RB 012

SOZIALE

VERTEIDIGUNG

Konflikte gewaltfrei austragen - Militär und Rüstung abschaffen

Rundbrief 2/2001 des BSV

Redaktion Peter Betz

Schwarzer Weg 8, 32423 Minden (Herausgeber)

V.i.S.d.P. Konrad Tempel

Kostenlos Auflage: 6.500

Druck: ART & IMAGE, Minden

Tel. 0571/29456 Fax 0571/23019

Erscheinungsweise: vierteljährlich

SPK Mi-Lü, BLZ 49050101, Nr. 89420814  

Redaktionsschluß für 3/01, August 2001

E-Mail: info(at)soziale-verteidigung.deDiese E-Mail Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

Internet:http://www.soziale-verteidigung.de

Lieber Leser, liebe Leserin!

Ich freue mich sehr über diesen Rundbrief. Wir haben nicht nur die Schrift gewechselt (klarer und frischer), sondern auch im Inhalt versucht, über uns und unsere Arbeit etwas mehr zu transportieren.

Ich hoffe, Ihnen gefällt der neue Ansatz.

Nach der Vorstellung des neuen Vorstands-Teams folgen Texte zur Jahrestagung, u.a. der Kommentar "Unsere Vision hat vitale Kraft". Auf Seite 8 erinnert Barbara Müller an das notwendige Nachdenken über Alternativen zum Militär und ruft zu konkreter Mitwirkung an den "zivilen Visionen" auf.

Die Arbeit in und um den BSV wird von vielen Menschen getragen. Ihnen gebührt unser aller Dank. Doch um die wichtigen Vorhaben in die Realität umzusetzen, brauchen wir dringend wieder einmal Ihre finanzielle Unterstützung. Wir bitten Sie also sehr herzlich um großzügige Spenden, ohne die unsere ganze Arbeit nicht möglich wäre. Vielen Dank.

Peter Betz

Aus dem Inhalt

 

Pazifismus:

Kein Bekenntnis, sondern streitbare Mitwirkung an einem kollektiven Prozess der Zivilisierung

Unsere Jahrestagung in Bonn Anfang März 2001 war ein Ort des offenen Nachdenkens und Fragens.

Niemand erhob dogmatische Ansprüche und niemand wollte uns politische Wahrheiten nahe bringen. Wir teilten miteinander die Sorge um die weltweiten Versuche, mit militärischen Mitteln Konflikte zu lösen, um die Re-Legitimierung des Militärs wie um die Auswirkungen der neuen NATO-Doktrin. Wir stimmten nicht in allen Details und nicht in jeder Folgerung überein, aber wir sahen alle die Notwendigkeit, weiterhin daran mitzuwirken, auf allen denkbaren Ebenen Rüstung und Militär abzubauen und das noch schwächliche Vertrauen in zivile Instrumente der Konfliktbearbeitung zu stärken.

Knapp sechzig Frauen und Männer - von 19 bis über 70 Jahre alt - diskutierten in einer unverkrampften, anregenden Atmosphäre über das "Zukunftsprojekt Pazifismus". Birgit Berg / Freiburg hatte eine große Weltkarte im Format 6x3 m mitgebracht, die im Hintergrund aufgehängt war und auf der - gleichsam als stärkende Herausforderung - ungezählte bekannte und unbekannte gewaltfreie Aktionen angedeutet waren. Nachdem wir uns die reiche Vielfalt der persönlichen Zugänge zu Gewaltfreiheit und politischem Pazifismus vergegenwärtigt hatten, tauschten wir uns in kleinen Gruppen über die entsprechenden Erfahrungen und Einsichten aus. Wir stellten uns fünf Impulsen aus langjährigem pazifistischem Engagement:

über das Denken in Widersprüchen und den inneren Zusammenhang von Gewalt und Gewaltfreiheit durch Detlef Beck, den pädagogischen Geschäftsführer des BSV, über den Streit um die Ausnahmen (das kleinere Übel) durch Georg Hörnschemeyer, frisch ins Präsidium von Pax Christi gewählt, über Misserfolge und die richtigen Fragen, u.a. zum Rüstungshaushalt, durch Paul Russmann /Ohne Rüstung Leben, über die Notwendigkeit, die Arbeit für mehr Gewaltfreiheit in allen Sektoren voranzutreiben, durch Helga Tempel / ForumZFD und über einen aktiveren, streitbaren Pazifismus durch Renate Wanie / Gewaltfreie Werkstatt Baden

.

Auf dieser Grundlage ging es in den folgenden Gruppengesprächen u.a. um "Friede und Recht" mit Prof. Arnold Köpcke-Duttler, um ein Buch über eine neue Strategie der Sozialen Verteidigung, vorgestellt von Anne Dietrich / Bildungswerk Umbruch , Köln, um die politische Arbeit in der "Spaßgesellschaft", und um die Frage, welche Möglichkeiten es schon jetzt gibt, künftigen militärischen NATO - Interventionen entgegenzuwirken, in die Manni Stenner von der Friedenskooperative Bonn einführte.

Welche konkrete Phantasie in diesem Treffen versammelt war, zeigte sich einerseits vor allem an den Ideen zur Arbeit gegen weitere NATO-Kriege, die auf Wandzeitungen zusammengetragen waren und die der BSV gemeinsam mit anderen weiter bearbeiten wird, und andererseits an der Vielzahl von Friedens-Projekten, die am Abend präsentiert wurden.

Am Ende war klar: für uns ist 'Pazifismus' nicht ein Bekenntnis, sondern Ausdruck für einen kollektiven Prozess der Zivilisierung u.a. der Außenpolitik, an dem wir mitarbeiten, ein Prozess, den wir mit vielen Mitmach-Möglichkeiten zu organisieren haben; Pazifismus wurde erneut für uns zu einer gemeinsamen, aktivierenden Perspektive konstruktiven und antimilitaristischen Handelns.

Henry Stahl / Peter Betz / Konrad Tempel

 

Der neue Vorstand

Burkhard Bläsi, 28, Dipl.-Psych. Studium in Konstanz und England. Derzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Projektgruppe Friedensforschung der Uni Konstanz. Dissertationsvorhaben zum Thema "Friedensjournalismus". 1997/98 sechsmonatige Mitarbeit im "Mindener Projekt" des BSV, seit 1999 im Vorstand.

Björn Kunter, 31, Diplompädagoge. Nach einem Jahr in Minsk/Belarus hat mich der gesamte Osten nicht wieder losgelassen, so dass mich mein Weg fast zwangsläufig zum Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk nach Dortmund geführt hat. Hier gebe ich die Fachzeitschrift Belarus-News heraus, organisiere Bildungsmaßnahmen und versuche, Initiativen miteinander zu vernetzen. Als Trainer arbeite ich daran, Konzepte der konstruktiven Konfliktaustragung mit Elementen aus Anti-Rassismus Trainings zu verbinden. Ich möchte mich im Vorstand dafür einsetzen, dass sich mehr ältere Menschen aktiv im BSV engagieren.

Barbara Müller, 41, Historikerin im Hunsrück. Ich bin in den 80er Jahren zur Friedensarbeit gekommen und habe durch Aktionen und die Beschäftigung mit Alternativen zur herrschenden Sicherheitspolitik Gewaltfreiheit und Soziale Verteidigung kennengelernt. Beide bestimmen meine pol. und wiss. Arbeit. Ich versuche Wissenschaft, Aktion und konzeptionelles Denken zu verbinden und Gewaltfreiheit auf aktuelle Themen anzuwenden. Neben meiner Forschungstätigkeit im "Institut für Friedensarbeit und Gewaltfreie Konfliktaustragung" arbeite ich im Initiativkreis der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung mit.

Birgitta Meier, 44, Studium: Werkstoffwissenschaften / Dipl.Ing. Seit 1981 aktiv in der Friedensbewegung, Gründungsmitglied der NaturwissenschaftlerInnen - Initiative, Brigadistin in Nicaragua. Nach Tätigkeiten als Entwicklungsingenieurin und Erwerbslosigkeit, die mit dem politischen Engagement zusammenhing, arbeite ich heute in Erlangen als SAP-Consultant. Aktives IG-Metall-Mitglied, derzeit Leiterin des Vertrauenskörpers in einem Betrieb der IT-Branche. Mitwirkung im Friedensmuseum Nürnberg. Meine Anliegen: Friedensbewegung verNETzen! Zusammenarbeit und Verständnis zwischen Friedensbewegung und Gewerkschaft verbessern!

Henry Stahl, 47, in Berlin erzogen und ausgebildet. Studium der Humanmedizin. Ab 1982 in Gütersloh Facharztausbildung zum Neurologen / Psychiater / Psychotherapeuten. Mitarbeit bei der Gründung einer Regionalgruppe der Ärzte zur Prävention des Atomkriegs (IPPNW). 1995 bin ich auf der Suche nach einem positiv definierten Ziel in der Friedensarbeit vom BSV in gewaltfreier Konfliktaustragung ausgebildet worden und arbeite seitdem aktiv mit. Initiative zu einem Concierge-Projekt in Berlin.

Konrad Tempel, 69, kfm. Lehre, bis '95 pädagogisch tätig, seit '53 aktive Friedensarbeit gemeinsam mit Helga Tempel. Quäker, SPD, Gewerkschaft. Mitgestalter der Ausbildungspläne von BSV/Forum ZFD und AG Qualifizierung für Zivile Konfliktbearbeitung / ZFD. Mir ist wichtig, dass die politische Arbeit des BSV auch unmittelbar den Mitgliedern und Förderern nützt und sie für ihr eigenes Wirken anregt und stärkt.

 

"Krisen und Kriege im Kaukasus"

Tagung 2. - 4. November 2001 in der Ev. Akademie Iserlohn

Eine Kooperation des BSV mit der Ev. Akademie Iserlohn, den NaturwissenschaftlerInnen für den Frieden, Versöhnungsbund und Helsinki Citizens' Assembly

1. Information über die Region
2. Konfliktursachen
3. Friedensursachen / Friedenspotentiale
4. Was können wir hier in Deutschland tun?

Ziel der Tagung ist, einer interessierten Öffentlichkeit Informationen über die Region zu geben, Initiativen vorzustellen, die sich in den betroffenen Ländern für Prävention und friedliche Lösungen der vielfältigen Konflikte einsetzen und gemeinsam zu überlegen, was wir hier in Deutschland zur zivilen Krisenbewältigung beitragen können.

Programm und Anmeldung unter: Akademie Iserlohn, Berliner Str. 12, 58638 Iserlohn, Tel. 02371/352180

 

Unsere Vision besitzt vitale Kraft,

wenn wir kämpferisch für sie wirken

1 Welche absurde Phantasie!, dachte ich. In einer Kölner Zeitung stand Anfang April die verblüffende Antwort eines 20jährigen Zivis auf die Frage: Was würden Sie gerne einmal erfinden? : "Die tollste und nützlichste Erfindung wäre eine Pille gegen Krieg und Gewalt...." In der Tat: die Sehnsucht nach gewaltärmeren Verhältnissen kann und muss unsere Phantasie in alle möglichen Richtungen anregen. Und je jünger und unbefangener ein Mensch ist, der an unfriedlichen Verhältnissen leidet, desto mehr Optionen kommen ihm in den Sinn, realistische und utopische, und er wird mit anderen zusammen herausfinden müssen, welche davon tragfähig sind. Das ist einer der Gründe dafür, dass zivilgesellschaftliche Initiativen gut daran tun, großen Wert auf den suchenden Dialog zwischen Angehörigen verschiedener Generationen zu legen.

Unsere Jahrestagung in diesem Jahr war ein solcher Ort, Frauen und Männer der jungen ErwachsenenGeneration Gelegenheit zum Austausch mit Älteren gesucht haben, Frauen und Männer, die nicht schon -zig Jahre Anti-Kriegs-Erfahrung im Hinterkopf haben, denen manches vertraute Argument der gewaltfreien Szene etwas zu glatt erscheint und deren Phantasie noch frisch und unverbraucht ist. Einer von ihnen war der 19jährige Abiturient Daniel F., der im letzten Herbst auf den Gedanken gekommen ist, über die notwendigen Kooperationen in der Friedensbewegung nachzudenken und uns anzustoßen.

2 Auch an anderen Stellen melden sich Leute zu Wort, die noch nicht viel Erfahrung, aber viel Energie und Phantasie haben und sich deshalb einmischen wollen. Dazu gehört auch eine Gruppe junger Grüner, die sich vor kurzem in Abwehr der oberflächlichen Gewalt-Diskussion mit der Frage beschäftigt hat, was die Themen der 68er heute noch wert seien (FR, 2.4.01, S. 11). Sie sprechen von den Visionen eines besseren Zusammenlebens, die dem politischen Alltagsleben eine Richtung geben sollen, und ihrer Absicht, auf dem ‚Pfad der Gewaltlosigkeit' zu bleiben. Denn um die großen Parteien steht es nach der Einsicht nicht nur der Parteienforscher nicht gerade gut, weil es so aussieht, als hätten sie ihre Visionen verloren (FR, 24.2.01,S. 7 / Die Woche, 30.3.01, S. 5.) Es heißt: die Parteien kämpften nicht mehr, "Kriegsziele und Fußtruppen" seien ihnen ausgegangen. Das Gros der sozialdemokratischen Mitglieder sei politisch eher melancholisch als zukunftsgewiss, und auch die Grünen seien mittlerweile eine melancholische Partei, sie glaubten nicht mehr an die Träume und Utopien der 80er Jahre. Was den Parteien fehle, sei auch, daß es keine scharfen Kontroversen mehr gäbe. 3 Sind etwa auch uns die "Kriegsziele" und Kontroversen ausgegangen? Nachwievor ergeben unsere Analysen die Dringlichkeit, weiter auf die Verringerung von Rüstung und Militär hinzuarbeiten, insbesondere die mit ihnen verbundene Ressourcen-Vergeudung und Kontraproduktivität bewußt zu machen und kundig und phantasiereich zur Verbreitung der Idee und der Praxis ziviler Konfliktbearbeitung beizutragen. Wir stimmen darin überein, dass die öffentliche Auseinandersetzung mit den Positionen auf der anderen Seite gerade angesichts der neuen NATO-Doktrin so dringlich ist wie eh und je. Aber wird bei uns - ohne Sorge um die eher negative öffentliche Bewertung von Meinungsdifferenzen - um die richtigen Wege gestritten? Bei selbstkritischer Betrachtung der früheren Jahrestagungen müssen wir einräumen, diese Treffen - mit jeweils guten Gründen - meist so ausgerichtet zu haben, daß es zu relativ wenig Streit über Alternativen gekommen ist.

4 Wer nicht schon das meiste hinter sich hat, nicht am eigenen Leib die denkhemmenden Ängste vor dem Sozialismus, die Gewalt der Staatsmacht durch Wasserwerfer und die Auflösung mancher gesellschaftlichen Verkrustung erlebt hat, braucht die Älteren zur eigenen Klärung. Wen hätte es als junge Frau und jungen Mann nicht gereizt mitzudiskutieren, wenn irgendwo unter Freunden ‚die Funken sprühen'? In der Jahrestagung, die auf die gemeinsame Vision einer humaneren Gesellschaft mit weniger Militär und Rüstung und mehr Solidarität ausgerichtet war, hat Renate Wanie angemahnt, einen streitbaren Pazifismus zu praktizieren, und uns damit einen bedenkenswerten Hinweis auch für die internen Suchbewegungen gegeben. Lasst uns also Raum schaffen für aktivierende Auseinandersetzungen!

Da es eine Pille gegen Militär und Krieg nicht geben wird, müssen wir weiterhin - und am besten im kritischen Diskurs zwischen den Generationen - immer wieder nach neuen zukunftstauglichen Schritten und Kampagnen suchen. Je mehr wir dabei um die besten Ideen ringen, desto motivierender ist es, sich im Bund für Soziale Verteidigung zu engagieren. Wenn wir auf diese Weise unsere Vision durch einen kämpferischen Pazifismus ausdrücken, wird das nicht nur uns selbst kraftvoller machen. Es wird langfristig die nötigen Zweifel der politischen Eliten anstacheln, die immer noch auf Militär und Krieg als letzte Mittel vertrauen.

Konrad Tempel

 

Neues aus der Schweiz

"Solidarität schafft Sicherheit: Referendum für einen freiwilligen zivilen Friedensdienst" Die "Gruppe Schweiz ohne Armee" - eine der BSV-Trägerorganisationen - hat 1998 eine Initiative gestartet, die mittlerweile die Schweizer Regierung beschäftigt und im Herbst 2001 oder im Frühjahr 2002 in einem Referendum der Bevölkerung vorgelegt wird. Es geht den rund 30 Organisationen der Interessengemeinschaft Ziviler Friedensdienst darum, den ZFD in der Verfassung zu verankern. Wer zur internationalen Unterstützung beitragen möchte, ist willkommen. e-mail: gsoa(at)gsoa.chDiese E-Mail Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

 

Pazifistische Perspektiven und Handlungsansätze

Helga Tempel

Ausgangspunkt ist die politisch-gesellschaftliche Analyse mit dem Ergebnis: Unsere Gesellschaft enthält ein Übermaß an kultureller, vor allem aber struktureller und auch personaler Gewalt. Es bedarf einer kräftigen Gegenbewegung von unten und zugleich konstruktiver Ansätze und der Entwicklung von Visionen zur Umgestaltung und zur Förderung einer anderen, weitgehend gewaltlosen Politik.

Pazifistische Perspektiven und Handlungsansätze für derartige Bemühungen sehe ich in sechs Feldern, die sich gegenseitig ergänzen und fördern, ja auch bedingen.

Ich verstehe diese sechs Felder als Sektoren eines Kreises, in dessen Mitte als Zielvorstellung eine gerechte und gewaltarme Gesellschaft steht, in der die Rechte aller Menschen geachtet werden.

Sektor: Abbau struktureller und kultureller Gewalt in Form von Benachteiligung, Ausbeutung, Unterdrückung, Ausgrenzung, Diffamierung, Bedrohung Arbeit für die Gleichberechtigung z.B. von Frauen oder Behinderten, zum Schutz von Kindern, gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus, gegen Ausbeutung von Arbeitskräften und ungerechte Wirtschaftstrukturen, allgemein: Menschenrechts-Arbeit.

Methoden: Aufklärung, Information, Waren- oder Firmenboykott, Aufbau von unabhängigen oder Gegen-Strukturen z.B. Eine-Welt-Läden, Transfair-Handel, Stärkung der Vertretungsrechte (z.B. Betriebsrat, Beiräte in Institutionen), Bemühungen um Chancengleichheit, Soziale Verteidigung, aber auch Entwicklungszusammenarbeit und Ziviler Friedensdienst.

Sektor: Widerstand gegen offene, personale und direkte Gewalt, wie sie vom Militär, von Waffenlagern und Rüstungsdepots, von Transport und Lagerung nuklearen Abfalls, aber auch von unkontrollierten Ordnungsorganen (siehe Abschiebung an den Flughäfen) gestützt auf entsprechende Gesetze - ausgehen wird, besonders wenn dadurch Menschen in ihrer Würde oder körperlichen und psychischen Integrität verletzt werden oder sich bedroht fühlen.

Methoden: Gegeninformation, Protest, Demonstrationen, Aufrufe zur Verweigerung/Boykott, Steuerverweigerung, Aktionen Zivilen Ungehorsams, Blockaden.....

Sektor: Bewusstseinsbildung und Verbreitung der Idee der Gewaltfreiheit in der Gesellschaft insgesamt wie in bestimmten Zielgruppen; šberwindung der Fixierung auf Gewalt als "ultima ratio"; Anti-Militarismus-Arbeit im weitesten Sinn.

Methoden: Verbreitung von Literatur und Informationen, Einübung gewaltfreien Verhaltens, Entwicklung von spezifischen und allgemeinen Trainingsprogrammen, Veröffentlichung modellhafter Beispiele gewaltfreien Verhaltens, Curriculare Erweiterungen in Schulen und bei Studiengängen, Einbeziehung der Künste (Guernica, War Requiem), Friedensdienste.

Sektor: Grundlagen gewaltfreien Handelns; Forschung, Bestands-aufnahme, Reflexion, Philosophie und Psychologie zur Verbreitung und zum tieferen Verständnis der Idee, auch zur Profilierung und kritischen Auseinandersetzung, Entwicklung von Visionen zur Umgestaltung der Gesellschaft, Freisetzung von Kreativität und Eigeninitiative.

Methoden: Vorträge und Schrifttum; Austausch in Seminaren und bei Konferenzen; Forschungsvorhaben - auch als Praxisbegleitung; Arbeit zur Klärung von Begriffen und Kontexten; Verbreitung von entsprechenden Ergebnissen und Beispielen - auch übers Internet; Impulse über Kunst und Literatur.

Sektor: Gewaltfreie Konfliktaustragung von der Basis her bis in die mittlere Ebene und entsprechende Befähigung vor allem von Multiplikatoren; Gewaltprävention - Gewaltminderung - Konfliktnachsorge; Aufzeigen von Alternativen"Wege aus der Gewalt".

Methoden: gezielte Trainings, Maánahmen zum Empowerment; Konfliktanalyse: Verbreitung von Kenntnissen über Formen gewaltfreier Konflikttransformation, modellartiges Handeln, Programme wie "Wege aus der Gewalt" , Unterstützung entsprechender Ansätze in Konfliktgebieten, Ziviler Friedensdienst / Friedensfachdienste / Lerndienste

Sektor: Soziale Modelle gewaltfreien Lebens und des achtsamen Umgangs mit der Umwelt sowie mit anderen Menschen; aktive Anwaltschaft für Ausgegrenzte und Benachteiligte; Verbindung von gelebter Spiritualität und politischer Teilhabe

Methoden: Leben in Kommunitäten und verschiedenen Arten von Gemeinschaften (Laurentiuskonvent, Bruderhöfe, Arche, Brot und Rosen... Hofgemeinschaften); bewusst und beispielhaft; kontrolliertes Konsumverhalten, ökologisches Verhalten; bewusste Ernährung; Schutz und Obdach für Schwache; Einbezug spiritueller Lebenshaltung

Keiner der sechs Bereiche allein kann Antworten geben auf die Herausforderungen, denen wir uns gegenübersehen; nur im gegenseitigen Zusammenwirken kann die "Zukunftsaufgabe Pazifismus" gemeistert werden.

Gestattet mir noch zwei Schlussbemerkungen:

1. Wo auch immer wir beginnen mit unserer Arbeit für weniger Gewalt und mehr Gerechtigkeit - wir können unser Ziel nicht "mit links" und so quasi nebenbei oder von heut auf morgen erreichen. Wir brauchen eine Vision, die uns trägt, Erfahrungen, die uns Mut machen, und den berühmten langen Atem. Ebenso, wie ich nicht "ein bisschen schwanger" sein kann, kann ich auch nicht auf Dauer "ein bisschen gewaltfrei" sein. Gewaltfreiheit und was dahinter steht kann unser ganzes Leben umfassen, nicht als Einstieg - der wäre zu hoch gesetzt für die meisten Menschen - aber als Ergebnis einer intensiven Beschäftigung mit dieser zukunftsweisenden Idee.

Allerdings habe ich 2. die Erfahrung gemacht, dass in den verschiedenen Phasen meines Lebens - vielleicht auch abhängig vom Alter - unterschiedliche Schwerpunkte angesagt waren, dass mir neue Kraft aus dem Engagement auf einem neuen Sektor erwuchs. Ich merkte, dass neue Prioritäten mich kreativ hielten und vor Verkrustungen bewahrten - und ich verstehe nicht, wieso langjährige Weggefährten denen quasi "Verrat" vorwerfen, die ihre Piroritäten nicht ein Leben lang nur im Training oder beim direkten Widerstand sehen, sondern z.B. in der Förderung konstruktiver Wege aus der Gewalt, und dabei auch ihre Position zum Staat womöglich graduell verändern.

Ich sehe jedenfalls in der Vielfalt der Möglichkeiten auf dem Feld der Gewaltfreiheit je nach den inidividuellen Möglichkeiten eine wichtige Chance für unsere Lebendigkeit und unsere šberzeugungskraft.

Auf die Herausforderungen, denen wir uns gegenübersehen, kann keiner der sechs Bereiche allein Antworten geben; nach meiner Einschätzung kann nur im wechselseitigen Zusammenwirken der verschiedenen Ansätze die "Zukunftsaufgabe Pazifismus" gemeistert werden."

 

Wichtig:BSV braucht neuen Mailverteiler

Keine Angst: der Rundbrief wird bleiben! Aber für aktuelle Ereignisse kommt eine Quartalszeitschrift manchmal zu spät. Außerdem ist der Platz schon aus finanziellen Gründen beschränkt, viele interessante und wichtige Informationen können nicht abgedruckt werden. Viele Veranstaltungshinweise wären bei der Drucklegung schon veraltet. Wir wollen aber unsere Mitgliedern und FreundInnen mehr als bisher in unsere Arbeit miteinbeziehen, sie informieren, Ihre Erfahrungen nutzen. Wie? Wir bauen einen Mailverteiler auf: Teilt uns Eure Email-Adresse mit - und Ihr erhaltet unsere Infos ohne Zeitverzug! Mittelfristig denken wir an die Herausgabe eines "Newsletter", wie ihn andere Friedensorganisationen auch haben. Darin sollen enthalten sein:

  • Presseerklärungen, die sich auch gut als "Textbausteine" in Flugblättern verwenden lassen

  • Veranstaltungshinweise

  • Hintergrundartikel.

Für Euch heißt das also: Mehr und aktuellere Information. Für uns: Nur unwesentlich mehr Arbeit, keine zusätzlichen Portokosten.. Und so geht es: Schickt bitte eine Mail an:

Soziale_Verteidigung@t-online,

Betreff: "Verteiler"

Im Text: Name, Adresse

Selbstverständlich:

  • Werden wir keine Adressen weitergeben, auch an keine Friedensorganisation. Unsere Mails werden "BCC" versandt, d.h., niemand sieht, wer sie sonst noch bekommt.

  • Kann man jederzeit die Adresse wieder streichen lassen

  • Gibt es weiterhin den Rundbrief und "postalische" Briefe.

Wir sind auf Eure "Rückmeldung" gespannt!

Birgitta Meier

 

Das Institut für Friedensarbeit und Gewaltfreie Konfliktaustragung IFGK stellt im Rahmen seiner Reihe "Studien zur Gewaltfreiheit" eine neue Veröffentlichung vor:

Gemeinwesen gegen Gewaltkriminalität

Mit gewaltfreien Mitteln Gewaltkriminalität stoppen - ein aussichtsloses Unterfangen? Das Buch "Gemeinwesen gegen Gewaltkriminalität" zeigt, dass dies möglich ist. Mehr noch: Es wird konkret aufgezeigt, wie es geht und wie wirksam ein solcher Weg sein kann, wenn er konsequent umgesetzt wird.
Uwe Painke beschreibt ein Projekt in den USA, bei dem ehemalige MitarbeiterInnen Martin Luther Kings einen lebensgefährlichen Stadtteil wieder sicher und lebenswert machten. Zugleich zeigt der Autor deutlich die Grenzen rein polizeilicher Kriminalitätsbekämpfung auf: Der Versuch, Gewalt mit Gewaltmitteln zu bekämpfen, ist auf lange Sicht unwirksam. Denn auf diesem Weg werden mehr Gewaltstrukturen reproduziert und sogar neue Gewaltformen geschaffen, als wirksam eingedämmt werden können. Wer daher glaubt, dass der heutigen Gewaltkriminalität nur mit den Gewaltmitteln von "Law-and-order"-Strategien Einhalt geboten werden könne, irrt sich. Es gibt ein wesentlich mächtigeres Instrument, um diesem Problem zu begegnen.
Dieses Mittel ist der Aufbau lebendiger sozialer Beziehungen zwischen den Menschen im Stadtteil. In diesem Prozess entsteht eine Macht, die in der menschlichen Geschichte meist dann zugegen ist, wenn die Gestaltung der Gesellschaft gelingt und Menschlichkeit zum Zuge kommt: Es entsteht Solidarität, die auf solche tragfähigen sozialen Strukturen angewiesen ist.
Der vorliegende Band "Gemeinwesen gegen Gewaltkriminalität" aus der Reihe "Studien zur Gewaltfreiheit" beschreibt anschaulich, wie diese umgestaltende Macht selbst unter schwierigsten Bedingungen großstädtischer Gewaltkriminalität ganze Stadtteile durchdringen und sie nachhaltig verändern kann. Er schildert an praktischen Beispielen, wie selbst in stattfindende Gewaltverbrechen - z.B. Überfälle und Vergewaltigungen - erfolgreich interveniert werden kann. Und er zeigt Ansätze und erste Schritte auf, wie diese Konzepte aus USA auch in Deutschland wirksam werden können.

Das nächste Treffen des IFGK vom 16. bis 18. 11. 2001 (Freitag 18 Uhr -Sonntag 13 Uhr) in Köln wird eine Strategie-Tagung mit dem Thema: Wie wollen wir das IFGK weiter entwickeln? sein. Ein weiterer Studientag ist für das Wochenende 1.-3. März 2002 geplant. Kontakt: Barbara Müller, Hauptstr. 35, 55491 Wahlenau, Tel. 06543/980096, e-mail: BMuellerIFGK(at)aol.com.Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
Wir würden uns über zahlreiche Neugierige ebenso freuen wie über neue Fördermitglieder.

 

Ziviler Friedensdienst aktuell

Seit 1999 wird die Arbeit von Friedensfachkräften im Rahmen des zivilen Friedensdienstes aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert. Mit Beginn des Jahres 2000 wurden die ersten Projekte des forumZFD und seiner Mitgliederorganisationen in die Förderung des ZFD-Programms des BMZ aufgenommen. Zwischenzeitlich wurden weitere Kooperationen und Projekte entwickelt. Ende April 2001 wurden vom forumZFD und seiner Mitgliederorganisationen folgende Projekte durchgeführt:

Land bzw. Region Friedensfachkräfte (Kooperationspartner)

Arbeitsfelder

Anzahl

Bosnien/Zenica (Pax Christi Dt. Sektion)

Versöhnungsarbeit Flüchtlingsarbeit

1

Herzegovina/Caplijina

Beratung lokaler Nichtregierungsorganisationen

2

Jugoslawien/Belgard (Ohne Rüstung Leben)

Traumaarbeit
Trainings, Bewusstseinsbildung

1
1

Kosovo/Prizren

Traumaarbeit
Versöhnungsarbeit, Trainings

1
1

Kosovo/Benkovac(Pax Christi Bistumsstellen)

Versöhnungsarbeit Flüchtlingsarbeit

3

Palästina/Jerusalem (Förderverein Willy Brand Zentrum)

Deeskalation

1

forum zfd, Wesselstr. 12, 53113 Bonn, Versöhnungsarbeit 0228/9814515, forumzfd(at)t-online.deDiese E-Mail Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

Für die Verstärkung des Teams im Kosovo, sowie für neue Projekte im Bereich Gewaltprävention in Montenegro und Mazedonien befinden sich insgesamt vier weitere Fachkräfte in der Vorbereitung. Ihre Ausreise ist bis spätestens Sommer diesen Jahres vorgesehen. Für je einen Projektplatz in Kosovo und in Montenegro sucht das forumZFD derzeit noch geeignetes Personal.

Stefan Willmutz

Geschäftsführer forum ZFD

 

Das Balkan Peace Team stellt seine Arbeit ein

 

- aber gewaltfreie Interventionen

 

bleiben Thema im BSV

Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung Ende März haben die Mitgliedsorganisationen des Balkan Peace Team beschlossen, die Arbeit des BPT auf dem Balkan einzustellen und den Verein aufzulösen.
Diese Entscheidung beruht auf der Einschätzung, dass, aus vielerlei Gründen, die Ressourcen des BPT und seine organisatorische Struktur nicht fähig sind, den Anforderungen der gegenwärtigen Situation gerecht zu werden.
Viele Mitgliedsorganisationen werden jedoch ihre Arbeit für Frieden und Gerechtigkeit fortsetzen, auch speziell auf dem Balkan. Besonders die französische Organisation EPB (Equipe de Paix dans les Balkans - deutsch "Balkan Peace Team") wird ihr Engagement in Kosovo/a weiterführen.
Das jüngste Projekt des BPT, das Dragasch-Jugendzentrum in Kosovo/a, wird jetzt übergangsweise einer anderen Organisation in der Region übergeben. Es ist vorgesehen, dass es letztendlich in die Hände der lokalen Gemeinschaft gelegt werden soll. Als Teil des Schließungsprozesses wird das BPT eine Evaluierung des Gesamtprojektes durchführen. Sie wird in einem Treffen münden, das im Herbst 2001 stattfinden wird. Nähere Infos auf der homepage: www.balkanpeaceteam.org

Höhepunkte der Arbeit des BPT Diese Entscheidung, das Projekt zu schließen, entwertet nicht, was das BPT über die Jahre erreicht hat. Die Zeit, Energie und finanziellen Ressourcen, die von den UnterstützerInnen und Freiwilligen des BPT zur Verfügung gestellt wurden, haben zu einer Reihe wichtiger Entwicklungen geführt. Seit 1994 unterstützte das Balkan Peace Team lokale AktivistInnen in Kroatien, Serbien und Kosovo/a, die dort für Wandel in den Bereichen der Menschenrechte, Frieden und Dialog zwischen den Gemeinschaften eintraten. Es ist eine inspirierende Erfahrung gewesen, mit vielen lokalen Gruppen und Organisationen zusammenzuarbeiten, die in schwierigen Situationen tätig waren. Wir wurden durch die Erkenntnisse bereichert, die aus dieser Erfahrung stammen, und werden fortfahren, die Arbeit dieser Gruppen zu begleiten und neue Wege zu finden, sie zu unterstützen. Das Projekt bedeutete auch die Kooperation von mehr als zehn unabhängigen Friedensorganisationen aus vielen verschiedenen Ländern, einschließlich vier internationaler Organisationen mit weltweiten Netzwerken. Diese Gruppen haben gemeinsam diese Arbeit im Feld in einer Konfliktsituation koordiniert und organisiert. Die Jahre unserer Arbeit stellen eine wertvolle Erfahrung für zukünftige Projekte der gewaltfreien Intervention auf der Graswurzelebene dar und wir möchten an diese Stelle unseren Partnern ausdrücklich für die fruchtbare Zusammenarbeit danken.

    • "Otvorene Oci" Teammitglieder waren beinahe die ersten Internationalen, die die ehemalige Krajina nach ihrer Rückeroberung durch das kroatische Militär betraten. Durch ihre Anwesenheit gaben sie jenen Serben, die nicht geflohen waren, Unterstützung und in manchen Fällen auch Schutz.
    • Die Förderung von Dialog zwischen Friedensgruppen und StudentInnen-Gruppen aus Belgrad und Prishtina in der Zeit, bevor 1998 der Konflikt im Kosovo in Gewalt umschlug. Einige der Kontakte, die in dieser Zeit geknüpft wurden, haben den Krieg überdauert.
    • Die Gründung des Jugendzentrums in Dragash, das das einzige Jugendzentrum in Kosovo/a mit einem interethnischen Ansatz sein dürfte.

Zukunftspläne des BSV
Der Bund für Soziale Verteidigung will sich weiter für gewaltfreie Konfliktbearbeitung in internationalen Konflikten einsetzen. Denn auch wenn das BPT zu Ende ist - gewaltfreies Eingreifen in Konflikte und Kriege bleibt für den BSV ein wichtiges Thema. In diesem Jahr soll vorrangig geprüft worden, ob es Bedarf und Möglichkeiten präventiver Arbeit im südosteuropäischen Raum gibt - zum Beispiel werden entsprechende Erkundungen in Südosteuropa (z.B. Montenegro) überlegt. Alternativ ist auch an Möglichkeiten des Engagements in der Kaukasusregion gedacht, wo allerdings ein längerer Vorlauf nötig sein dürfte, da diese Region für uns 'Neuland' ist. Hier machen wir den ersten Schritt mit einer Tagung zum Kaukasus, die im kommenden Herbst stattfinden wird (siehe Ankündigung Seite 3).

Ob dies am Ende auf ein neues Projekt des Zivilen Friedensdienstes mit der Entsendung von Fachkräften hinausläuft oder ob andere Formen der Konfliktintervention angemessener erscheinen, soll gegen Ende dieses Jahres im Bundesausschuss des BSV zusammen mit den Trägerorganisationen des BSV entschieden werden. Ziel ist in jedem Fall, ein solches Projekt nicht allein, sondern wieder im Verbund mit europäischen Partnerorganisationen durchzuführen.

Christine Schweitzer

Bitte um Spenden

Die notwendigen Erkundungen, die einer Entscheidungsfindung über ein neues Projekt des gewaltfreien Eingreifens vorweggehen, kosten Geld. Geld, das in unserem Haushaltsplan für dieses Jahr so nicht vorgesehen war. Um diese Arbeit trotzdem leisten zu können, sind wir dringend auf zusätzliche Spenden angewiesen, damit wir nicht (wieder) in ein Finanzloch geraten.

 

Das eigene Leben im Bild eines Baumes

Ziemlich knorrig stelle ich mir meinen Baum vor, mit mehrfach gekrümmtem Stamm, vielen dicken ausladenden Ästen und sattem Blattwerk - meistens jedenfalls, er kennt aber auch Herbst- und Winterzeiten.
Woher die Krümmungen? Das Bäumchen hatte einen schwierigen Start. Häufiges Umpflanzen haben das Wachstum behindert. Ein vernarbter Knick lässt sich genau datieren: In der erstickenden Atmosphäre des Säbelrasselns während der Golfkrise vor gut zehn Jahren wäre der Baum fast gebrochen, wenn nicht ein kräftiger Ast gewachsen wäre und wieder eine Balance hergestellt hätte. Inzwischen hat sich dieser Ast vielfach weiterverzweigt und ist fast zu einem Nebenstamm geworden. Seine Früchte sind ganzheitlicher Friede, Shalom, Gewaltfreiheit, konstruktiver Konfliktlösung, Mediation, usw.
Mit dem Schalom will ich beginnen. Während ich in Irland und England mein Friedens- und Konfliktstudium machte, hatte sich der Verein Ökumenische Dienste gegründet, mit dem Ziel Menschen im Rahmen der Kirchen zu kompetenter Friedensarbeit (‚Schalomdiakonat') auszubilden. An der Entwicklung eines Ausbildungskonzeptes konnte ich mich ebenso beteiligen wie an der Leitung etlicher Kurse, die wir teils berufsbegleitend, teils über drei Monate 'en bloc' anboten. Wichtig war uns dabei eine gute Balance zwischen Studieneinheiten und Übungsphasen, in denen auch das eigene Verhalten reflektiert wird. Besonders in den Kompaktkursen zeigte sich, dass das Leben in der Gruppe allein schon ein gutes Lernfeld war - auch für die Tutoren!
Ein dichtbewachsener Ast würde PAG heißen. Das steht für ‚Projekt Alternativen zur Gewalt' und ist ein Trainingskonzept, das im Gefängnis für Gefängnisse entwickelt wurde.
Besonders interessant geformt ist der Ast, der Auslandseinsätze trägt. Der Teil mit den Friedensbeobachtungen in Südafrika liegt schon etwas zurück, ebenso ein Besuch in Burundi und Ruanda. Aktueller ist "Sierra Leone". Friedensseminare in einem Land, das den Bürgerkrieg eigentlich noch gar nicht überwunden hatte - was ist da möglich? Gudrun Tappe-Freitag hat mich begleitet. Wir haben uns zusammen umgeschaut und umgehört und schließlich Kurse in kleiner Runde angeboten, in dem Wissen und Papier eine höchst untergeordnete Rolle spielten (anders als offensichtlich dort üblich). Reflexion der eigenen Situation schien uns wichtig, um von dort aus Veränderungen anzusetzen.
Zum Schluss möchte ich Euch aber noch etwas zu den Wurzel erzählen, die diesen Baum nähren. Sie sind stark in meinem Quäkertum gegründet, in dem Glauben an Gott in jedem Menschen, wenn es manchmal auch verschüttet ist. Auch ziehen sie Kraft aus Begegnungen mit alten Menschen, und kleinen Kindern, die uns mit ihrem unbefangenen Umgang mit den Freuden und Misslichkeiten des Lebens so viel lehren können.

Ute Caspers

 

"Zivile Visionen
für das 21. Jahrhundert - Militär und Rüstung
abschaffen, Konflikte gewaltfrei austragen."

Das könnte das Motto eines internationalen Kongresses sein, der uns schon seit mehreren Jahren vorschwebt. Wir möchten die Diskussion um Alternativen zur militärischen Gewalt wieder aufnehmen - gehört sie doch zum Kern dessen, was den BSV ausmachte und ins Leben rief. Erfahrungen mit gewaltfreiem Widerstand und die Konzepte für eine soziale Verteidigung sind dabei die Grundlagen, und wir fragen uns, welche Antworten sie auf neue Herausforderungen geben können.

Natürlich steht diese Frage im Widerspruch zur gängigen und herrschenden Meinung, dass Militär "dazu" gehört. Nicht zuletzt deswegen, so glauben wir, haben wir in den letzten Jahren für größere Aktivitäten in diesem Bereich keine Finanzierungsquellen auftun können: Gegen den Strom zu schwimmen zahlt sich nie aus. Wir wollen dennoch an diesem Thema dranbleiben, können diese begrenzte Aufgabe aber nicht ohne die Mitwirkung von zwei oder drei weiteren Interessierten bewältigen.

    • Wer von Euch hat Lust, mitzumachen?
    • Darüber hinaus sind uns Anregungen und Rückmeldungen sehr willkommen, wie wir mit dem Thema umgehen können und aus dieser Sackgasse herauskommen können.

Bitte ruft uns in der Geschäftsstelle an - wir freuen uns über jede Reaktion!

Barbara Müller