NEWSLETTER NOVEMBER 2007

BUND FÜR SOZIALE VERTEIDIGUNG E.V.

 

INHALT


Vorrang für zivil
Bündnisarbeit für Gewaltfreiheit
Jahalin und Bildung
Projekte statt Profite – Stromwechsel jetzt
Totalverweigerer verurteilt
Peace Training Guide
Neues vom Forum Pazifismus
Wo Erdöl fließt, droht Krieg

VORRANG FÜR ZIVIL

(BK) Am 13. Oktober traf sich die Arbeitsgruppe des BSV "Vorrang für Zivil" im Rahmen des Bundesausschusses, um die weitere Vorgehensweise in der Kampagne und den Umgang mit der Diskussion um den Vorrang-Begriff innerhalb der Friedensbewegung zu diskutieren. Wichtig war der Hinweis von Holger Klee aus dem Versöhnungsbund, dass die Thesen von Ulrich Hahn keine Distanzierung von der Kampagne bedeuten, sondern das Ergebnis einer bereits längere Zeit in der (vor allem evangelischen) Friedensbewegung geführten Diskussion darstellen. Demgegenüber sahen wir in der Gruppe wichtige Vorteile der Forderung "Vorrang für Zivil", weil diese -- in einer Zeit in der der Ausbau der zivilen Konfliktbearbeitung parteiübergreifend gefordert wird -- eine notwendige Radikalisierung darstellt und der Vereinnahmung des Zivilen als Ergänzung des Militärs entgegentritt. Genau dieses wäre jetzt zu befürchten, wenn wir uns bei der stattfindenden Ausweitung der zivilen Krisenprävention in den nächsten 3-5 Jahren nicht mit einer starken Kampagne einmischen.

Wichtig war uns auch, dass wir mit der Kampagne nicht einfach Lobbyarbeit betreiben werden, sondern gezielt nach Möglichkeiten suchen, die Abgeordneten unter Druck zu setzen. Hierzu wollen wir vor allem auch das Internet nutzen.

Wer Interesse an einer Mitarbeit in der Kampagnen-AG hat, kann sich bei der Geschäftsstelle melden. Der Start der Kampagne ist für das nächste Frühjahr geplant.

Infos: mailto:kunter(at)soziale-verteidigung.de

BÜNDNISARBEIT FÜR GEWALTFREIHEIT

(Bernhard Nolz) Am Freitag, 19. Oktober 2007 begann das zweite deutsche Sozialforum in Cottbus. Dort sollte auch ein BSV-Workshop stattfinden, musste aber mangels Besucher ausfallen. BSV-Vorstandsmitglied Henry Stahl BSV-Vorsitzender Bernhard Nolz wollten die AG Soziales Verteidigen vorstellen, mit einem Blick auf die Geschichte und die Philosophie des Sozialen und mit einigen praktischen Vorschlägen und Alternativen zur Bewältigung der Schäden des Orkans "Kyrill".

In einem Interview mit einer Vertreterin der Helsinki Citizen Assembly, das demnächst veröffentlicht wird, konnte der Vorsitzende unsere Standpunkte erläutern. Die BSV-Vertreter haben dann doch noch einige interessante Gespräche geführt und Diskussionsbeiträgen in der Cottbusser Stadthalle zugehört.

Am Sonntag, 21. Oktober 2001, fand in Frankfurt/Main die Mitgliederversammlung der Kooperation für den Frieden statt. Die Sitzungen der Kooperation für den Frieden sind eine Wohltat für Friedensbewegte. Respekt und Empathie prägen die Treffen und fördern konstruktive Ergebnisse für die Friedensarbeit. Im Mittelpunkt stand das Dossier "Israel-Palästina", das von Andreas Buro und Clemens Ronnefeldt verfasst wurde. Hier ist in der Tat noch viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit zu leisten, bis die Bedeutung der friedenspolitischen Dimension der Vorschläge erkannt und umgesetzt werden kann.

JAHALIN UND BILDUNG

(Hendrik Dürr) Nicht vielen Jungen auf dem Jahalin-Hügel wird die Zeit gelassen, die Schule abzuschließen. Oft müssen sie diese schon früher abbrechen, um Geld für die Familie zu verdienen. Von denen, die das „Tauschii“ (arab. Abitur) schaffen, können sich nur wenige leisten, auf die Universität zu gehen. Die Kosten für ein Semester sind in Palästina deutlich höher als in Deutschland. Und trotzdem: es gibt mehr und mehr Jahalin, insbesondere Frauen, die studieren gehen. Inzwischen sind vom Jahalin-Hügel 18 junge Frauen an der Al-Quds-Universität in Abu-Dis eingeschrieben. Drei haben sie schon erfolgreich in Biologie, Religion und Sozialarbeit beendet. Auch wenn es trotzdem schwer ist, eine Arbeitstelle zu finden, zeigt es dennoch, welchen zunehmenden Stellenwert die Bildung der Kinder in der Gesellschaft der Jahalin hat.

So wurden auch in diesem Sommer, während die Sonne am höchsten stand, zwei neue Klassenzimmer für die Schule auf dem Jahalin-Hügel (260 Kinder besuchen diese Schule) und neue Räume für den Kindergarten der Anwar-Schule in Azaryah (102 Jahalin-Kinder und Kinder aus Azaryah) gebaut. Das Jahalin-Projekt konnte diese Bau- und Ausbauarbeiten mit BMZ-Projektmitteln (Bundesministerium für Zusammenarbeit) unterstützen. Wunderschöne neue, bunte Kindergarten-Räume in der Anwar-Schule und neue Klassenzimmer auf dem Jahalin-Hügel konnten so mit großem Geschick, Energie und Durchhaltevermögen durch die freiwillige Hilfe von Jahalin-Männern rechtzeitig vor Beginn des neuen Schuljahres eingeweiht werden. Auf dem Hügel ist in einem der Klassenräume inzwischen ein kleines Labor eingerichtet worden.

Doch fehlt es auch jetzt noch weitgehend an der Ausstattung der Räumlichkeiten, insbesondere in der Anwar-Schule. Tische, Bänke, Stühle, Tafeln, Regale, Spielsachen, Schaukelpferde, Kinderbücher und Malutensilien werden noch gebraucht. Wir rufen dazu auf, das Einrichten der Räume mit einer Spende zu ermöglichen. Allen hier würde es eine große Freude bereiten und es wäre eine wunderbare Unterstützung ihrer Anstrengungen für ein Leben in Würde und eine Zukunft, in der Bildung ein fester Bestandteil ihres Lebens sein wird.

PROJEKTE STATT PROFITE – STROMWECHSEL JETZT

(BK) Während EON, RWE und Vattenfall ihre Preise erhöhen, um die Profite der Monopolisten weiter zu steigern, rufen wir vom BSV schon seit längerem dazu auf nur noch Ökostrom zu beziehen. Jetzt gibt es einen weiteren Grund den Stromanbieter zu wechseln, denn über die Kampagne energy switch kann man unsere internationale Friedensarbeit ab sofort auch direkt unterstützen. So erhält der BSV für jeden gewonnenen neuen Kunden der Elektrizitätswerke Schönau jährlich 6 Euro für zwei internationale Projekte, die Anti-AKW-Kampagne in Belarus und die Friedensarbeit in Israel und Palästina.

Wir haben uns für die Elektrizitätswerke Schönau als Partner entschieden, weil die „Energierebellen“ von Schönau nicht nur Ökostrom herstellen, sondern mit dem Aufkauf ihres lokalen Stromnetzes eine Basis für basisdemokratische und dezentrale Stromerzeugung geschaffen haben.

Die Kampagne ‚energy switch – Zeit zu wechseln’ wird nur dann ein Erfolg werden, wenn wir nicht nur die bereits Überzeugten ansprechen, sondern auch die 98% der Bevölkerung erreichen, die immer noch Atom- und Kohlestrom kaufen. Wir suchen aktive Menschen, die bereit sind selber zu wechseln und noch 5, 10 oder 20 andere Haushalte zu überzeugen.

Weitere Infos: http://www.ews-schoenau.de/

TOTALVERWEIGERER VERURTEILT

Der Mindener Totalverweigerer Jonas Grote wurde am Mittwoch vom Nürnberger Amtsgericht zu 120 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Damit setzte die Richterin das Maß um 40 Stunden höher an, als von der Staatsanwältin ursprünglich gefordert.

Obwohl der Informatikstudent bei der Musterung angegeben hatte, weder Wehr- noch Zivildienst leisten zu wollen, sollte er Anfang April in die Otto-Lilienthal-Kaserne in Roth (Nürnberg) einrücken. Nachdem er untergetaucht war, stellte er sich den Militärbehörden, verweigerte aber weiterhin den Wehrdienst. Als Folge musste er insgesamt sechs Wochen Militärarrest antreten und wurde schließlich mit Schreiben vom 3. Juli aus der Bundeswehr entlassen.

Das von der Staatsanwältin beantragte Strafmaß von 80 Stunden erhöhte die Richterin deshalb, weil sie die "beharrliche Weigerung" von Grote als strafverschärfend betrachtete. So habe sich der Mindener nicht nur der Fahnenflucht schuldig gemacht, sondern auch den Gehorsam verweigert. Dies vor allem, weil er die Uniform nicht anziehen wollte und sich auch nicht die Haare schneiden ließ. Zudem muss der Informatikstudent die Kosten des Verfahrens tragen.

Die Kampagne gegen Wehrpflicht, Zwangsdienste und Militär kritisiert die Verfahrensführung. Es sei weder die Wehrgerechtigkeit noch die geringe Einziehungsquote von 20 Prozent angesprochen worden. Grote hätte es sich angesichts des Überangebotes an Wehrtauglichen auch leichter machen und "einfach durchrutschen" können.

PEACE TRAINING GUIDE

Der BSV übersetzt einen ‚Friedenstrainingsführer’ auf Deutsch und gibt ihn heraus. Die Veröffentlichung wurde zunächst auf Englisch als ein Teil des Projekts Associations and Resources for Conflict Mangagement (ARCA) produziert. Sie ist eine von vielen Ergebnissen dieses Projekts, an dem 13 Partner-Organisationen aus 11 europäischen Ländern beteiligt sind. Es enthält Beiträge von Robert Rivers, Giannis Scotto, Jan Mihalik, Frode Restad und Kai Frithjof Brand Jacobsen. Das Werk wurde wird wohl Anfang nächsten Jahres erhältlich sein.

In dem Bereich der zivilen Krisenintervention, Gewaltprävention, Friedenskonsolidierung und Konflikttransformation wird die Bedeutung einer Ausbildung bzw. eines Trainings zunehmend als wesentlich für die Entwicklung professioneller Kompetenzen der Intervenierenden anerkannt. Der vorliegende Führer verfolgt das Ziel, die gegenwärtigen Praktiken in dem Bereich der Vorbereitung von Einzelnen auf Friedensarbeit und gewaltfreie Intervention in Konflikten darzustellen, die Probleme, die es in diesem Bereich gibt, zu reflektieren und Überlegungen und Visionen für künftige Entwicklungen anzubieten.

Weitere Infos: www.peacetraining.org <http://www.peacetraining.org/>

NEUES VOM FORUM PAZIFISMUS

Das Forum Pazifismus hat seine Homepage überarbeitet. Die Zeitschrift für Theorie und Praxis der Gewaltfreiheit wird vom BSV, der DFG-VK und dem Versöhnungsbund zusammen herausgegeben und erscheint seit Mai 2004 vierteljährlich mit einem Umfang von 40 Seiten. Sie kann seit neuestem erstens nicht mehr nur als Print-Exemplar (für Mitglieder des BSV ermäßigt nur 18 Euro/Jahr), sondern auch im digitalen Abonnement (12,50 Euro/Jahr) bezogen werden. Zweitens gibt es jetzt eine CD-ROM (20 Euro) oder ein PDF-Online-Dokument (15 Euro) mit allen bislang erschienenen Heften.

Die nächste Ausgabe kommt schon bald.
Weitere Infos: www.forum-pazifismus.de <http://www.forum-pazifismus.de>

WO ERDÖL FLIESST, DROHT KRIEG

Diskussion zur Situation in der Region TSCHAD/KAMERUN
Freitag 09.11.2007, 20:00
Restaurant Böhmerwald
Königstr. 60, Minden
Es sprechen: Nadji Nelambaye, Koordinator des lokalen Ölnetzwerkes Commission Permanent Petrole Local; Ute Koczy, MdB Bündnis 90/Die Grünen; Martin Zint, Koordinator AG-Erdölprojekt
Es laden ein: Versöhnungsbund - Ortsgruppe Minden, Bündnis 90/ Die Grünen – Wahlkreisbüro Ute Koczy, AG Erdölprojekt Tschad/Kamerun, BSV
Weitere Infos: Internationaler Versöhnungsbund, Schwarzer Weg 8, 32423 Minden, Tel. 0571 850875, Fax 0571 8292387, vb(at)versoehnungsbund.de <mailto:vb(at)versoehnungsbund.de>, www.versoehnungsbund.de <http://www.versoehnungsbund.de/>

SPENDENBAROMETER

Friedensarbeit kostet Geld. Nachdem im letzten Jahr unsere Spenden enorm
eingebrochen sind, brauchen wir in diesem Jahr 100.000 Euro, um unsere
Arbeit nicht einschränken zu müssen.
Bis Oktober haben wir Spenden über 60.000 Euro erhalten. Das entspricht ca. 60%.

NEWSLETTER UND ANDERE MEDIEN

Der Newsletter erscheint am Monatsanfang v.a. mit kurzen Meldungen. Wenn diese hier veröffentlicht werden sollen, schicken Sie / schickt ihr sie bitte bis Monatsende an die Redaktion: mailto:kai-uwe.dosch(at)hammkomm.de.
Zum Bestellen oder Kündigen des Newsletters genügt eine E-Mail an die Geschäftsstelle: mailto:info(at)soziale-verteidigung.de.
Längere Texte kommen in die Mailinglist mailto:bsv-diskussionsforum(at)yahoogroups.com.
Zum Bestellen einfach eine leere E-Mail schicken an: mailto:bsv-diskussionsforum-subscribe(at)yahoogroups.com.
Weitere Informationen gibt es im Rundbrief "Soziale Verteidigung" und auf der Website http://www.soziale-verteidigung.de/.

REDAKTION
Kai-Uwe Dosch
Fangstr. 118
59077 Hamm
Tel. 02381 404253
Fax 02381 404917

HERAUSGEBER
Bund für Soziale Verteidigung e.V.
Schwarzer Weg 8
32423 Minden
Tel. 0571 29456
Fax 0571 23019

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