Der BSV in Israel / Palästina und dem Irak

Friedenspolitik im Nahen und Mittleren Osten scheint oftmals aussichtslos. Seit Jahrzehnten verhärtete Fronten und die Dominanz der Gewalt prägen das öffentliche Bild.

Dem gegenüber haben sich in der Region zahlreiche gewaltfreie Initiativen entwickelt, die Frieden und Gerechtigkeit von unten aufbauen wollen. Als BSV unterstützen wir diese lokalen Akteure bei ihrer Arbeit.

 

Demo in Bagdad

Seit 2009 unterstützen wir in der arabischen Region die Arbeit des irakischen Netzwerks „Nein zur Gewalt“ (Laonf), dessen Gründungsphase wir über das Europäische Netzwerk Ziviler Friedensdienste (en.cps) mit verfolgten (siehe Bericht). Inzwischen haben sich über 150 Gruppen und Organisationen aus allen Gebieten des Iraks im Netzwerk organisiert.

An den mindestens einmal im Jahr organisierten „Wochen der Gewaltfreiheit“ mit vielen Veranstaltungen nehmen sogar über 200 Organisationen und tausende Einzelpersonen teil. Im November 2009 reiste erstmals eine BSV-Delegation zum Forum der Gewaltfreiheit nach Erbil.

Zur Zeit erkunden wir Optionen einer direkten Unterstützung des Netzwerks.

Woche der Gewaltfreiheit in Palästina

In Palästina gibt es eine lange Tradition des gewaltfreien Widerstands, der jedoch aufgrund der (medialen) Dominanz von Raketen- und Terroranschlägen gegen Israel und gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den palästinensischen Fraktionen immer wieder in den Hintergrund gedrängt wird.

Auf der Basis einer Studie über die verschiedenen gewaltfreien Gruppen durch Annika Müller, nahm der BSV Kontakt zu 14 gewaltfreien Organisationen und Gruppen in der Westbank auf. Diese sind wie Laonf im Netzwerk für Gewaltfreiheit in arabischen Ländern organisiert, jedoch gab es bisher noch keine gemeinsamen Aktivitäten auf palästinensischer Ebene.

Zur Stärkung der Partnerschaft machte ein Mitglied der Widerstandsgruppe im Dorf Bilin vom Februar 2011 bis Januar 2012 einen Europäischen Freiwilligendienst in der BSV-Geschäftsstelle.

Geschichte des BSV-Engagements in Israel / Palästina

In 2002 begann der BSV eine strategische Zusammenarbeit mit einer Reihe israelischer Friedensorganisationen, die schnell auch auf Palästinensische Organisationen ausgedehnt wurde. Ziel der Projektarbeit war die Unterstützung der Vernetzung zwischen den Organisationen und zu anderen deutschen, europäischen und weltweiten Partnern.

In 2002 finanzierte die Diakonie eine erste Erkundungsreise. In 2004 und 2005 finanzierte die Stiftung für Umwelt und Entwicklung in Nordrhein-Westfalen zwei Schultouren  israelischer und palästinensischer Friedensaktivisten, die über 1500 SchülerInnen den Konflikt und seine Implikationen für das (Zusammen-)Leben der lokalen Aktiven näher brachten.

In der gleichen Zeit ermöglichte der BSV Stipendien für die Teilnahme israelischer und palästinensischer Aktivisten an der vier monatigen Ausbildung zur Friedensfachkraft der Akademie für Konflikttransformation und finanzierte die Teilnahme von Aktivisten an europäischen Treffen.

Von 2005 bis 2008 entsandte der BSV die Friedensfachkraft Anna Crummenerl (und die Langzeitfreiwilligen Hendrik Dürr und Jonas Calabrese) in ein Projekt des Zivilen Friedensdienstes mit den Jahalin Beduinen in Azarija (Palästina).