NEWSLETTER DEZEMBER 2007

BUND FÜR SOZIALE VERTEIDIGUNG E.V.

 

INHALT

* Stellenausschreibung "Vorrang für Zivil"
* 5. Streitschlichtskongress
* Kommunale Konfliktbearbeitung in Ost und West
* Totale Kriegsdienstverweigerer verstärkt bestraft
* Nein zum (US-)Militär in Europa und Polen!
* Friedenseinsatz-Fachtag
* "Einfühlsame Versöhnungsreise"
* Vorankündigung BSV-Jahrestagung:
 "Ohne Waffen stark - Bewegung für Gewaltfreiheit"


BSV SUCHT KOORDINATORiN FÜR KAMPAGNE: "VORRANG FÜR ZIVIL"
Die Kampagne "Vorrang für Zivil" will die Öffentlichkeit über Alternativen zur militärisch dominierten Außenpolitik informieren und den politischen Stellenwert ziviler Konfliktbearbeitung in der deutschen Außenpolitik erhöhen. Sie wird getragen von einem Bündnis unterschiedlicher Organisationen. Die hauptamtliche Koordination soll dieses Bündnis in der Planung, Steuerung und Evaluierung der Kampagne unterstützen.
Wir bieten eine Beschäftigung im Umfang einer halben Stelle ab dem 1. Februar, zunächst befristet auf drei Monate. Eine Verlängerung der Stelle auf mindestens ein Jahr ist bei entsprechender Beschlussfassung im Trägerkreis geplant. Die Entlohnung erfolgt analog zu den fest angestellten MitarbeiterInnen des BSV. Arbeitsort ist das BSV-Büro in Minden.


BUNDESWEITER STREITSCHLICHTUNGSKONGRESS
(Andreas Würbel). Rund 180 SchülerInnen und 40 LehrerInnen haben am 5. bundesweiten Streitschlichtungskongress vom 30. November bis 2. Dezember 2007 im ostwestfälischen Geseke teilgenommen. Sie kamen aus 45 Schulen aus allen Bundesländern und Schulformen der Sekundarstufe. Erstmals eingeladen waren auch Schulen aus den europäischen Nachbarländern.

Veranstalter waren der Bund für Soziale Verteidigung, die Stiftung Mitarbeit, das Bildungswerk Umbruch und die Thomas-Morus-Akademie Bensberg. Der Kongress wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Streitschlichtungsprojekte gibt es mittlerweile an sehr vielen Schulen. Der Kongress stellte zum einen ein attraktives Qualifizierungsangebot für die Schülerinnen und Schüler zu spezifischen Fragen aus ihrer Schlichtungspraxis bereit. Zum anderen förderte er auch einen breiten Austausch über "Best-Practice-Ansätze" und nicht zuletzt war er ein Dankeschön an die vielen Engagierten in den Streitschlichtungsprojekten, die einen alltäglichen und verlässlichen Beitrag zur Konfliktlösungskultur in den Schulen leisten.
Infos: www.streitschlichtungskongress.de/


KOMMUNALE KONFLIKTBEARBEITUNG IN OST UND WEST
(Björn Kunter) Zusammen mit der evangelischen Akademie Sachsen Anhalt und anderen Mitgliedern der Arbeitsgruppe Zivile Konfliktbearbeitung im Inland hatten wir 20 VertreterInnen verschiedener Praxisprojekte aus Ost- und Westdeutschland zum Austausch nach Magdeburg eingeladen. Einen Schwerpunkt der Präsentationen spielte dabei die Arbeit der Mobilen Beratungsteams und Netzwerkstellen, die durch das inzwischen ausgelaufene CIVITAS Programm der Bundesregierung gefördert worden waren. Ziel der Projekte war es gewesen die Zivilgesellschaft in Ostdeutschland gegen Rechtsextremismus zu stärken, lokale Netzwerke zu schaffen und auszubauen und die Akteure in den Kommunen im Umgang mit Rechtsextremen zu beraten. Hier sind Erfahrungen entstanden, die auch für die Arbeit in westdeutschen Kommunen bzw. für die allgemeine Unterstützung zivilgesellschaftlicher Netzwerke gegen Gewalt und Intoleranz wichtige Erkenntnisse enthalten. Kommunale Konfliktbearbeitung in Ost und West ist so das Fazit der teilnehmenden PraktierInnen immer auch verbunden mit Demokkratieentwicklung. Fragen der Macht und der Einbindung der offiziellen Strukturen sind zentral, damit zivilgesellschaftliche Initiativen für ein friedvolles Miteinander ihre Wirkung entfalten können. Umgekehrt gilt jedoch auch dass "pädagogische" Initiativen die Konflikte nicht für die lokalen Betroffenen regeln, sondern mit Ihnen den Raum für konstruktive und gleichberechtigte Problemlösungsprozesse schaffen müssen.


TOTALE KRIEGSDIENSTVERWEIGERER VERSTÄRKT BESTRAFT
(Ralf Siemens) Die Bundeswehr hat den totalen Kriegsdienstverweigerer Moritz Kagelmann ein drittes Mal inhaftiert. Er folgte der Einberufung zum 1. Oktober nicht und wurde von Feldjägern der Bundeswehr am 14. Oktober gefasst und in das Luftwaffenausbildungsregiment 1 nach Strausberg in Brandenburg gebracht. Er hat jeden Befehl verweigert. Seitdem wird er von der Bundeswehr für seine antimilitaristische Haltung mit Freiheitsentzug bestraft.

Der TKDVer Alexander Hense aus Neuenbürg bei Karlsruhe wurde vom Amtsgericht Pforzheim wegen Fahnenflucht die Auflage erteilt, 100 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten. Gleichzeitig setzte das Gericht die Verhängung einer Jugendstrafe für ein Jahr aus. Sein Fall verlief zuvor ähnlich wie der von Moritz Kagelmann. Er und der dritte TKDVer im Jahr 2007, Jonas Grote aus Minden, wurden aber gegen die frühere Praxis der Bundeswehr schon nach zweimal verhängten Arreststrafen entlassen. Mit Moritz Kagelmann ist sie jetzt wieder zu drei Arreststrafen von bis zu jeweils 21 Tagen zurückgekehrt. In den Jahren 2004 bis 2006 war die Bundeswehr nicht mit einberufenen Totalverweigerern konfrontiert, da sie entweder "vergessen" oder ausgemustert wurden.

Infos: Kampagne gegen Wehrpflicht Zwangsdienste und Militär, www.kampagne.de/


NEIN ZUM (US-)MILITÄR IN EUROPA UND POLEN!
Seit vielen Jahren entwickeln die USA einen Raketenabwehrschirm. Die derzeitigen Entwicklungen werden als Teil des "Krieges gegen den Terror" dargestellt. Jetzt soll dazu ein Standort in Tschechien für Radars und einer in Polen für Atomraketen gebaut werden. Die geheimen Verhandlungen der Regierungen darüber ignorierten den öffentlichen Widerstand der Bevölkerung. Die Standorte gefährden, was sie zu schützen vorgeben, und tragen bei zu Aufrüstung und Militarisierung. Viele polnische Gruppen rufen auf zum Massenprotest am 29./30. März 2008 gegen den US-Standort in Polen. Der Protest wird im Zusammenhang mit den Protesten am 22. März
in Brüssel gegen das NATO-Hauptquartier und 2.-4. April in Bukarest gegen den NATO-Gipfel gesehen. Die Aktionen in Polen konzentrieren sich auf den geplanten Standort Redzikowo, die nächste Stadt Slupsk und die Großstädte Stettin und Danzig. Dafür wird am 19. Januar in Schlesien ein Planungstreffen stattfinden, zu dem Interessierte eingeladen sind. Geplant werden sowohl direkte Aktionen als auch Protestmärsche. Es gibt eine große Öffentlichkeit für den Protest die neue Regierung in Polen schwankt in der Frage und die Opposition in den USA wächst.
Weitere Informationen: tarcza(at)bzzz.net, www.tarcza.org (nur polnisch), www.vredesactie.be


FRIEDENSEINSATZ-FACHTAG
Der Fachtag "Frieden kriegen" am 19. Januar 2008 in München beschäftigt sich mit Blauhelmsoldaten, zivilen Friedensfachkräften, Beratungspersonal und Projektgelder - auch der deutschen Regierung. Die Bilanz all dieser Bemühungen der letzten Jahre ist jedoch eher ernüchternd. In Afghanistan nimmt die Gewalt zu, auf dem südlichen Balkan ist die Feindschaft keineswegs überwunden.
Sie fragt: Brauchen wir nur mehr Geduld oder ganz andere Mittel und Methoden? Wie wird die Wirkung militärischer Friedensmissionen und ziviler Konfliktbearbeitung beurteilt?
Information und Anmeldung: Petra-Kelly-Stiftung, info(at)petra-kelly-stiftung.de


"EINFÜHLSAME VERSÖHNUNGSREISE"
Die "Einfühlsame Reise" ist ein Programm vom 13. bis 20. Mai 2008 in Berlin für Menschen, die die generationsübergreifenden und kollektiven Wunden des Zweiten Weltkrieges und des Holocaust weiterhin in sich tragen und die sich dem stellen wollen. Ein Programm für Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund, die an Versöhnung interessiert sind. Die Reise beinhaltet ein intensives Training in der Methode "Einfühlsam Zuhören". Wir werden unsere Lebensgeschichten und die jüdischer und deutscher Zeitzeugen hören. Durch die Besichtigung von Gedenkstätten werden wir ein tieferes Verständnis gewinnen für das, was geschah und was bis heute getan wurde, so dass dies nie wieder geschieht.

Das Programm wird geleitet von Lisa und Brian Berman, einem jüdisch-deutschen Ehepaar, beide anerkannte Trainer in "Einfühlsamem Zuhören".

Das Programm kostet 965 Euro (910 Euro bei Anmeldung bis zum 15. Januar 2008). Im Preis eingeschlossen sind Moderation, Training, Führungen und die meisten Mahlzeiten. Die Reisekosten und die Übernachtung sind individuell zu tragen. Das Training findet statt im mitArt-Hotel in Berlin-Mitte.

Weitere Informationen: Eve Rennebarth, (030) 85 40 60 68,
eve.rennebarth(at)gmx.de, www.bermanhealingarts.com/CompassionateJourney.htm


VORANKÜNDIGUNG: BSV JAHRESTAGUNG 2008, 29.02.-02.03.2008 IN ERFURT
Unter dem Motto "Ohne Waffen stark - Bewegung für Gewaltfreiheit" schlagen wir einen Bogen zum Bundeskongress "Wege zur Sozialen Verteidigung: Ohne Waffen - aber nicht wehrlos!" mit dem vor 20 Jahren die Geschichte des BSV begann. Die damalige Streitfrage begleitet uns bis heute: Können wir unser Ziel der Gewaltfreiheit besser mit dem Staat oder gegen ihn durchsetzen?
Ein vorläufiges Programm kann in der Geschäftsstelle eingeholt werden, unter info(at)soziale-verteidigung.de


SPENDENBAROMETER
Friedensarbeit kostet Geld. Nachdem im letzten Jahr unsere Spenden enorm eingebrochen sind, brauchen wir in diesem Jahr 100.000 Euro, um unsere Arbeit nicht einschränken zu müssen.
Bis November haben wir Spenden über 72.000 Euro erhalten. Es fehlen also noch fast 30%!

IMPRESSUM

Der Newsletter erscheint am Monatsanfang v.a. mit kurzen Meldungen. Wenn
diese hier veröffentlicht werden sollen, schicken Sie / schickt ihr sie
bitte bis Monatsende an die Redaktion: kai-uwe.dosch(at)hammkomm.de

Zum Bestellen oder Kündigen des Newsletters genügt eine E-Mail an die
Geschäftsstelle: info(at)soziale-verteidigung.de.

Längere Texte kommen in die Mailinglist
bsv-diskussionsforum(at)yahoogroups.com.

Gerne senden wir Ihnen/Dir auch unseren vierteljährlichen Rundbrief "Soziale Verteidigung" per Post zu.
Weitere Informationen finden sich auch auf unseren Webseiten:
www.soziale-verteidigung.de
www.streitschlichtungskongress.de
www.no-blame-approach.de
www.jahalin.net

REDAKTION
Kai-Uwe Dosch
kai-uwe.dosch(at)hammkomm.de

HERAUSGEBER
Bund für Soziale Verteidigung e.V.
Schwarzer Weg 8
32423 Minden
Tel. 0571 29456
Fax 0571 23019

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