RB 002

SOZIALE

VERTEIDIGUNG

Konflikte gewaltfrei austragen - Militär und Rüstung abschaffen

Rundbrief 2/2000 des BSV

Redaktion Peter Betz

Schwarzer Weg 8, 32423 Minden (Herausgeber)

V.i.S.d.P. Konrad Tempel

Kostenlos Auflage: 6.500

Druck: ART & IMAGE, Minden

Tel. 0571/29456 Fax 0571/23019

Erscheinungsweise: vierteljährlich

SPK Mi-Lü, BLZ 49050101, Nr. 89420814  

Redaktionsschluß für 3/01, August 2001

E-Mail: info(at)soziale-verteidigung.deDiese E-Mail Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

Internet:http://www.soziale-verteidigung.de

Liebe Leserin, lieber Leser!

Wir laden Sie in diesem Heft ein, mit uns einen Bogen zu schlagen von der praktischen Arbeit mit unseren Kursen auf der Seite 2, hin zu der sehr aktuellen Diskussion über die Militärkritik auf den Seiten 4 und 5. Zusätzlich haben wir Eike Dechow gebeten, uns allen mal vor Augen zu führen, wie langfristig die Arbeit in solch einem Friedensverein wie dem BSV denn sein sollte/müsste. Er hat daraus eine farbige Beilage mit einem sehr persönlichen Aufruf gemacht. Sie können diese farbige Beilage im BSV-Büro kostenlos bestellen.

Peter Betz

Inhalt
Wege aus der Gewalt/Bildung
Rückblick Jahrestagung 2000
Militärkritik
Ziviler Friedensdienst/IFGK
Balkan Peace Team
Rückmeldungen/Ankündigung


Zwei Ministerien reagieren auf dringende BSV - Anfrage

Neben der Schweizer Medienhilfe und dem Bundestags-Abgeordneten Winni Nachtwei, der BSV-Mitglied ist, haben u. a. Botschafter Dr. Schaefer vom Auswärtigen Amt und die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Frau Wieczorek-Zeul, auf drei Fragen des BSV geantwortet.

Die Fragen beziehen sich auf die Einschätzung einer möglichen krisenhaften Eskalation in Montenegro (südliche Teilrepublik Jugoslawiens) und lauten:

1. Arbeiten Sie an dem Thema Montenegro?
2. Falls ja, welches ist Ihre Konfliktanalyse?
3. Welche Vorschläge in bezug auf Kriegsprävention haben Sie entwickelt?

Die Ergebnisse dieser Anfrage, die Anfang März an 40 Institutionen gegangen ist, hat der BSV in dem neuen Hintergrund- und Diskussionspapier Nr. 6 zusammengefaßt und durch eigene Vorschläge ergänzt.

Es heißt in dem 18seitigen Heft „Montenegro: Fall einer verhinderten Kriegs-Prävention?": „Über das dringende Interesse hinaus, zu einer friedlichen Entwicklung in Montenegro und Serbien beizutragen, verstehen wir dieses Papier auch als einen Beitrag zur Diskussion über ‚Early Warning' und ‚Early Action' und ihre Dilemmata. Wir möchten alle Leserinnen und Leser bitten, uns Kommentare, Anregungen und weitere Vorschläge zukommen zu lassen." Sofern sich dadurch ein neuer Informationsstand ergibt, soll baldmöglichst eine Neuauflage erfolgen. Die instruktive Arbeit ist für 3,- DM (plus Porto) in Minden erhältlich.

Seit Januar 1999 veröffentlichen wir solche Hintergrund- und Diskussionspapiere und haben viele positive Rückmeldungen dafür erhalten:

Nr. 1 „Der Kosovo-Konflikt: Wie geht es weiter?" (Christine Schweitzer) 1/99, 3,- DM; Nr. 2 „10 Jahre BSV: Beiträge zum Rück- und Ausblick" (Anne Dietrich u.a.), 2/99, 3,- DM; Nr. 3 „Kurzdokumentation des Mindener Projektes: Kreative Konfliktbearbeitung im kommunalen Zusammenhang" (Detlef Beck) 8/99, 3,- DM; Nr. 4 „Auf dem Weg ins freundliche Klassenzimmer / Dokumentation eines Projektes zur gewaltfreien Konfliktaustragung an der Luther-Grundschule in Brühl" (Detlef Beck), 9/99, 25,- DM; Nr. 5 „Soziale Gerechtigkeit statt ‚Innerer Sicherheit'-Alternativen zur Aufrüstung der Gesellschaft". Dokumentation einer Tagung von Versöhnungsbund und BSV, 2/00, 12,- DM. Lust auf mehr?

Lust auf mehr?

Neue 4-seitige Info-Blätter befassen sich mit folgenden politischen Themen: Zivile Konfliktbearbeitung, Gewaltfreie Intervention, Soziale Verteidigung, Balkan Peace Team, Qualifizierung für Friedensfachdienst. Diese Informationen eignen sich zur Weitergabe bei politischen Veranstaltungen und an interessierte Bekannte und können - in neuer grafischer Gestaltung - unseren Ideen neuen Schwung geben. Bitte bei Bedarf (Büchertisch, o.ä.). im BSV-Büro kostenlos bestellen. Wir sind sicher, dass alle, die unsere Aktivitäten mittragen und fördern, sich über die neuen Möglichkeiten freuen und bei Bedarf die anregenden Unterlagen anfordern. Anruf genügt.

Auch solche Publikations-Reihen sind nicht zum Null-Tarif machbar. Helft Ihr uns bitte mit kräftigen Spenden, auf diesem Weg weiterzugehen? Unser Konto muss dringend wieder aufgefüllt werden, da die finanziellen Reaktionen auf unseren Oster-Brief geringer waren, als wir einkalkuliert hatten. Habt vielen Dank für Eure solidarische Hilfe!

Konrad Tempel


Wege aus der Gewalt

Aus- und Weiterbildung für ehrenamtliche GruppenleiterInnen in der Jugendarbeit: „Wege aus der Gewalt und Konstruktiven Konfliktlösungen auf der Spur"

Vom 2. bis 6. Oktober 2000 führt der Bund für Soziale Verteidigung in Koope- ration mit der Stiftung Mitarbeit in der Evangelischen Akademie Loccum ein Pilotprojekt zur Aus- und Weiterbildung für ehrenamtliche GruppenleiterInnen in der Jugendarbeit durch. Die Aus- und Weiterbildung wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

In der fünftägigen Aus- und Weiterbildung werden den TeilnehmerInnen aus verschiedenen Bereichen der ehrenamtlichen Jugendarbeit die notwendigen Kompetenzen vermittelt, einen dreistündigen Workshop und ein eintägiges Seminar zum Thema „Wege aus der Gewalt" und „Konstruktiven Konfliktlösungen auf der Spur" zu leiten und durchzuführen.

Die Ausbildung ist erfahrungsorientiert angelegt und enthält viele Übungen und Rollenspiele. Im Laufe der Woche werden die TeilnehmerInnen Gelegenheit haben, die verschiedenen Elemente und Teile des Workshops und Tagesseminars als TrainerIn unter Anleitung, Begleitung und anschließender Auswertung der Seminarleitung durchzuführen.

Zielgruppe der Aus- und Weiterbildung sind Menschen, die in der kommunalen und/oder kirchlichen Jugendarbeit, in Nachbarschaftsgruppen und Bürgerinitiativen, in Sport-, Freizeit- und anderen Vereinen engagiert sind.

Inhalte der Aus- und Weiterbildung

    • Grundlagen von Trainingsarbeit
    • Grundlinien gewaltfreier und konstruktiver Konfliktaustragung, Vermittlung der Idee der konstruktiven Konfliktlösung, Reflexion des eigenen Konfliktverhaltens
    • Vermittlung und selbständige Durchführung von Übungen und Rollenspielen zur Entwicklung situationsgerechter und kreativer Verhaltensweisen in Diskriminierungs-, Bedrohungs- oder Gewaltsituationen (Inhalte eines dreistündigen Workshops)
    • Vermittlung und selbständige Durchführung der Trainingseinheiten zum Thema der konstruktiven Konfliktbearbeitung (Inhalte eines Tagesseminars)
    • Grenzen ehrenamtlicher Trainingsarbeit
    • Alle TeilnehmerInnen erhalten ein Trainingshandbuch, das detailliert das Konzept des dreistündigen Workshops, des eintägigen Seminars, die Trainingseinheiten und notwendigen Trainingsmaterialien enthält bzw. beschreibt. TrainerInnen der Aus- und Weiterbildungswoche sind Heike Blum und Detlef Beck, die beide über jahrelange Trainingserfahrung verfügen.

Anmeldungen ab sofort möglich

Wegen der begrenzten Teilnahmeplätze und der bundesweiten Ausschreibung für dieses Seminar ist es sinnvoll, so bald als möglich sich für die Teilnahme an diesem Projekt anzumelden: 0571- 29456.

Die Daten des Projektes:

Beginn Montag, 2. 10. 2000, 11.00 Uhr, Ende Freitag, 6. 10. 2000, 15.30 Uhr
Tagungsort: Evangelische Akademie Loccum in Rehburg-Loccum (Nähe Minden - Hannover)
Kosten: Teilnahmebeitrag: 200,-DM / 120,-DM (ermäßigt) (incl. Unterkunft und Verpflegung)

Ausbildung zur/zum TrainerIn in Gewaltfreiheit und kreativer Konfliktlösung

    • Grundlagen der gewaltfreien und konstruktiven Konfliktlösung
    • Grundlinien gewaltfreier und konstruktiver Konfliktaustragung
    • Reflexion des eigenen bevorzugten Verhaltens in Konflikten
    • Aufbau und Struktur von Trainings in Gewaltfreiheit und kreativer Konfliktlösung
    • Vermittlung von Methoden der konstruktiven Konfliktbearbeitung

Termin: Montag 19. 6 2000, 9.00 Uhr, bis Freitag 23.6.2000, 15.00 Uhr
Tagunsort: Friedensdorf Oberhausen in Dinslaken, Landerstr. 21,
Kosten: 520,- DM (incl. Übernachtung + Verpflegung) Anmeldungen bei Detlef Beck, BSV, Schwarzer Weg 8, 32423 Minden, Tel: 0571-29456, Fax: 0571-23019, e-mail: info(at)soziale-verteidigung.deDiese E-Mail Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

Fordern Sie auch unsere aktuelle Trainingsliste an. Hier versuchen wir einen breiten Überblick über die verschiedenen Angebote und Anbieter gewaltfreier Trainings zu geben.

Publikationen

Weiterbildung

Hintergrund- und Diskussionspapier Nr. 4: Beck, D., Auf dem Weg ins freundliche Klassenzimmer: Dokumentation eines Projektes zur gewaltfreien Konfliktaustragung an der Martin-Luther-Grundschule in Brühl, September 1999, 132 Seiten, Kosten 25,-DM + Porto

In dieser ausführlichen Dokumentation eines Projektes in einer 4. Grundschulklasse finden sich die Beschreibung der zentralen Projektelemente, die Erläuterung der zugrundeliegenden pädagogischen Konzeption gewaltfreier und konstruktiver Konfliktaustragung, Stundenablaufprotokolle und die damit gemachten Erfahrungen, sowie ein ausführlicher Methodenteil.

Kleiner Leitfaden für Eltern:

„Streitschlichtungspromme für SchülerInnen und Schüler initiieren", dies ist ein Faltblatt zum Versenden und Verteilen, dass kostenlos beim BSV angefordert werden kann.

Christoph Besemer: Konflikte verstehen und lösen lernen

In dieser Neuerscheinung erweitert der Autor das Modell der konstruktiven Konfliktlösungen (win/win-Lösungen) um den Aspekt der Macht. In einem ersten Schritt werden werden die Auswirkungen verschiedener Machtkonstellationen auf den Konfliktverlauf dargestellt. In einem zweiten Schritt geht es dann um destruktive und konstruktive Handlungsmöglichkeiten in den jeweiligen Konfliktlagen, Kosten: 17,-DM + Versandporto

Restauflage: Beck, D. / Müller, B. / Painke, U.: Gewaltfreie Nachbarschaftshilfe. Kreatives Eingreifen in Gewaltsituationen und gemeinschaftliche Prävention fremdenfeindlicher Übergriffe, 1994, 162 Seiten, statt 24,80 DM nun 5,-DM + Versandporto

Das Buch sagt, wie wir dort, wo wir in der Gesellschaft stehen, etwas tun können gegen Fremdenfeindlichkeit und Gewalt und räumt mit dem Mythos auf, dass „man ja doch nichts machen könne...."

Detlef Beck


Einmütig und kontrovers
Nachdenken auf der Jahrestagung 2000

Einmütig in der grundsätzlichen Position, dass es nötig ist, kraftvoll und mit Phantasie auch künftig für zivile Konfliktbearbeitung zu wirken, aber noch uneinig in der strategischen Frage, inwieweit neuere Bestrebungen für gewaltfreie Interventionen ‚in größerem Maßstab' auch vom BSV vorangetrieben werden sollten - dies ist, auf den Punkt gebracht, das Ergebnis der Jahrestagung 2000 Anfang März in Bonn.

Die 35 TeilnehmerInnen waren auf dem hochgelegenen Venusberg zusammengekommen, während in der Ebene der Karneval auf seinen Höhepunkt zusteuerte. Abgesehen davon, dass unsere rheinischen Freundinnen und Freunde dieses Mal - wenn überhaupt - nur zeitweise dabei sein konnten, ging es bei uns trotzdem sehr konzentriert zu. Uns hielten die spannenden politischen Aspekte in Atem, die sehr präzise in kurzen Vorträgen präsentiert wurden: Christine Schweitzer erläuterte, was unter ‚gewaltfreier Intervention' verstanden wird, während Christian Büttner anhand seiner Forschungen Vorzüge und Grenzen von Klein-Team-Arbeit anhand des Balkan Peace Teams darstellte und Helga Tempel über Grundzüge des neuen Konzepts einer Global Peace Force sprach. Dann berichtete David Grant, unser Gast vom Sekretariat des Internationalen Versöhnungsbunds in den Niederlanden, in sehr persönlicher Weise über seine Annäherung an diese offene Strategiefrage, gab kein engagiertes Plädoyer (wie angekündigt), warf aber eine Reihe wichtiger Fragen auf, die in die weitere Diskussion hineinwirkten.

In den darauf aufbauenden Arbeitsgruppen, deren Themen und Zusammensetzung von den Teilnehmenden bestimmt wurden, folgte dann ein intensives Nachdenken über Teilfragen oder grundsätzliche Aspekte von zivilen Interventionen in größerem Maßstab. Dabei kam auf sehr kreative Weise eine Fülle von Überlegungen und Ideen zutage.

Dies war vor allem dem von Uli Wohland, Heidelberg, moderierten sehr offenen, anregenden Vorgehen zu verdanken, das sich anlehnte an die neue

Open space'-Methode,

die den Beteiligten viel Raum auch für spontanes Wechseln der Gesprächsgruppe gab und die in der Ergebnispräsentation auf das KISS-Prinzip hinauslief: KEEP IT SHORT + SIMPLE.

Gesichtspunkte aus den Gesprächsgruppen:

    • Möglichkeiten nicht nur im Bereich der Prävention, sondern auch in eskalierten, noch nicht durch Gewalt bestimmten Phasen wie auch in ‚heißen' Phasen eines Konflikts
    • Andererseits: Gewaltfreiheit kann Gewalt nicht zwingend verhindern! Darf Druck auf Andersdenkende ausgeübt werden?
    • Gefahr negativer Auswirkungen auf lokale Akteure, die an einer Konflikt-Transformation mitarbeiten, wenn auf Anforderung sehr viele Friedensteams oder eine sehr große internationale Gruppe mitwirken wollen
    • Detaillierte Anwendung auf einen Konflikt in Indonesien / Ressourcenfrage
    • Voraussetzungen für Einsätze: vielfache vorhergehende und flankierende Maßnahmen
    • Menschenrechtsverpflichtung und religiöse Vorstellungen können innere Voraussetzungen für entsprechendes Handeln sein, die politische Rationalität müßte aber im Vordergrund stehen. Kontrovers blieb die Frage, welche Bedeutung die Leidensbereitschaft für die zivilen Akteure hat.
    • Möglichkeiten von älteren Menschen, die finanziell abgesichert sind und im örtlichen oder Gemeinde-Rahmen agieren können, sind noch völlig unausgenutzt, besonders in bezug auf innergesellschaftliche Spannungen (‚Graue Engel')
    • Raus aus der marginalen Nische: Nur ein vorhandenes Produkt kann nachgefragt werden. Deshalb müssen wir der Idee konkrete Gestalt geben mit dem Risiko, dass sich sein Wert nicht herausstellt. Es scheint, als ob es in unseren Reihen eine gedankliche Selbstbeschränkung gebe, die von der bisherigen Ausrichtung auf Klein-Team-Arbeit bestimmt wird. Eine Zweihundertverfachung von BPT-Teams ergibt mehr als 200-fachen Erfolg: es entstehen Synergie-Effekte und vermutlich bereits durch die Ankündigung solcher Vorhaben eine neue Dynamik.

Einzelheiten finden Interessierte in dem Heft ‚Ergebnisse und Materialien zur Jahrestagung', das die Geschäftstelle für die TeilnehmerInnen zusammengestellt hat und das auf Anforderung auch anderen zur Verfügung steht.

Die Studie von Mel Duncan und David Hartsough „International Peace Force", die dieser Tagung zugrunde lag, finden Sie im Internet auf der Seite: nonviolentpeaceforce.org/english.htm

Diese Jahrestagung, die wir nicht als Abschluß, sondern als ersten Schritt der internen Verständigung über diese offene Strategiefrage verstehen, hat uns unsere in Jahren gewachsenen Gewaltfreiheits-Ansprüche bewußt gemacht und viele neue Gesichtspunkte aufgeworfen.

Für mich wurde sehr deutlich, dass es eine Reihe schwerwiegender kritischer Fragen gibt, denen wir uns stellen müssen, dass unsere Mitglieder zugleich von uns erwarten, daß wir das Nachdenken über gewaltfreie Aktivitäten nicht auf eine lineare Fortsetzung des schon immer Gedachten beschränken, sondern uns auch auf neue Wege einlassen, und dass wir alle es für wert halten, uns ebenso kritisch wie intensiv auch mit Konzepten von ‚Interventionen in größerem Maßstab' - wie der Global Peace Force - zu beschäftigen, weil sie über die bisherigen Praktiken von Kleingruppen-Teams hinausgehen und weitere Perspektiven koordinierten und internationalen gewaltfreien Handelns eröffnen.

Konrad Tempel

Neue Herausforderungen

Die Verabschiedung eines neuen Strategiekonzepts durch die Nato im April des vergangenen Jahres setzte in gewisser Weise einen Schluss-Strich unter die vergangene Dekade, die 1989 so hoffnungsvoll begonnen hatte. Das Papier formuliert den Rahmen, in dem im nächsten Jahrzehnt, das wohl mehr mit der Absicht, ein politisches Ziel zu formulieren als eine Realität zu beschreiben zur 'Dekade für eine Kultur des Friedens und der Gewaltfreiheit' getauft wurde, das atlantische Bündnis seine Außen- und Sicherheitspolitik gestalten will.

Mit diesem Strategiekonzept hat sich die Nato nach fast zehnjähriger 'Vorarbeit' endgültig als ein Militärbündnis etabliert, das auch zur Verteidigung der Interessen seiner Mitgliedsstaaten (ohne Beteiligungspflicht der Mitglieder) 'out of area' eingesetzt werden kann und das dafür keine Legitimation durch den UN-Sicherheitsrat benötigt. Mit dem Nato-Einsatz im Kosovo wurde für letzteres schon ein erster Präzedenzfall geschaffen. Die Nato hat sich damit von einem Verteidigungsbündnis (mit Beistandspflicht aller Nato-Mitglieder) zu einem politisch-militärischen Bündnis gewandelt, das für sich beansprucht, "eine unverzichtbare Rolle...bei der Konsolidierung und Bewahrung der positiven Veränderungen der jüngsten Vergangenheit und bei der Reaktion auf gegenwärtige und zukünftige Fragen der Sicherheit" (Zitat aus dem Strategiepapier) zu spielen.

Fünf Elemente der Militärpolitik heute

Fünf Elemente bestimmen vorrangig das Bild der Militärpolitik heute: die Bereitschaft zum weltweiten Eingreifen, die fortgesetzte Drohung mit dem Einsatz von Atomwaffen, die Osterweiterung der Nato, das Verhältnis zwischen den USA und (West-) Europa und die Abkehr von einer Legitimierung von Krieg durch die UN bzw. das Völkerrecht, nachdem zunächst nach 1991 humanitäre Interventione mit völkerrechtlichen Erwägungen gerechtfertigt wurden (Somalia, Bosnien).

1. Nato Strategie

Die neue Strategie der Nato, wie sie auf dem Jubiläumsgipfel zum fünfzigjährigen Bestehen der Allianz 1999 beschlossen wurde, wird mit einer Veränderung der Sicherheitslage begründet. Als Bedrohungen für die Sicherheit der Länder der Nato werden regionale Instabilitäten 'an der Peripherie der Allianz', Proliferation von ABC-Waffen und 'andere allgemeinere Risiken' unterschieden:

"Die Sicherheitsinteressen des Bündnisses können auch durch andere Risiken allgemeinerer Art betroffen sein, einschließlich Akten des Terrorismus, Sabotage und organisierten Verbrechens sowie der Unterbrechung des Flusses wichtiger Ressourcen. Die unkontrollierte Bewegung großer Menschenzahlen, besonders in der Folge bewaffneter Konflikte, kann ebenfalls ein Problem für die Sicherheit und Stabilität des Bündnisses darstellen." (Zitat aus dem Strategiepapier). Mit anderen Worten: Neben den altbekannten Schutz von Rohstoffen und Märkten sind Flüchtlinge und nichtstaatliche Akteure ('Terroristen' und 'organisierte Kriminelle') als mögliche Bedrohungen - 'Risiken' in der heute Sprache der Sicherheitspolitik - getreten, wegen derer ein militärisches Eingreifen denkbar wird.

2. Ersteinsatz Atomwaffen

Die Nato, besonders die USA, ist nicht bereit, auf den Ersteinsatz von Atomwaffen zu verzichten. Dabei gehen sie inzwischen weit über mögliche Einsatzszenarien der Zeit der Ost-West-Konfrontation hinaus: Atomwaffen sollen zumindest nach dem Konzept der USA, die in dieser Frage immer noch ausschlaggebend sind, grundsätzlich auch eingesetzt werden können,

    • um zu verhindern, dass weitere Staaten zu Atommächten werden ('Counter-Proliferation'; die nicht nuklearen Bombenangriffe der USA auf Anlagen im Irak und Sudan fallen in diese Kategorie);
    • gegen Atomwaffen-besitzende nichtstaatliche Akteure (Befreiungsarmeen, Terroristen) und
    • zur Abwehr von Angriffen mit anderen Massenvernichtungswaffen (biologischen, chemischen Waffen) (Militärdoktrin der USA vom 9.2.1996).

Deutlich muss hierbei darauf hingewiesen werden, dass entgegen dem weit verbreiteten Eindruck, dass Nuklearwaffen kein Problem mehr darstellten, trotz ihrer Reduzierung nach 1989 noch genügend Atomwaffen vorhanden sind, um einen nuklearen Holocaust herbeizuführen, käme es zu einem Atomkrieg. Und anstelle von Abrüstung droht eine neue Runde des atomaren und konventionellen Wettrüstens: Allein die US-Regierung hat eine Steigerung ihrer Rüstungsausgaben von 263 auf 319 Milliarden Dollar bis zum Jahr 2005 beschlossen. Unter anderem soll damit ein ABM-System aufgebaut werden (unter Brechung des ABM-Vertrages), eine bescheideneres Nachfolgeprogramm des in den achtziger Jahren berühmt-berüchtigten 'Krieg der Sterne- SDI'-Programms. China, Indien und Pakistan beschleunigen atomare Aufrüstungsprogramme.

Russland steigert trotz seiner enormen Wirtschaftsprobleme seinen Militärhaushalt um 50 % und entwickelte neue Atomraketen (TOPOL-M) mit einer Reichweite von 11.000 km, deren Trägersysteme 1999 erfolgreich getestet wurden. Außerdem drohte es mit der Stationierung taktischer Atomwaffen in Weißrussland, was die Frankfurter Rundschau zu dem Kommentar veranlasste: "Die Russen wenden damit eine Militärdoktrin an, mit der die Nato einst unter umgekehrten Vorzeichen die Massenheere des Warschauer Pakts in Schach hielt."

3. Nato Osterweiterung

Der dritte bestimmende Faktor in der 'Sicherheits'politik ist die Osterweiterung der Nato. Polen, Tschechien und Ungarn wurden 1999 als erste neue Mitglieder aufgenommen, womit die Ostgrenze des ehemals westlichen Bündnisses nahe an Russland herangerückt ist. Für eine zweite Aufnahmerunde sind verschiedene Länder in Ost- und Südosteuropa im Gespräch: die drei baltischen Staaten, die für Russland aus geschichtlichen Gründen und weil sie nicht Unterzeichner des KSE-2-Vertrages sind, besonders problematisch sind, Slowenien, Rumänien, Bulgarien, Mazedonien, Moldawien und evtl. Albanien. Zu weiteren Interessenten zählen seit jüngerem auch Georgien und Aserbaidschan - zwei Kaukasusländer, deren Loslösung aus dem russischen Machtbereich Russland kaum hinnehmen dürfte.

Die militärische Osterweiterung ist besonders bedenklich in Bezug auf das Verhältnis zu Russland, ein Land, dessen Bruttoinlandsprodukt ständig sinkt und von dem manche Beobachter schon annehmen, dass es bald der sog. 'Dritten Welt' zugerechnet werden muss, das aber seine militärische Stärke bewahrt hat.

4. Supermacht USA

Während sich die USA seit dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes als einzige verbliebene Supermacht sehen, wie in einem Pentagon-Papier von 1992 deutlich genug gesagt wurde, ist Europa auf dem besten Wege, seine militärischen Lücken zu den USA zu schließen, um in Zukunft Operationen wie im Jugoslawienkrieg auch ohne Unterstützung der USA durchführen zu können. Der Kosovo-Krieg wurde von den USA auch deshalb geführt, um die Führungsrolle in der Allianz nicht zu verlieren. Er hatte aber den gegenteiligen Effekt. Er führte den westeuropäischen Alliierten vor Augen, wie abhängig sie in bestimmten Bereichen (vor allem Aufklärung, aber auch bestimmten Waffentypen) von den USA waren. Dies hat die Tendenz zum Ausbau der WEU und Militarisierung der EU (Aufbau eigener Krisenreaktionskräfte in einer Stärke von 50-60.000 Mann; Ernennung von Javier Solana gleichzeitig zum Generalsekretär der WEU und Vertreter der 'GASP'-Gemeinsamen Außen und Sicherheitspolitik der EU), die schon seit einigen Jahren deutlich erkennbar waren, deutlich beschleunigt.

5. Beschädigung des Völkerrechts

Einig sind sich Europa und die USA darin, dem UN-Sicherheitsrat kein ernstliches Mitspracherecht in Sicherheitsfragen mehr zuzugestehen. 'Mit den Vereinten Nationen, wenn möglich, ohne die UN, wenn nötig' heißt das neue Motto. Dies bedeutet im Klartext, dass die Großmächte das Recht der Entscheidung über Krieg und Frieden für sich reklamieren und auf eine Legitimierung durch die UN verzichten.

Diese Bereitschaft zur Selbstmandatierung hat die auch von vielen FriedensfreundInnen gehegten Hoffnungen auf die Weiterentwicklung des Völkerrechts stark beschädigt. Sie scheint ein Rückfall in die Zeit vor Gründung der Vereinten Nationen, in den Augen mancher BeobachterInnen sogar vor Gründung des Völkerbundes.

Allerdings könnte man auch die Sichtweise einnehmen, dass dies vielleicht garnicht so verhängnisvoll ist, denn der UN-Sicherheitsrat tat auch, was die mächtigsten Staaten, vor allem die USA, wollten. Jetzt ist zumindest eindeutig erkennbar, wessen Interessen verfolgt werden und viele müßige Diskussionen über den modernen 'gerechten Krieg' erübrigen sich.

Bundeswehrstruktur-Reform

Was die Entwicklungen speziell in Deutschland betrifft, so ist die jetzt viel diskutierte Strukturreform nichts anderes als die Anpassung an die oben beschriebenen Kriegsszenarien der Zukunft. Die interessanteste Frage dabei ist die nach der Zukunft der Wehrpflicht. Die Pläne zur weiteren Verkleinerung der Bundeswehr und die vom Europäischen Gerichtshof erzwungene Öffnung der Bundeswehr für Frauen sollten eigentlich die Abschaffung der Wehrpflicht beinahe zwangsläufig machen - ein Schritt, der in vielen europäischen Ländern in den letzten zehn Jahren schon getan wurde. Das einzige wirkliche Gegenargument aus Sicht der Politik ist sowieso seit längerem der Zivildienst. Hier sprechen die knappen öffentlichen Kassen für die Beibehaltung der Wehrpflicht und hier nützt das Vorbild der anderen Länder nichts, weil diese sich nie in dem deutschen Maße vom Ersatzdienst für die Aufrechterhaltung des Sozialwesens abhängig machten.

Jedes Jahr ein neuer Nato-Krieg?

Doch Vorbereitungen auf Krieg bedeuten noch nicht, dass sie auch in die Tat umgesetzt werden. Sie sagen uns nur etwas darüber, welche Handlungsmöglichkeiten erwogen werden.

Angesichts der Kosten von militärischen Interventionen nicht davon auszugehen, dass die Nato sich jedes Jahr einen Krieg vom 'Kaliber Kosovo' leisten wird, zumal sie mit den 'Altlasten' von Kosovo und Bosnien noch genug zu tun hat. 'Kleinere' Interventionen, die sich aufgrund von Druck der politischen Partner nicht umgehen lassen (Beispiel Osttimor) oder die 'präventiv' als gezielte Schläge gegen Anlagen zum (angeblichen) Bau von Massenvernichtungswaffen oder Terroristen durchgeführt werden (Beispiel Luftangriffe auf Sudan und Libyen), sind hingegen immer möglich.

Christine Schweitzer


ZFD - Stand und Perspektiven

Der Zivile Friedensdienst (ZFD) hat in den vergangenen Monaten große Fortschritte gemacht: Seit Sommer 1999 existiert ein Rahmenkonzept der Bundesregierung für den ZFD.

Im Herbst 1999 lief die finanzielle Förderung von Ausbildung und Projektdurchführung durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) an. Verschiedene Entwicklungs- und einige wenige Friedensdienste haben begonnen, Projekte durchzuführen und Personal zu entsenden. Im Jahr 2000 sollen 17,5 Mio. DM für dieses neue Instrument zur Verfügung stehen. Dies sind zweifellos große Erfolge, die es zu würdigen gilt! Die langjährige und hartnäckige Überzeugungsarbeit besonders durch die Friedensdienste trägt Früchte.

Bei genauerem Hinsehen wird aber auch deutlich, dass noch sehr viel zu tun bleibt. Der ZFD in seiner jetzigen Form ist ein Instrument der Entwicklungszusammenarbeit. Die immer wieder als sachgemäß geforderte Orientierung des ZFD als „Querschnittsaufgabe" unterschiedlicher Politikbereiche wurde bisher nicht umgesetzt. Auch Projekte in der Bundesrepublik können mit den jetzigen Förderbedingungen noch nicht realisiert werden. Die Friedensdienste sind für die Personalentsendung auf die Kooperation mit Entwicklungsdiensten angewiesen, selbständige Entsendung ist bisher nicht möglich. Dies schränkt die Eigenständigkeit der Friedensdienste ein, zieht die Vorbereitung von Projekten und Personalentsendung in die Länge und verursacht erhebliche Zusatzkosten. Die umfassenste und von allen Seiten hoch gelobte Ausbildung für den ZFD der „AG Qualifizierung für Zivile Konfliktbearbeitung/Zivilen Friedensdienst" (früher NRW-Projekt) kann nur von Kurs zu Kurs geplant werden, weil eine längerfristige Finanzierungszusage bisher fehlt. Wenn alle geplanten Maßnahmen durchgeführt werden, ist zu befürchten, daß die für das Jahr 2000 bereitgestellten 17,5 Mio. DM für den ZFD nicht ausreichen werden.

Trotz der zahlreichen Sachprobleme besteht weitgehende Übereinstimmung darin, dass Zivile Konfliktbearbeitung im allgemeinen und der ZFD im Besonderen zügig weiter ausgebaut werden müssen. Die Zusammenarbeit zwischen Entwicklungsdiensten, Friedensdiensten, BMZ und Auswärtigem Amt ist kooperativ und vorwärtsweisend. Dies macht Mut, sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß die (Weiter-) Entwicklung des ZFD eine sehr anspruchsvolle Aufgabe ist, die nur erfolgreich umgesetzt werden kann, wenn es gelingt, breite gesellschaftliche Kreise für die Unterstützung des ZFD zu gewinnen.

Stefan Willmutz
(Geschäftsführer forumZFD, Bonn)
Dieser Beitrag ist bereits in der "Pax Christi Zeitung", Zeitschrift der Deutschen Sektion von Pax Christi, Nr. 2/2000 erschienen.


Studientag des IFGK

Sie wissen nicht, was GÜTEKRAFT ist? Gute Frage! Genau diese stand beim Kölner Studientag des Instituts für Friedensarbeit und Gewaltfreie Konfliktaustragung im Mittelpunkt.

Versuche, das Thema Gütekraft in die Planungen zur UN-Dekade zur Überwindung von Gewalt einzubringen, hatten nämlich gezeigt, dass weder der Begriff GEWALT noch der Begriff GÜTEKRAFT ausreichend klar definiert sind. Versuchsweise könnte ich sagen: Gütekraft beschreibt eine Energie, die wirkt, wo Menschen mit gewaltfreiem Handeln ihr Gegenüber im Konflikt zu einer gewaltmindernden Verhaltensänderung bewegen.

Als Schritt auf dem Weg zu klareren Begriffen legte Robert Antoch dem Studientag eine "Gegenüberstellung von Konfliktlösungen mit Gewalt und ohne Gewalt" vor, die jedoch mehr Fragen aufwarf als sie Antworten geben konnte. So blieb offen, ob das Phänomen der Gütekraft erforscht werden soll, um das Bestehende zu analysieren oder ob das Ziel die Operationalisierbarkeit dieses Phänomens sei... Der Gütekraft-Workshop, eine "Werkstatt für verständigungsorientierte Konfliktbearbeitung", die Robert Antoch mit den Anwesenden durchführte, bot die Gelegenheit zum bewussteren Erfahren und Reflektieren eigener Wahrnehmung und Reaktion. Schritte zur inhaltlichen Gestaltung, organisatorischen Strukturierung und Finanzierung eines Vorhabens zur Erforschung der Gütekraft stellte Martin Arnold vor. Der Zuschnitt des Forschungsvorhabens ist in der Veröffentlichung GÜTEKRAFT ERFORSCHEN beschrieben: Gütekraft erforschen - Kraft der Gewaltfreiheit, Satyagraha, Strength to love,
Gewalt überwinden: von der Antike,

Das Forum Ziviler Friedensdienst ist ein Zusammenschluss von Organisationen, die sich den Aufbau eines zivilen Friedensdienstes in Konfliktregionen im In- und Aus-land zum Ziel gesetzt haben.

Wir suchen regelmäßig zur Teilnahme an einem viermonatigen Ausbildungskurs in gewaltfreier Konfliktbearbeitung - unterstützt vom Bund und vom Land NRW - mit anschließendem mindestens zweijährigem Projekteinsatz im Ausland

Friedensfachkräfte

Wir erwarten eine abgeschlossene Berufsausbildung und einschlägige Erfahrungen im sozial- und gesellschaftswissenschaftlichen Bereich und/oder in der Konfliktbearbeitung sowie Auslandserfahrung und ein Mindestalter von 28 Jahre.

Nach der Ausbildung sollen Sie in einem Projekt zur Unterstützung des Aufbaus zivilgesellschaftlicher Strukturen und der Friedens- und Versöhnungsarbeit im Ausland in Zusammenarbeit mit lokalen Nichtregierungsorganisationen tätig werden. Ausbildung und Projekteinsatz werden nach den Standards des Entwicklungshelfergesetzes bezahlt.

Ihre Unterlagen schicken Sie bitte an: Forum Ziviler Friedensdienst e.V., Wesselstr. 12, 53113 Bonn, Email: forumZFD(at)t-online.deDiese E-Mail Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können


Gandhi und Martin Luther King bis zu Politologie und empirischer Sozialforschung: 15 AutorInnen aus der Friedensforschung und -bewegung nehmen die Gütekraft in den Blick - Hrsg. Martin Arnold und Gudrun Knittel.

ISBN: 3-9804408-2-6, Bestell-Adresse: M. Arnold, Neißestr. 4, 45136 Essen, oder eMail:

Martin.Arnold(at)privat.post.deDiese E-Mail Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können ;

Martin Arnold bemüht sich um ein Forum, in dem Forschungsfragen zur Gütekraft diskutiert werden können. Inzwischen wurde eine e-mail Konferenz zum Thema Gütekraft eingerichtet.

tekraft-owner(at)egroups.comDiese E-Mail Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

Wir hoffen, dass der nächste IFGK - Studientag am 30. 9. 2000 - voraussichtlich in Minden/Westfalen oder Köln - inhaltlich und methodisch so vielfältig und interessant sein wird wie der vergangene, und laden Neugierige schon hier und heute recht herzlich dazu ein!

Förder-Mitglied werden - wie wär's?


Beim letzten Treffen der Mitarbeitenden im IFGK wurde festgestellt, dass die Finanzierungen sich dem Ende zuneigen. Deshalb wird jetzt eine Finance Task Force eingerichtet, die Fundraising-Ideen sichtet, weiter entwickelt und operationalisiert. Wer gute Ideen hat und / oder bei der Umsetzung mithelfen möchte, ist jederzeit herzlich willkommen. Schön wäre es auch, wenn IFGK-Förderer nah und fern sich bereit erklären, RichterInnen in ihrer Gemeinde zu bitten, das IFGK als gemeinnützigen Verein bei der Überweisung von Bußgeldern zu berücksichtigen. Oder sie sprechen ErbInnen an, die die Steuerlast für sich verringern und gleichzeitig einem guten Zweck Finanzen zukommen lassen wollen, z.B. der Arbeit des Instituts für Friedensarbeit und Gewaltfreie Konfliktaustragung.

Vielleicht wissen zu wenig Menschen noch, dass es möglich ist, dem Institut für Friedensarbeit und gewaltfreie Konfliktbearbeitung als Fördermitglied anzugehören? Mit einem Förderbeitrag von mindestens DM 120,00 im Jahr sind Sie dabei - und erhalten alle neuen Arbeitspapiere gratis! (Publikationsliste kann beim BSV angefordert werden)!

Balkan Peace Team

Das Balkan Peace Team hilft - wir berichteten in vergangenen Rundbriefen bereits darüber - ein Jugendzentrum im Kreis Dragash zu errichten. Dragash liegt in einer Region im Süd-Kosovo/a, wo zwei ethnische Gemeinschaften leben: Albaner und Gorani (slawische Muslime). Das Team berichtet über seine Arbeit:

"Wir haben bereits eine permanente Präsenz in der Stadt Dragash, der Hauptstadt der Gemeinde, etabliert. Von unseren aus fünf Personen bestehenden Team leben und arbeiten stets drei in Dragash.

Die Bevölkerung der Stadt Dragash ist ethnisch gemischt. Die umliegenden Dörfer hingegen nicht: Ein Distrikt wird ausschließlich von Goranis, ein anderer ausschließlich von Albanern bewohnt. Es ist geplant, dass das Jugendzentrum sowohl Aktivitäten für Goranis wie für junge Albaner anbieten wird.

Am 17. April begannen wir mit Englisch-Unterricht in einem Raum in der Mittelschule. Der Schulrektor bot uns den Raum an, bis wir ein Gebäude für das Jugendzentrum finden. Unterricht findet in drei Kursen statt: einer für eine Gruppe albanischer Jugendlicher, einer für Goranis und ein gemischter Kurs für LehrerInnen von der Schule. Dies ist nur ein Anfang, aber wir glauben, dass es ein wichtiger Schritt dabei ist, jenes Vertrauen herzustellen, das so notwendig ist.

Jemand sagte mal, dass Dragash soweit weg von allem sei, dass es sich hinter den Beinen von Gott befinde. Dies war auch unser Gefühl, als wir das erste Mal dahin kamen, obwohl die Fahrt von Prizren nur 45 Minuten dauert. Die Dörfer rund um Dragash-Stadt sind wirklich sehr abgelegen, und manchmal ist es nicht einfach, dort hinzufahren.

Rund 80% der SchülerInnen in der weiterführenden Schule sind Jungen. Viele Mädchen wollen ihre Schulausbildung nicht nach Abschluss der (sechsstufigen) Hauptschule fortsetzen. Man sieht selten Frauen auf den Straßen und sie gehen niemals alleine. Wir fragten einige der jungen Mädchen, welche Art von Aktivitäten sie in dem Jugendzentrum neben Englisch-Unterricht und Computer-Training sehen würden. Sie drückten eine Vorliebe für Frisieren, Nähen und Make-Up aus. Wir werden uns besonders darum bemühen, die richtigen Begleitumstände herzustellen, unter denen sich Mädchen sicher fühlen, das Jugendzentrum zu besuchen.

Wir haben angefangen, mit FLAKA zu arbeiten, einer lokalen Frauengruppe, die kürzlich im Kreis Dragash gegründet wurde. Flaka - wörtlich "Flamme" in Albanisch - war ursprünglich eine Initiative albanischer Frauen, aber jetzt haben auch goranische Frauen begonnen, an den Handarbeitsstunden teilzunehmen, die von der Frauengruppe angeboten werden. Wir hoffen, mit dieser Gruppe bei der Organisation von Aktivitäten für junge Frauen zusammenzuarbeiten. Im März halfen wir ihnen, nach Prizren zu fahren, um das NGO-Zentrum der OSZE dort zu besuchen. Für uns war dies eine ausgezeichnete Gelegenheit, die Frauen besser kennenzulernen und zu hören, was sie beschäftigt. Es war ein erster Schritt für unsere Arbeit hier."

Seine Schüler nennen ihn Peace-Man

Bernhard Nolz: „Im Jahre 1994, im Alter von 50 Jahren, erfüllte sich mein Pädagogentraum: Ich wurde Sprecher der Pädagoginnen und Pädagogen für den Frieden (PPF)!"

Da hatte er 25 Jahre aktiver Kommunalpolitik, Partei- (SPD) und Gewerkschafts- (GEW) Arbeit in Schleswig-Holstein hinter sich gelassen und war nach Siegen (NRW) gezogen, um mit Wolfgang Popp, Professor an der Universität-GH Siegen, zusammen zu leben und zu arbeiten. Bei PPF haben sie sich kennen gelernt.

Zusammen geben sie die friedenspädagogische Zeitschrift „et cetera ppf" und die Buchreihe „Friedenskultur in Europa. Materialien zur Friedenserziehung" (LIT-Verlag) heraus. Ihre friedenspädagogischen Aufsätze erscheinen in diversen Zeitschriften und Sammelbänden.

Sie machen bei der Siegerländer Friedensbewegung mit.

„Jedes Jahr organisieren wir eine Ausstellung im Siegener Rathaus und in jedem Jahr stellen wir einen kommunalen friedenspolitischen Bürgerantrag, z.B. Einrichtung einer Gedenkstätte für die Opfer des NS-Terrors, Errichtung eines Deserteurs-Denkmals, Unterstützung des Forums Ziviler Friedensdienst (ZFD), der mit schöner Regelmäßigkeit vom Stadtrat abgelehnt wird."

Bernhard Nolz ist seit 30 Jahren Lehrer. Fächer: Deutsch, Geschichte, Gesellschaftslehre. Er arbeitet an der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule in Siegen.

„Ich fing 1994 an der Gesamtschule an, als sie gerade ihren Namen erhielt. Besser konnte es für mich als Pazifist gar nicht kommen. Friedenserziehung total!

Als Moderator in der Lehrerfortbildung sind seine Fachgebiete „Friedenserziehung", „Rechtsradikalismus" und „Gewaltprävention". Als Referent ist er an vielen Abenden und an den Wochenenden unterwegs, weil Schulen, Volkshochschulen, Gewerkschaften, Parteien und Verbände sowie befreundete Friedens-organisationen von seinen Erfahrungen profitieren wollen.

„Daraus schöpfe ich immer wieder neue Kraft, die beruflichen Belastungen in der Schule auszuhalten."

„In den Ferien schreibe ich Erzählungen und arbeite an einem Roman über meine Zeit als Kommunalpolitiker in den 70-er Jahren. Bis zur Veröffentlichung wird noch etwas Zeit vergehen."

Erschienen ist von Bernhard Nolz: Durchs Tor. Deutsch-Tschechische Geschichten, BdWi-Verlag Marburg 1997. Die Texte sind in einer Literaturwerkstatt anlässlich einer Lehrerfortbildung im KZ Theresienstadt entstanden.

„Das künstlerische Metier, das mir am meisten Freude macht, ist die friedens-pädagogische Kleinkunst. Insbesondere die Mitglieder des Bundes für Soziale Verteidigung mussten auf den Jahresversammlungen meine kabarettistischen Einlagen erdulden."

In den nächsten zehn Jahren (UNO-Dekade für eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit zugunsten der Kinder der Welt) wollen Bernhard Nolz und Wolfgang Popp sich auf die Einrichtung eines Zentrums für Friedenskultur (ZFK) in Siegen konzentrieren. Neu ist, wie kommunale Friedensarbeit und die Entwicklung von Friedenskultur im Prozess der Lokalen Agenda 21 verwirklicht werden können. Über dieses Projekt informiert am besten die Internet-Seite: www.friedenskultur.de

„Meine Lebensgeister erweckt immer wieder die klassische Musik. Meine Lieblingskomponisten sind Bach, Schubert, Mozart und Beethoven. Dazu gehört ein Glas Rotwein oder auch zwei! Dann verfasse ich Texte wie diesen oder auch ganz andere."

Bernhard Nolz, Kölner Str. 11, 57072 Siegen, Tel: 0271-20596 / 0171-8993637, Fax: 0271-2390985, Email: nolzpopp(at)t-online.de