NEWSLETTER DEZEMBER 2006

BUND FÜR SOZIALE VERTEIDIGUNG E.V.

 

EIN BRIEF AUS EMSDETTEN –
EINE BITTE UM UNTERSTÜTZUNG DES BSV!

Liebe Leserin, lieber Leser,

Immer wieder gibt es im Leben Situationen, in denen ich das Gefühl
seltsamer Unwirklichkeit habe. Ein solcher Moment war der 20. November
für mich. Ein 18-jähriger Amokläufer in einer Schule versetzt meine
ganze Stadt in Aufregung. In dieser Stadt, wo ich aufgewachsen und zur
Schule gegangen bin und nun mit meiner Familie lebe, ist plötzlich alle
Beschaulichkeit dahin: 700 SchülerInnen und LehrerInnen, das sind 2 %
der Bevölkerung unserer Kleinstadt, sind unmittelbar betroffen,
eigentlich hat jeder Freunde, Verwandte, Bekannte an der Schule. 37
Menschen zum Teil schwer verletzt. Der junge Mann, der sich anschließend
selbst erschießt, hinterlässt Texte, die einfach traurig machen. Seine
Schulzeit erlebte er als Horrorszenario, er wurde von seinen Mitschülern
gequält, verbal und körperlich, fand keine oder nicht die richtige Hilfe
bei den Erwachsenen, konnte die geforderten Leistungen nicht erbringen,
wurde immer wieder heruntergestuft – was seine sozialen Beziehungen noch
weiter belastete.

Mobbing an Schulen – das ist vielerorts leider noch ein Tabuthema,
obwohl eine erst vor drei Wochen veröffentlichte Studie der Uni München
belegt, dass es beinahe in jeder Klasse vorkommt. Eltern und LehrerInnen
sind häufig überfordert und reagieren hilflos. Die Betroffenen machen
die Erfahrung, dass sie von Pontius zu Pilatus laufen müssen, dass die
Beratungsstellen oft lange Wartezeiten haben, dass ihr Leiden oft
heruntergespielt oder gar sie selbst dafür verantwortlich gemacht werden.

In Emsdetten haben sich nun, nach dem Schock des Amoklaufes, betroffene
und interessierte Eltern zusammengeschlossen, um wirksame Hilfe für die
Betroffenen zu organisieren und das Tabu zu durchbrechen. Für mich war
es sehr wichtig, dass wir als BSV hier schon über Erfahrung und Material
verfügen, dass wir etwas anzubieten haben, was hier wirklich gebraucht
wird. Die Anti-Mobbing-Plakate wurden mir förmlich aus den Händen
gerissen. Dieses Thema hat eine Brisanz, die vielen Erwachsenen so gar
nicht bewusst ist. Hier können wir unmittelbar etwas tun, im Sinne
aktiver Gewaltprävention, hier vor unserer Haustür!

Gerade in so einer kleinen Stadt weist unser Ansatz, Mobbing ohne
Schuldzuweisungen zu beenden (www.no-blame-approach.de), einen
hoffnungsvollen Weg. Wenn es nicht darum geht, Schuldige auszumachen und
zu bestrafen, werden all die Mechanismen der Selbstverteidigung und der
Schuldprojektion auf das Opfer überflüssig. Es gibt noch viel mehr
Bedarf an diesen innovativen Konzepten, als wir mit unseren begrenzten
Mitteln abdecken können!

Deswegen habe ich eine dringende Bitte an Dich oder Sie als LeserIn
dieses Newsletters. Bitte spenden Sie für den BSV, damit wir diese
Arbeit fortsetzen können! Wie immer sind unsere Ressourcen knapp und die
Aufgaben groß. So stehen wir zum Beispiel aktuell vor der Frage, wie wir
eine weitere Auflage unserer Anti-Mobbing-Plakate finanzieren können,
die wir kostenlos an Schulen, Jugendzentren, Beratungsstellen usw.
verbreiten.

Bitte, helfen Sie uns dabei, diese wichtige Arbeit zu tun!

Mit freundlichen Grüßen

Kathrin Vogler

BSV-Geschäftsführerin


INHALT
- Aktiv gegen Rekrutierung von Kindersoldaten
- Zivilcourage
- Bundesausschuss verschoben
- Aktionstage gegen G8 und Krieg
- International Peace Tax Conference
- Papier zur zivil-militärischen Zusammenarbeit
- Iran – Die drohende Katastrophe
- Spendenbarometer


AKTIV GEGEN REKRUTIERUNG VON KINDERSOLDATEN
NONVIOLENT PEACEFORCE IN SRI LANKA

In Vorbereitung einer möglichen Offensive während der Regenzeit hat in
Sri Lanka die Rekrutierung und Entführung von Kindersoldaten durch die
Tamil Tigers (LTTE) und die regierungsnahe Karuna-Gruppe wieder
zugenommen. Da die Nonviolent Peaceforce keinen Zugang zu den von der
LTTE kontrollierten Gebieten hat, können die Teams nur die Aktivitäten
der Karuna-Gruppe beobachten und beeinflussen. Die Rekrutierung wird
zunehmend kriminalisiert mit der Zahlung von „Kopfprämien“ für die
Identifizierung geeigneter Kinder. Familien, die bereits ein Kind an
eine Gruppierung verloren haben, werden erpresst, ein zweites Kind für
die andere Gruppe herzugeben. Besonders gefährdet sind auch die Kinder
in den Flüchtlingslagern und NP ist mehrmals angefragt worden, auch über
Nacht in den Flüchtlingslagern präsent zu sein.

Die Teams sind zusammen mit UNHCR verstärkt in den Flüchtlingslagern
präsent und versuchen auch offizielle Kanäle mit einzubeziehen. Das Team
in Batticaloa unterstützte die Familie eines entführten Kindes und
erreichte auch unter Einbeziehung internationaler Organisationen wie
amnesty international die Freilassung nach elf Tagen.

Der BSV erstellt gerade einen ausführlichen Bericht zur Arbeit der
Nonviolent Peaceforce in Sri Lanka, der in der Geschäftsstelle
angefordert werden kann. Mehr Infos auch unter:
www.nonviolent-peaceforce.de


ZIVILCOURAGE
FÜR MENSCHENRECHTE IN BELARUS UND DEUTSCHLAND

„Was ist Zivilcourage?“ Unter dieser Frage recherchierten 15 junge
Erwachsene aus Weißrussland und Deutschland in ihrer Umgebung nach
historischen und aktuellen Beispielen zivilcouragierten Handelns: „Wir
entdeckten dabei spannende Geschichten und beeindruckende
Persönlichkeiten – Ärzte, die illegalen Flüchtlingen in Deutschland
helfen. Einen Pfarrer, der sich den Nazis in der bayerischen Provinz
widersetzte. Eine junge belarussische Theatermacherin, die mutige Kunst
gegen die gesellschaftlichen Konventionen ihres Landes macht. Bald
stellten wir aber auch fest, dass sich die Situationen, in denen
Menschen in unseren Ländern zivilcouragiert handeln, oft unterscheiden.
Junge Belarussen treffen in allen Lebensbereichen auf einen
übermächtigen Staat, vor allem wenn sie sich gesellschaftlich
engagieren: wenn sie eine Studentenzeitung machen wollen, der Toten der
Stalin‘schen Repressionen gedenken oder gegen Wahlfälschungen auf die
Straße gehen. Auch die Internet-Umfrage am Ende des Heftes zeigt: Für
junge Belarussen ist „Zivilcourage“ in erster Linie eine mutige Handlung
gegen den Staat. Viele der belarussischen Teilnehmer interessierten sich
für Beispiele von Zivilcourage in der Geschichte ihres Landes: Der
deutsche Handwerker, der einer belarussischen KZ-Gefangenen heimlich
Brot bringt. Belarussische Bäuerinnen, die sich den Traktoren der
sowjetischen Kollektivierung entgegen stellten. Oder adlige Damen im 19.
Jahrhundert, die dem zaristischen Autoritarismus durch Trauerkleidung
für die aufständischen Belarussen trotzten.“

Die Broschüre mit 16 recherchierten Beispielen zivilcouragierten
Handelns ist für 3 Euro beim Bund für Soziale Verteidigung zu erhalten.
info(at)soziale-verteidigung.de


BUNDESAUSSCHUSS VERSCHOBEN

Der Bundesausschuss zum Thema "Frieden für Nahost – Was können
europäische Friedensorganisationen tun?" am 19.11.06 in Berlin ist
leider ausgefallen. Der Vorstand hat entschieden, ihn auf das nächste
Jahr zu verlegen.
Es gab einfach zu viele Terminprobleme an diesem Tag. Wir entschuldigen
uns für diese kurzfristige Verlegung und werden so schnell wie möglich
einen neuen Termin nennen.


VON DER HEIDE BIS ZUM STRAND
AKTIONSTAGE GEGEN G8 UND KRIEG

(Ulrike Laubenthal) Um die Zusammenhänge zwischen G8 und Krieg sichtbar
zu machen und gegen Kriegsvorbereitungen zu protestieren, bereitet das
Bündnis "No War - No G8" für den 1.6.2007 einen Aktionstag am Bombodrom
in der Kyritz-Ruppiner Heide vor. Mit einer "vorläufigen Neubesiedelung"
soll dem Militär der Boden streitig gemacht werden - und für ein
Hüttendorf geübt werden, das entstehen soll, falls die Bundeswehr den
Bombenabwurfplatz tatsächlich in Betrieb nimmt. Eine Besonderheit der
Besiedelung: Als Hütten sollen nachgebaute Exemplare der Holzpyramiden
dienen, mit denen die Bundeswehr ihr Zielgebiet markiert, denn: "Jedes
Ziel ist ein Zuhause". Das Bündnis ruft dazu auf, solche Zielpyramiden
auch an anderen Orten aufzubauen. "Wer den eigenen Lebens- und
Arbeitsraum mit einer Pyramide als potenzielles Zielgebiet markiert,
signalisiert damit: Wenn irgendwo Bomben fallen, treffen sie uns alle."
Der Aktionstag war ursprünglich für den 3.6. geplant, wurde jetzt aber
wegen des Zeitplans der Karawanen und Euromärsche auf Freitag, den 1.6.
vorverlegt. Am 5.6. beteiligt sich das Bündnis an den Aktionen am
Militärflughafen Rostock-Laage, wo die Eurofighter stationiert sind und
wo an diesem Tag die Gipfelteilnehmer ankommen.

Zum Bündnis gehören bisher Gruppen aus Brandenburg und Berlin, weitere
BündnispartnerInnen sind willkommen. Das nächste Bündnistreffen ist am
5.1.2007 in Neuruppin.
Mehr Infos unter www.g8andwar.de, g8undkrieg(at)so36.net
www.sichelschmiede.org, info(at)sichelschmiede.org.


INTERNATIONAL PEACE TAX CONFERENCE
(Friedrich Heilmann) Die elfte Internationale Konferenz der
Kriegssteuerverweigerer und Friedenssteuerbewegungen fand vom 26. bis
29. Oktober in Woltersdorf, am Ostrand von Berlin, statt. Der
ausführliche Konferenzbericht wird zur Zeit vorbereitet, aber inzwischen
können weitere Informationen, einschließlich Presseberichte (und viele
Fotos) auf der Konferenzwebsite www.peacetax-2006.com eingesehen werden.
Ein zusammenfassender Bericht und Einzelheiten über Veränderungen im
CPTI-Vorstand ist zu finden in der Schlussverlautbarung der Konferenz –
auch auf der Website.

Während der CPTI-Generalversammlung, die im Rahmen der Konferenz
stattfand, wurde eine Botschaft von **Marian Franz**, der scheidenden
Vorsitzenden, die aus Krankheitsgründen nicht anwesend sein konnte,
verlesen. Ein Tribut des CPTI-Vorstandes an Marian wurde ebenfalls
vorgelesen. Leider ist nun mitzuteilen, dass Marian Franz am 16.
November starb.


NEUES DISKUSSIONSPAPIER ZUR ZIVIL-MILITÄRISCHEN ZUSAMMENARBEIT

Am 25.10.2006 fand im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit des
Bundestags eine öffentliche Anhörung zum Thema "zivil-militärische
Zusammenarbeit" am Beispiel Afghanistan statt. Als Fachleute waren
Vertreter des Verteidigungsministeriums, der Welthungerhilfe, des
Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik und Ute Finckh-Krämer als
BSV-Vorsitzende eingeladen.

Der Redebeitrag von Ute Finckh-Krämer ist im neu erschienenen
Hintergrunds- und Diskussionspapier Nr. 22 des BSV enthalten, das den
von ihr gemeinsam mit Ulrich Finckh verfassten Artikel zur Problematik
zivil-militärischer Zusammenarbeit (Forum Pazifismus I/06) in
erweiterter und aktualisierter Form dokumentiert.
Das Hintergrund- und Diskussionspapier "Zivil-Militärische
Zusammenarbeit - Über die Gefahr der Verharmlosung von Militär und
Krieg" kann für 2,50 Euro im BSV angefordert werden.
Bestellung: info(at)soziale-verteidigung.de


TERMINE

Montag 11. Dezember 2006, in Karlsruhe
IRAN: DIE DROHENDE KATASTROPHE
- DISKUSSION MIT BAHMAN NIRUMAND
In seinem neuen gleichnamigen Buch und in seinem Vortrag setzt sich
Bahman Nirumand, Exil-Iraner, freier Journalist und Autor zahlreicher
Bücher, kritisch mit dem Iran und dem aktuellen Atomstreit auseinander.
Auch die Rolle des Westens wird analysiert und über die Zusammenhänge
aus der jüngsten politischen Geschichte informiert.
Infos: www.friedensbuendnis-ka.de/termine/2006/20061211_va_nirumand.html

20.-21. Januar 2007, in Bielefeld
ÖFFENTLICHKEIT UND FRIEDENSBEWEGUNG
ZWISCHEN WIDERSTAND UND PUBLIC RELATIONS
4. Strategiekonferenz der Kooperation für den Frieden
Infos: www.koop-frieden.de

3.-5. März 2007, in Bielefeld
MAßANZUG FÜR FRIEDENSARBEIT ODER DECKMANTEL FÜRS MILITÄR?
DER "HUMAN SECURITY" ANSATZ DER VEREINTEN NATIONEN
Jahrestagung des BSV,
nähere Infos und Anmeldung demnächst auf www.soziale-verteidigung.de


SPENDENBAROMETER
Friedensarbeit kostet Geld. Auch in diesem Jahr benötigen wir zur
Finanzierung unserer Arbeit wieder Spendeneinnahmen von 95.000 Euro.
Wir haben Spenden über 47051 Euro erhalten. Das entspricht 49,5 %.


NEWSLETTER UND ANDERE MEDIEN

Der Newsletter erscheint am Monatsanfang v.a. mit kurzen Meldungen. Wenn
diese hier veröffentlicht werden sollen, schicken Sie / schickt ihr sie
bitte bis Monatsende an die Redaktion: kai-uwe.dosch(at)hammkomm.de.

Zum Bestellen oder Kündigen des Newsletters genügt eine E-Mail an die
Geschäftsstelle: info(at)soziale-verteidigung.de.

Längere Texte kommen in die Mailinglist
bsv-diskussionsforum(at)yahoogroups.com.

Zum Bestellen einfach eine leere E-Mail schicken an:
bsv-diskussionsforum-subscribe(at)yahoogroups.com.

Weitere Informationen gibt es im Rundbrief "Soziale Verteidigung" und
auf der Website www.soziale-verteidigung.de.



REDAKTION
Kai-Uwe Dosch
Fangstr. 118
59077 Hamm
Tel. 02381 404253
Fax 02381 404917

HERAUSGEBER
Bund für Soziale Verteidigung e.V.
Schwarzer Weg 8
32423 Minden
Tel. 0571 29456
Fax 0571 23019

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