsstelle versandt. So viele Sie wollen und verkleben können.

Sie, die mündigen Bürger und Freunde des BSV, werden um folgende Mithilfe gebeten:

Bitte mieten Sie in diesem Sommer vor der Bundestagswahl am 22.9. in Ihrem Heimatort von der "Deutschen Städte Medien Außßenwerbung,

z. Hd. Frau Tiffert, 0345/2981168" Plakatwände, Litfasssäulen und ähnliches an. Die Kosten richten sich nach der Bewertung der Fläche, die Sie vor Ort anmieten, von 3,- bis 20,- Euro pro Tag. Die Plakate liegen hier in Minden fertig gedruckt und wir senden die Plakate an die zuständige Firma, die die Plakate dann termingerecht aufklebt. Sie dürfen natürlich auch privat Plakate kleben, einfach in der BSV Geschäftsstelle bestellen. Vielen Dank für Ihre Mithilfe.


Ein neues Gesicht

Das neue Gesicht im BSV-Team gehört zu Kathrin Vogler, die seit dem 1. Mai als Geschäftsführerin mit dem Schwerpunkt Pazifismus und Militärkritik eingestellt ist. Die 38-jährige ist seit 1979 in der Friedensbewegung aktiv, zuletzt als Bundessprecherin unserer Trägerorganisation DFG-VK. Sie lebt mit Mann und Tochter in Münster. Beim BSV wird sie sich u.a. um das Projekt „Zivile Visionen", die AG „Erkundung Israel" und die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen kümmern.