NEWSLETTER NOVEMBER 2008

BUND FÜR SOZIALE VERTEIDIGUNG E.V.

 

INHALT

Keine Afghanistan-Kritik in der ARD?
Erfolge der Bildungsarbeit des BSV
Belarussische RechtschützerInnen beim Castor
Aktionen zum 60. Jahrestag der NATO
Kongress zum No Blame Approach
Netzwerk-Archiv bei der Böll-Stiftung
Relaunch der IFFF-Website
Spendenbarometer


KEINE AFGHANISTAN-KRITIK IN DER ARD?

(Kathrin Vogler) Die erneute Erweiterung und Verlängerung des Afghanistaneinsatzes der Bundeswehr schlägt deutlich zuwenig Wellen in der öffentlichen Wahrnehmung. Die Medien konzentrieren sich auf den Finanzcrash und selbst vom US-Wahlkampf wird noch mehr berichtet, als über diese zentrale Frage der deutschen und europäischen Außenpolitik. Wenn wir als Friedensbewegung unsere Forderung nach einer öffentlichen Debatte um den Afghanistankrieg und den Einsatz der Bundeswehr ernst nehmen, dann sollten wir dies auch mit entsprechendem Nachdruck und Beharrlichkeit einfordern - insbesondere von den öffentlich-rechtlichen Medien. Dies ist auch nach dem jüngsten Bundestagsbeschluss weiterhin wichtig. Die Bundesregierung hat sich den Einsatz vom Parlament schließlich nicht zufällig bis nach der Bundestagswahl 2009 verlängern lassen - sie will das Thema aus dem Wahlkampf heraushalten.
Immerhin ist eine Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger und damit auch der ZahlerInnen von Rundfunkgebühren gegen diese Einsätze, dann sollte sich die Politik schon etwas Mühe geben müssen, diese öffentlich zu begründen.
Ein aufmerksamer Zeitgenosse schlug vor, uns an die Redaktion von "hart aber fair" zu wenden und dort zu fordern, dass das Thema Afghanistaneinsatz der Bundeswehr dort auf den Tisch kommt. Er schätzt ein, dass je mehr Leute sich an die Redaktion wenden, umso eher ein Erfolg möglich ist. Der BSV ruft nun dazu auf, diese Forderung gegenüber "Hart aber fair" in individuellen E-Mails auszudrücken (Hartaberfair_online(at)WDR.DE) und zugleich eine bcc-Kopie an Kathrin Vogler zu senden (pazifistisch(at)gmx.de), damit die Resonanz überprüft werden kann.


ERFOLGE DER BILDUNGSARBEIT DES BSV

(Stephan Brües) Thema dieses Bundesausschusses, an dem ca. 25 Personen teilnahmen, war die Bildungsarbeit. Vorgestellt wurden der "No Blame Approach" gegen Mobbing in der Schule (Detlev Beck, FAIREND, Köln), die "Therapie social" (Kerstin Bunte, IMPULS, Marburg) und das Projekt "Kulturdolmetscher" (Outi Arajärvi, ifak, Göttingen). Detlev Beck erzählte kurz die Geschichte des No-Blame-Approach. Die BA-Teilnehmer waren selbst aufgerufen, sich durch ein Rollenspiel einzustimmen. So kamen die unterschiedlichen Wahrnehmungen zur Sprache. Die Teilnehmer erfuhren dann die Definition von Mobbing und die Grundprinzipien des Ansatzes. Die Erfolgsquote liegt nach einer Evaluation bei 87 %! Es gibt einen Run auf die Kurse, die FAIREND anbietet - in den letzten zwei Jahren haben bereits 3.000 Lehrer daran teilgenommen. Doch der Ansatz kann die Schüler nicht grundsätzlich umkrempeln und funktioniert nicht, wenn der Lehrer mobbt. Wie das Prinzip außerhalb der Schule, z.B. im Berufsleben, angewandt werden kann, daran arbeitet FAIREND noch.
Das Ziel der "Therapie social" nach Charles Rozman ist das Zusammenleben und -arbeiten in einer Gemeinschaft durch die Überwindung von Vorurteilen sowie die Förderung von Integration und Demokratie. Anwendung findet das Konzept in Fortbildungen (Polizei, Lehrer, Sozialarbeit), z.B. in Bad Kreuznach, sowie in Stadtteilprojekten, z.B. in Germersheim.
Den Hintergrund des Projekts Kulturdolmetscher des Instituts für angewandte Kulturforschung in Göttingen bilden Probleme von SchülerInnen und Eltern mit Migrationshintergrund. Die Kulturdolmetscher sollen z.B. Eltern bei der Entscheidung der Schullaufbahn der Kinder beraten, bei Gesprächen mit Lehrern unterstützen, Dokumente übersetzen sowie Streit schlichten. Zwar werden sie manchmal überfordert oder nicht honoriert, doch es wurde schon gefragt, warum damit nicht früher begonnen wurde.
Fazit: Insbesondere der Erfolg des No-Blame-Approach hat beeindruckt. Die Darstellung über das Rollenspiel hat das Konzept viel nachhaltiger wirken lassen, so dass der unwillkürliche Affekt bei dem Thema, die Schuldigen zu denunzieren und zu bestrafen, reduziert wurde. Es ist immer wieder toll, wie praktische Friedensarbeit bei BSV-Tagungen anschaulich vermittelt wird.


BELARUSSISCHE RECHTSSCHÜTZERiNNEN BEIM CASTOR
Eine Delegation belarussischer RechtsschützerInnen des Netzwerkes "Unser Haus" nahm auf Einladung des BSV am Widerstand gegen den diesjährigen Atommüll-Transport im Wendland teil. Dabei zeigten sich die Gäste beeindruckt von der Kreativität uns Selbstorganisation der Castor-Proteste: Olga Karatsch aus Witebsk bemerkte "Uns schien, dass Hunderte verschiedener Gruppen sich gegenseitig mit guten Ideen und bunten Aktionen übertrumpfen wollten. Es brauchte keine große Steuerung sondern jeder trug dazu bei, dass der Wiederstand zu einem großen Fest wurde. Das ist eine wichtige Erfahrung, die wir mit nach Hause nehmen, um uns nun gegen den Bau des ersten Atomkraftwerkes in Belarus wehren zu können." Der ehemalige Abgeordnete und Rechtsschützer Valeri Schtschukin verbrachte trotz seiner Achtzig Jahre die Nacht auf der Sitzblockade von X-tausendmalquer vor dem Zwischenlager: "Das Verhalten der Polizisten kommt uns vor wie auf einem anderen Planeten. Erst der Blick in die Geschichte des Widerstands und auf den enormen Aufwand der juristischen Selbsthilfe gibt uns eine leichte Hoffnung, dass auch wir in dreißig Jahren unsere Polizisten so gut erzogen haben werden."
Schade war nur, dass die Rechtschützer die Räumung der Sitzblockade nicht mehr miterleben konnten, da der Transport mit den Castoren durch die Proteste erst einen Tag später im Zwischenlager ankam.
Weitere Infos zu Unser Haus und dem Belarusprojekt des BSV unter:
www.soziale-verteidigung.de/index.php/International-gewaltfrei-eingreifen/Unser-Haus.html

AKTIONEN ZUM 60. JAHRESTAG DER NATO

(Kooperation für den Frieden) Unter dem Motto "Nein zum Krieg - Nein zur NATO" riefen am Wochenende in Stuttgart über 100 Vertreterinnen und Vertreter von Friedensbewegungen aus 16 Ländern Europas zu gemeinsamen großen Friedensaktionen aus Anlass des Gipfeltreffens zum 60. Jahrestag der NATO-Gründung am 3/4. April kommenden Jahres in Straßburg und Kehl auf.
Höhepunkt dieser Aktionen soll eine große Demonstration in Straßburg am Samstag, dem 4. April 2009 werden, zu der Friedensaktivisten aus vielen Ländern der NATO und der EU anreisen wollen. Ein internationaler Kongress soll die Gegenpositionen der weltweiten Friedensbewegung formulieren und aufzeigen, dass die NATO nicht mehr benötigt wird. Fantasievolle und gewaltfreie direkte Aktionen, wie Blockaden und andere Formen zivilen Ungehorsams sollen Zeichen des gewaltfreien Widerstandes setzen und ein Camp soll Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Möglichkeit bieten, sich auszutauschen und eigene Aktivitäten zu entwickeln. Ein "Internationales Koordinierungskomitee Nein zur NATO 2009" bereitet ab sofort die Zusammenarbeit mit den Friedensbewegungen in den verschiedenen Ländern und Regionen vor.
Weitere Informationen unter: www.koop-frieden.de/


KONGRESS "NO BLAME APPROACH"

(Detlef Beck) Der Kongress "No Blame Approach" vom 12. bis 14. Dezember in Bensberg ermöglicht einen interessanten Erfahrungsaustausch für AnwenderInnen des Ansatzes sowie für weitere Interessierte, die den Ansatz kennen lernen wollen. Am Kongress teilnehmen werden auch PraktikerInnen aus England, der Schweiz, den Niederlanden und Belgien. Workshops zu verschiedenen Aspekten des No Blame Approach runden das Programm des
Kongress ab.
Weitere Informationen und Anmeldung: www.no-blame-approach.de
Für Rückfragen zum Kongress stehen Heike Blum und Detlef Beck zur Verfügung:
Telefon 0221 6639676 oder 02236 379179 und info(at)fairaend.de


NETZWERK-ARCHIV BEI DER BÖLL-STIFTUNG
(Friedrich Heilmann) Das Netzwerk Friedenssteuer hat sich entschieden, seine archivierungswürdigen Unterlagen in eine professionelle Verwahrung zu geben:
zur Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin. Die Archivierung erfolgt nach den Grundsätzen des Bundesarchivs und ist steuerfinanziert, der volle Zugriff auf die Akten bleibt weiter gewährt und personenbezogene Daten sind auf 30 Jahre gesperrt.
Das Archiv der Böll-Stiftung versucht ein Archiv der "sozialen Bewegungen" zu werden und ist es weithin schon. Auch die Geschichte des Netzwerks Friedenskooperative Bonn ist dort "untergebracht".
http://www.boell.de/stiftung/archiv/archiv.html


RELAUNCH DER IFFF-WEBSITE

(Ute Finckh) Die deutsche Sektion der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit/IFFF hat ihren Webauftritt komplett neu gestaltet: http://www.wilpf.de
Auf der Homepage finden sich viele Informationen und Bilder zur Frauensfriedensarbeit in Deutschland und weltweit und eine ausführliche Liste von Links zu anderen Friedensorganisationen.


SPENDENBAROMETER

Friedensarbeit kostet Geld. So brauchen wir trotz Haushaltsanpassung in diesem Jahr immer noch 95.000 Euro, um unsere Arbeit nicht einschränken zu müssen. Bis Oktober haben wir Spenden über 49.191 Euro erhalten. Das entspricht ca. 52 %.


NEWSLETTER UND ANDERE MEDIEN
Der Newsletter erscheint am Monatsanfang v.a. mit kurzen Meldungen. Wenn diese hier veröffentlicht werden sollen, schicken Sie / schickt ihr sie bitte bis Monatsende an die Redaktion: kai-uwe.dosch(at)hammkomm.de.
Zum Bestellen oder Kündigen des Newsletters genügt eine E-Mail an die Geschäftsstelle: info(at)soziale-verteidigung.de.
Längere Texte kommen in die Mailinglist bsv-diskussionsforum(at)yahoogroups.com.
Zum Bestellen einfach eine leere E-Mail schicken an: bsv-diskussionsforum-subscribe(at)yahoogroups.com.
Weitere Informationen gibt es im Rundbrief "Soziale Verteidigung" und auf der Website www.soziale-verteidigung.de

REDAKTION
Kai-Uwe Dosch

HERAUSGEBER
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